Roundhouse-Kick: Tarzans Rückkehr und das Ende der Montagsspiele

Tarzans Comeback und das Ende der Montagsspiele. Unser FCK-Wochenrückblick.

Der Hashtag der Woche: #suboptimal. Wie lange eine Minute sein kann, hängt davon ab, auf welcher Seite der Toilettentür man steht! So simpel diese Weisheit auch klingen mag, sie verdeutlicht, wie unterschiedlich Sachverhalte interpretiert werden können. Was als Oberlippenbart begann, endet als optische Ordnungswidrigkeit. Heute noch mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt, morgen schon wieder der Hoffnungsträger im Ausbildungsbereich. Anstatt Meisterfeierlichkeiten ging es in die Berge. Einst als Gelddruckmaschine gefeiert, nun als „fanunfreundlich“ verteufelt. Falsche Entscheidungen gehören zum Alltag, wie das Betzelied zu einem Heimspiel. Alles, was in der letzten Woche wichtig war - hier in unserem Wochen-Rückblick.


1. Der Schnorres muss weg: Kevin Kraus ist ohne wenn und aber ein Drittliga-Urgestein beim pfälzischen Traditionsverein. Seit 2018 schnürt der ehemalige Heidenheimer die Schuhe für die Lautrer und hat in dieser Zeit 114 Ligaspiele absolviert. Dass bei dieser Bilanz auch viele Höhen und Tiefen erlebt werden ist klar. Im SWR Podcast „Nur der FCK“ berichtet Kraus, was die Roten Teufel in dieser Saison so stark macht. Der 29-jährige Defensivspieler sieht den Schlüssel zum Erfolg wie viele andere auch in der Vorrundenbegegnung gegen Mannheim. Nachdem mit neun Mann die berühmte Null gehalten werden konnte, sei diese Geilheit sein eigenes Tor zu verteidigen entstanden, so glaubt er. Der FCK hat einen guten Lauf. Aber ob es am Ende für den ganz großen Wurf reicht, sei teamintern derzeit kein großes Thema: "Klar guckt man hier und da mal auf die Tabelle und weiß, dass man auf Platz 2 steht. Aber wir tun gut daran, dass wir von Spiel zu Spiel denken. Das ist zwar eine Floskel, aber das ist das Beste in der Situation. Wir wissen natürlich auch, wenn wir unsere Spiele gewinnen, sind wir nicht mehr von Platz 2 wegzudenken". Wegzudenken wäre für viele Fans der Oberlippenbart des gebürtigen Hessen. Im Derby setzte er ihn bewusst aufs Spiel. Bei einem Sieg sei der Schnorres Geschichte, erklärte er sich mit dem Vorschlag eines Fans einverstanden. Machen wir es kurz: Es ist doppelt schade, dass Terrence Boyd den Ball völlig freistehend auf die A6 ballerte!


Beim Derbysieg gegen Waldhof wird der Bart abrasiert!


2. Ehrmann – keiner macht uns mehr an: Es ist durch Gerry Ehrmann zu massiven, substantiellen Beleidigungen, Arbeitsverweigerungen und Drohungen gegenüber dem Trainerteam gekommen. Zum Schutz der betroffenen Personen und für die Gewährung eines zielgerichteten Trainings- und Spielbetriebs sah sich die Vereinsführung zum Handeln gezwungen“, so lauteten im Februar 2020 die Worte einer Stellungnahme des FCK. Nun, zwei Jahre später, stellten die Roten Teufel ihren neuen Torwart-Trainer im Nachwuchsleistungszentrum vor: Gerry Ehrmann! Man hat sich zwar zu Beginn des letzten Jahres außergerichtlich einigen können und war sich mit beiden Parteien "darüber einig, dass sie in ihren Handlungen und Bewertungen zum damaligen Zeitpunkt über das Ziel hinausgeschossen sind", aber als neutraler Beobachter wirkt die neueste Entscheidung zumindest seltsam. Wenn die Clubverantwortlichen dem 62-jährigen nun ihre Nachwuchstorhüter anvertrauen, müssen sie, um im richtigen Wortlaut zu bleiben, bei der Bewertung der Vorkommnisse von 2020 massiv über das Ziel hinausgeschossen sein und überreagiert haben. Warum Ehrmann dann aber nach der Einigung nicht vollständig rehabilitiert und wieder als Torwarttrainer im Profibereich eingesetzt wurde, ist schleierhaft. Wie dem auch sei, er ist und bleibt eine Ikone am Betzenberg und es tut gut, dass er wieder zurück ist. "Gerry Ehrmann verfügt bekanntermaßen über einen riesigen Erfahrungsschatz und hat in seiner jahrelangen Arbeit beim FCK immer wieder unter Beweis gestellt, dass er ein gutes Händchen für Torwarttalente hat und diesen die nötigen Werte vermitteln kann, die sie weiterentwickeln und aufs Profigeschäft vorbereiten", erklärt Uwe Scherr, der sportliche Leiter des NLZ, zu der Personalie. Welcome back, Gerry!


