Kämpfer – Lenker – Denker

EISENBERG. Das SOS-Kinderdorf in Eisenberg hat einen Freund mehr: Jan Löhmannsröben, seit Sommer Fußball-Profi beim 1. FC Kaiserslautern, hatte knapp 3000 Euro zu verschenken und sah bei seinem Besuch am Donnerstag, dass das Geld im Kinderdorf sehr gut angelegt ist.


Und das kam so: Am 2. September wurde Löhmannsröben nach dem 1:1 des FCK in Zwickau in Deutschland zum Medienstar. Auf dem „Betze“ ist der 27-Jährige nach vier kernigen Sätzen seither Kult. „Wenn das ein Schiri ist, weiß ich nicht, Digga, dann soll der Cornflakes zählen gehen.“ Die Worte widmete Jan Löhmannsröben live und in Farbe Schiedsrichter Markus Wollenweber. Der hatte in letzter Minute auf Handelfmeter für Zwickau entschieden – ein schwerwiegender Irrtum. Dabei war Löhmannsröben von Ronny König gefoult worden. Statt 1:0 hieß es 1:1. Löhmannsröben war auf 180: „Ich hoffe, der kann ’ne Woche nicht pennen. Er soll erst mal Kreisliga pfeifen und mal die Augen aufmachen. Das ist ja eine absolute Frechheit.“ Der DFB verhängte hernach eine Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro gegen „Löh“, die aus der Mannschaftskasse beglichen wurde. Aus dem ganzen Land schickten Fans Cornflakes an den DFB, die an Kindergärten und an Einrichtungen in sozialen Brennpunkten verteilt wurden.


Der Mittelfeldspieler besuchte am Donnerstag das SOS-Kinderdorf in Eisenberg und überbrachte einen Scheck über 2664 Euro – der Reinerlös aus dem Verkauf eines T-Shirt-Sonderdrucks mit „Löhs“ Cornflakes-Spruch. Helge Brock, der Bereichsleiter Kinderdorffamilien, und Kinderdorfmutter Heike Funke, sagten „Danke“. Das Geld wird nach und nach im Dorf eingesetzt. Bedarf ist da.


„Löh“ kam und gewann die Herzen im Sturm. „Du kannst du sagen, so alt bin ich noch nicht“, entgegnete er Brocks Willkommensgruß. Mit Heike Funke, einer Kinderdorfmutter, die unterstützt von zwei Erziehern und einer Reinigungskraft sechs Kinder unter ihren Fittichen hat, war „Löh“ gleich auf einer Wellenlänge. „Ich bin großer Fan“, verriet Funke: Dauerkarte – Westkurve. „Löh“ strahlend: „Das ist ja mal ein guter Anfang…“


Der Profi ist lustig, der Profi ist witzig. Aber er hält inne, lässt sich informieren über das Konzept, das Leben in Familien – so ganz anders als im Heim – , die Ausbildung, das Miteinander. Heike Funke lebt das – inzwischen hat sie eine volljährig gewordene junge Frau, die bei ihr groß wurde, adoptiert. Brock verriet, dass Funke ihren Urlaub „opferte“, um mit „ihren“ Kindern in Urlaub zu fahren. „Respekt. Cool ... “ So viel Idealismus – Löhmannsröben ist tief beeindruckt.


Er gewährte Einblicke in seine eigene Biografie. Er ist Vollwaise. Seine Eltern starben bei einem Unfall – er war drei. Waisenhaus. „Ich war im Heim. Aber nur kurz. Ich hatte Glück, wurde vier Monate später von zwei herzensguten Menschen adoptiert …“


Helge Brock schilderte, dass im Kinderdorf heute kaum mehr Waisenkinder leben – anders als bei Gründung 1959. „Es sind heute meist Sozial-Waisen“, erklärte Brock. Es sind Kinder, die das Jugendamt nach Eisenberg schickte. Kinder, deren Eltern aus wirtschaftlichen Gründen, wegen Krankheit, Sucht, Überforderung, Missbrauch oder auch Desinteresse nicht für eine vernünftige Erziehung sorgen konnten. Beim Rundgang auf dem 3,5 Hektar großen Areal begegnete „Löh“ auch der Kindergartengruppe, der auch Kids aus der Stadt angehören. „Kommt alle mal zum Onkel ,Löh’“, sagte er. Ein kleiner Kerl hat einen Riesenzettel in der Hand. „Was ist das denn, ein Strafzettel, weil du dein Bobby-Car falsch geparkt hast?“ „Löh“ sprach mit den „Kids“ - über Süßigkeiten, Spiele, Mittagessen, Weihnachten, Haustiere. Ein Mädchen trauert um ihren Hund. „Löh“ tröstete: „Harras schaut uns bestimmt aus dem Himmel zu.“ So ein großes Herz!




