Wochen-Rückblick: Erstaunlich ruhig!

Erstaunlich ruhig ging es vergangene Woche auf und rund um dem Betzenberg zu. War das vielleicht die bekannte „Ruhe vor dem Sturm"? Der Sturm, der die Roten Teufel nach langer Zeit als unscheinbare Brise nun so richtig erwischt? In jedem Fall war es eine richtungsweisende Woche. Auch dem größten Optimisten dürfte die Tendenz nun klar sein. Die emotionale Lage bei FCK-Fans hat sich gewandelt. Von Fassungslosigkeit und Resignation bis hin zum Hashtag der Woche #emotionalausgelaugt und was in der letzten Woche sonst noch wichtig war.


1. Die große „Leere“: Jean Zimmer trifft es ganz gut, wenn er nach dem Spiel in Magdeburg von „Leere“ spricht. Und diese Leere kommt nicht nur bei Jean Zimmer hoch, die fühlt der FCK-Fan schon lange, nicht erst seit der Niederlage in Magdeburg. Die emotionale Lage des FCK-Fans hat sich gewandelt. Dominierten zu Beginn der Saison noch Frust und Wut über die sportliche Situation, überwiegt spätestens seit dem blutleeren Auftritt in Magdeburg seit kurzem Resignation: Eine Haltung des Sich-Abfindens mit der Situation des unausweichlich erscheinendem Abstiegs. Nichts zu sehen was Mut geben kann. Kein Kampf, keine Laufbereitschaft, keine Gier nach Siegen. Mit jeder verkorksten Partie wird das kleine Fünkchen Hoffnung noch viel kleiner, es scheint im dunklen Tabellenkeller einfach nicht mehr zu brennen.


Aus dieser Resignation heraus ergibt sich diese „Leere“, von der Jean Zimmer spricht. Und sie ist härter als Wut oder Trauer. Die Leere lässt sich schwer in Worte fassen, sie lässt sich nicht raus schreien, sie lässt nicht mehr auf ein erfolgreiches nächstes Spiel hoffen. Die Leere hat sich insgeheim mit der Situation bereits abgefunden. Sie weiß unterbewusst, was wahrscheinlich bevorstehen wird: Regionalliga Südwest.


Doch der FCK-Fan kann nicht einfach bei dieser Leere stehen bleiben, sie will gefüllt werden. Doch wohin mit dem Gefühl der Leere? Auf Distanz gehen wäre eine Option, die angenehmste vielleicht. Sich nicht mehr damit beschäftigen müssen. Doch gelingen wird das wahrscheinlich nicht. Das Herz bleibt dort oben am Betzenberg, trotz aller Enttäuschungen. Also bleibt eigentlich nur, sich der Situation bewusst zu werden: Die Zeichen stehen auf Regionalliga. Mit dem Blick auf die Tabelle wird aus Verdrängung langsam Realität. Man muss sich auf das Szenario Viertklassigkeit einstellen. Die Gegner würden dann statt Dynamo Dresden und 1860 München, Bahlinger SC und Steinbach Haiger heißen. Statt den FCK in großen vollen Stadien zu sehen, würde man nun im Südwesten kicken und höchstens auf die zweiten Garden der großen Clubs stoßen.


Auch in Sachen Finanzen wird der FCK in der 4. Liga kein leichtes Spiel haben. Die finanzielle Last ist auch bei einem Abstieg nicht genommen. Zwar sei die Lizenz für die Regionalliga mit einer Garantie über 35.000 Euro finanziell darstellbar, Probleme warten aber vor allem auf anderen Ebenen: Dass der FCK im Falle eines Abstiegs weiterhin im Fritz-Walter-Stadion spielt, ist laut Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt eher unwahrscheinlich. Zu hoch seien die laufenden Kosten (1,5 Millionen Euro Betriebskosten) und die Stadionmiete (625.00 Euro pro Saison). Hier wird es ohne die Zustimmung und Kooperation der Stadiongesellschaft lauten: Endstelle, bitte aussteigen!


Weitere Veränderungen im Falle des Abstiegs wird es auch im Kader geben. Die Kaderplanung wird wohl fast von Null beginnen, da die meisten Spielerverträge keine Gültigkeit für die Regionalliga besitzen. Für die meisten Spieler kein Problem, ihre Berater werden sie zeitnah mit neuen gutdotierten Verträgen ausstatten. Grundsätzlich ist das Szenario Regionalliga aus FCK-Sicht nicht gewollt, aber darstellbar. Ein wenig Mut macht aber die Ankündigung Voigts im SWR-Podcast vor einigen Tagen: „Der FCK wird nicht untergehen. Wir werden ein Szenario vorbereiten, damit es auch dann weitergeht“.


Zimmer hofft auf Erkenntnisse während der Busfahrt (Kicker)

Regionalliga: Nicht gewollt, aber darstellbar (Treffpunkt Betze)

FCK arbeitet am Szenario für die Regionalliga (Liga3 Online)


2. Ohne Kleinsorge im Abstiegskampf: Die Zahl derjenigen Spieler, die dem Verein im Abstiegskampf helfen können, sinkt von Woche zu Woche. Auf dem Platz spiegeln sich regelmäßig Leistungsverweigerungen wider, die Antwerpen nun mit einer "härteren Gangart" bestrafen will. Möglich ist auch, dass manch einer die kommenden Spiele nur noch von der Tribüne aus erleben darf. Verletzungsbedingt wird auch Marius Kleinsorge dazu gehören. Der zuletzt wiedererstarkte Flügelspieler fehlt dem FCK nun endgültig im Abstiegskampf. Wollte der 25-Jährige trotz seiner Leistenverletzung weiter trainieren und spielen, muss er sich nun doch seiner Verletzung geschlagen geben und wird sich wohl doch früher als erwartet einer OP unterziehen. Kleinsorge stand in dieser Spielzeit bisher 14 Mal auf dem Platz und erzielte dabei einen Treffer. Ganz bitter, bräuchte der FCK doch jede Offensivkraft, um den 18. Platz hinter sich zu lassen. Marius Kleinsorge bleibt neben Nicolas Sessa damit weiterhin so etwas wie der Pechvogel. Gute Besserung, Marius!


Leistenverletzung: Kleinsorge fällt aus (Treffpunkt Betze)


3. Lockenschopf und Nasenpflaster - ein Held wird 55: Grund zum Feiern hat in der vergangenen Woche nur Olaf Marschall. Die FCK-Legende der 90er Jahre und bis heute für viele FCK-Anhänger eine Kultfigur feierte am 19. März seinen 55. Geburtstag. Der Lockenkopf stürmte fast 10 Jahre von 1994 bis 2002 für die Roten Teufel und erzielte dabei 73 Tore in 199 Pflichtspielen. Er hatte mit seinen 21 Toren großen Anteil an der Deutschen Meisterschaft 1997-98. Nach seiner aktiven Karriere als Spieler, blieb er dem FCK in verschiedenen Funktionen treu: Als Funktionär, als Trainer und aktuell als Chef-Scout. Happy Birthday, Olaf Marschall Fußballgott!


Lobrede: Markenzeichen Lockenschopf und Nasenpflaster (Matthias Gehring)


Quelle: Treffpunkt Betze