Zwei Jahre nach Trennung: Ehrmann kehrt zum FCK zurück


3. Wäre, wäre - Fahradkette: Uwe Wegmann feierte seinen größten sportlichen Erfolg einst mit dem 1. FC Kaiserslautern. Der mittlerweile 58 Jahre alte Stürmer stand 1996 mit den Roten Teufeln im DFB-Pokalfinale gegen den Karlsruher SC und konnte gemeinsam mit seinen Mannschaftskameraden nach dem 1:0-Sieg den Pott in die Berliner Abendluft strecken. 1997, nach dem direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga, verließ der ehemalige Bochumer den FCK trotz zwölfmonatiger Restlaufzeit seines Vertrages jedoch und schloss sich dem FC Lugano an. Die darauffolgende Sensationsmeisterschaft ließ er sich so leider entgehen. „So etwas weiß man vorher nie. Ich habe ehrlich nie meinen Wechsel in die Schweiz bereut. Ich habe die Möglichkeit bekommen, als Spielertrainer zu arbeiten, habe mir über Jahre in der Schweiz einen Namen gemacht, hatte viel Spaß und war recht erfolgreich“, sagt er offenbar sehr zufrieden und trotz des verpassten Titels. Mittlerweile hat es den gebürtigen Allgäuer wieder in seine Heimat, zu der sein Kontakt auch als Profi nie abgerissen war, zurückverschlagen. Und natürlich konnte er auch nach seinem Karriereende seiner großen Leidenschaft Fußball nicht abschwören. Wegmann betreibt in Burgberg eine Fußballschule und gibt dort den Kids seine Erfahrungen aus 240 Bundesliga- und 116 Zweitligaspielen weiter. Das Thema „vorzeitige Beendigung von Vertragsverhältnissen“ sollte er jedoch besser außen vor lassen. Da scheint ihm das richtige Näschen etwas zu fehlen.


Nach dem Rampenlicht: So lebt Ex-Fußball-Profi Uwe Wegmann aus Burgberg heute


4. We don't like mondays: Am 18. Oktober 1993 ging es los. An diesem Tag endete der 12. Spieltag der zweiten Liga mit dem Spiel St. Pauli gegen Bochum – an einem Montag! Es war seinerzeit ein Novum. Die ursprüngliche Idee dazu entstand beim Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) und wurde vom DFB sehr schnell für gut befunden. Mit der Austragung des Topspiels der zweiten Liga am bisher einzigen fußballfreien Wochentag ließ sich schließlich gutes Geld verdienen - und die nörgelnden Fans würden sich schon daran gewöhnen. Also wurden solche Brüllerspiele wie Schweinfurt gegen Ahlen oder Fortuna Köln gegen Jena kurzerhand zum Topspiel erklärt. Und die Kasse sollte klingeln. Und weil das Modell so wunderbar funktionierte, während sowohl DFL als auch DFB ihre Basis gekonnt ignorierten und nur noch mit dem Teleskop wahrnehmen konnten, wurden Montagsspiele nun auch fester Bestandteil der ersten und der dritten Liga. Fanfreundliche Anstoßzeiten oder Entfernungen interessierten schon lange niemanden mehr in den oberen Etagen. Der Pöbel sollte zahlen, wieder brav in seiner Fankurve verschwinden und anständig Stimmung machen. Nur so lässt sich das Produkt gut verkaufen und der Rubel rollt. Womit in Zeiten von Goldsteaks und Transfers jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke aber niemand gerechnet hat, war das Aufbegehren der Fans. Im Laufe der Jahre machten immer mehr Gruppierungen mobil und untermauerten ihr Anliegen mit verschiedenen Aktionen. In der ganzen Republik wehten Banner in den Fanblöcken und es wurde immer wieder zum Boykott der Montagsspiele aufgerufen. Und steter Tropfen höhlt jeden Stein. Auch den der realitätsfremden und sturen Fußballbosse Deutschlands. Zunächst wurde in der ersten und zweiten Bundesliga mit Beginn der aktuellen Saison auf die Ansetzung weiterer Montagsspiele verzichtet und diesem Beispiel folgen ab der Spielzeit 2023/24 auch die Planer der dritten Liga. Vielen Dank an alle, die mit ihrem Protest dazu beigetragen haben!


Ende der Montagsspiele: DFB hat die Zeichen der Zeit erkannt


5. Film im Ohr Marco Menches und Thorsten Heller berichten gemeinsam mit drei weiteren Kollegen für blinde und sehbehinderte Fans bei jedem Heimspiel des FCK, was sich auf dem Rasen zuträgt. Von den Blindenreportern wird nicht mehr verlangt als 90 Minuten absolute Höchstleistung. Sie fungieren für die beeinträchtigen Anhänger als Kamera, die die Bilder des Geschehens in das Ohr ihrer Zuhörer hineinprojizieren. Lange Redepausen dürfen keine entstehen. "Man muss sich das ja vorstellen, derjenige, der sieht, der nimmt ja andere Eindrücke war, das heißt man muss nichts sehen, um am Leben teilnehmen zu können. Der Blinde hat überhaupt nichts, außer das was er hört, fühlt oder schmeckt... von daher sind 3 bis 4 Sekunden Stille fast schon wie ein halber Film, im dem nichts passiert", erklärt Marco Menches. Einer, den die Blindenreporter regelmäßig mit Spielinformationen füttern, ist Pascal Wingen aus Worms. Der junge Mann ist Dauergast und man spürt die Freude, die er an seinem FCK hat. „Mir gefällt es hier. Und das ist wirklich mein zweites Wohnzimmer. Ich war, seit ich drei bin, hier oben. Sogar gegen Bayern“, erzählt er voller Stolz. Toll, dass es rund um den Betzenberg so sozial engagierte Menschen wie Marco Menches und Thorsten Heller gibt, die diese Aufgabe ehrenamtlich übernehmen.


Blinde FCK-Fans sind voll dabei mit den Fußballreportern im Fritz-Walter-Stadion


Quelle: Treffpunkt Betze

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