Er schenkt den Kindern Turnbeutel mit dem Teufelsbandenaufdruck. „Ich bin der Weihnachtsmann – nur der Bart ist noch zu kurz …“


Jan Löhmannsröben ist tief beeindruckt von der Arbeit im Kinderdorf, vom Idealismus der Menschen, die dort arbeiten. Er freute sich, dass er ein kleines bisschen helfen konnte. „Kinderlachen ist das Schönste auf der Welt!“ Und er vergisst die eigene Lebensgeschichte nicht: „Ich bin dankbar, dass ich so viel Glück hatte!“


Den Eltern, die ihn adoptierten, ist er unendlich dankbar: „Ich hatte eine schöne Kindheit und einen guten Freundeskreis.“ Der Typ, der auch durch seine Tattoos ein bisschen verrückt und wild ausschaut, hat seinen Eltern zwei Plätze geschaffen: „Im Herzen und auf der Haut.“


Am Montag (19 Uhr) will Löhmannsröben in Aalen den Aufwärtstrend fortsetzen. Beim 2:0 gegen Uerdingen war er der beste Mann auf dem Platz. Ein bisweilen rustikaler Balleroberer, ein bisweilen genialen Passgeber. Ein Typ. Ein Original. Ein besonderer Mensch – mit viel Herz!


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Zur Sache: Pick muss sich gedulden


Nach dem 3:1 am Mittwoch im Verbandspokal-Achtelfinal-Derby beim FK Pirmasens richtet sich die Aufmerksamkeit des 1. FC Kaiserslautern auf die Drittliga-Partie am Montag (19 Uhr) beim VfR Aalen. Es sieht danach aus, dass FCK-Trainer Michael Frontzeck weitgehend auf die Startelf setzt, die vor einer Woche in die mit 2:0 gegen Uerdingen gewonnene Partie gegangen ist. Da ließen die Lauterer zwar erneut einige gute Chancen aus, präsentierten sich ansonsten aber äußerst souverän und stabil.


Ob in Julius Biada erneut ein offensiverer Mann in der Zentrale vor den beiden Sechsern spielt, oder ob der etwas defensiver orientierte Gino Fechner auswärts wieder in die Startelf rückt und dafür Theo Bergmann weiter vorne aufläuft, ließ Frontzeck offen. Innenverteidiger Jonas Scholz (19) wird wieder auf der Bank sitzen: Özgür Özdemir und Lukas Gottwalt sind nach ihren Verletzungen noch nicht so weit. „Sie brauchen noch ein bisschen. Ich denke, dass sie in den nächsten 14 Tagen wieder Anschluss finden“, sagte Frontzeck. Torwart Jan-Ole Sievers (Bizepssehnenanriss) erwartet der Coach in den nächsten Wochen zurück im Teamtraining. Mit Stürmer Lukas Spalvis sei nach seiner Knieoperation erst im Jahr 2019 wieder zu rechnen, sagte der FCK-Trainer. Ähnliches gilt für Dylan Esmel (Kreuzbandriss) und Flavius Botiseriu (Meniskusverletzung).


Florian Pick muss sich aus anderen Gründen noch gedulden. Der flinke und trickreiche Außenbahnspieler durfte am Mittwoch im Verbandspokal wieder ran, betrieb mit seinen zwei Toren Eigenwerbung. „Das hat mir gutgetan“, sagte Pick, „aber ich weiß auch, dass ich es mit dem Dribbeln dann manchmal übertreibe.“ Frontzeck sieht den 23-Jährigen „auf einem guten Weg“. Vorerst sollen sich Picks Lernfortschritte aber beim FCK-Oberliga-Team „verfestigen“, wie es Frontzeck formulierte.



Quelle: Die Rheinpfalz


Quelle: https://www.swr.de/sport/fussb…,loehmannsroeben-114.html