Kommentar: Rückfall in vergangen gehoffte Zeiten

Vor der ersten Ecke für den FCK postiert sich Timmy Thiele direkt neben Hansa Torwart Gelios auf der Torlinie. Dieser schiebt ihn zunächst weg, Thiele hält dagegen, bleibt schließlich etwa einen Meter vor ihm stehen. Der Keeper konzentriert sich weiterhin auf den bulligen FCK-Stürmer und verpasst durch dieses Scharmützel schließlich tatsächlich das Herauslaufen. Die Bergmann-Ecke kommt genau auf Lukas Gottwalt, der die Kugel aus 5 Metern wuchtig ins Tor köpft. Fehler Hansa – Führung FCK.


Perfekter Start für den FCK und Torpremiere nach einem Eckball in der laufenden Saison. Nebenbei ist Gottwalt bereits der 12. Ligatorschütze im Team. Hansa Rostock kommt in den ersten 21 Minuten noch nicht einmal in Strafraumnähe. Die rot gekleideten haben das Spiel im Griff. Dann spielt Jan Löhmannsröben ungedeckt einen ebenso unnötigen wie auch ungenauen Rückpass Richtung Dominik Schad, den dieser auch noch völlig falsch einschätzt. Im darauffolgenden Laufduell gegen Biankadi bringt Schad zunächst mustergültig seinen Körper zwischen Ball und Gegner, stolpert jedoch im Strafraum -scheinbar ohne gegnerische Einwirkung- und geht zu Boden. Biankadi bringt den Ball von der Torauslinie nun mühelos auf den Fünfer, wo Lukas Gottwalt nicht aufpasst und FCH-Stürmer Königs aus kurzer Distanz zum Ausgleich einschieben lässt.


Mit einem Mal zeigt sich die bis dahin souveräne FCK-Mannschaft plötzlich übernervös. Nach einem Ballgewinn durch den starken Kraus im eigenen Strafraum spitzelt Bergmann den Ball ohne Not überhastet und unkontrolliert mit dem schwächeren Fuß aus dem Strafraum, statt ihn anzunehmen oder richtig zu klären. FCH-Verteidiger Bülow schießt direkt flach aus der Distanz ins Eck - Hesl ist die Sicht versperrt. Rostock hat das Spiel gedreht. Noch dicker kommt es zwei Minuten später: Fehlpass Löhmannsröben in der Zentrale, der Ball wird auf Hansas linke Seite gespielt, wo Biankadi luxuriöse 10 Meter Vorsprung auf seinen Gegenspieler Florian Dick hat und unbedrängt aus gut fünfzehn Metern einnetzt. Spielstand 3:1 nach 3:2 Torchancen – allesamt durch grobe individuelle Fehler verursacht. Willkommen in der 3.Liga!


Der FCK spielt in der zweiten Hälfte durchaus ordentlich aber als Torwart Gelios in der 70. Minute im Anschluss an ein Gestocher vor dem FCH-Tor auch noch den Kracher von Hendrik Zuck entschärft ist eigentlich klar, dass dieses Spiel nicht nochmal kippen wird. Beim Kontertor zum 4:1 ist die Entscheidung längst gefallen. Bezeichnend: In seiner besten Szene setzt sich Florian Pick gegen drei Gegner durch und bedient Thiele mustergültig, der aber freistehend an Torwart Gelios scheitert – ihm fehlt momentan einfach das Erfolgserlebnis. Letztlich gewinnt Hansa Rostock ein recht ausgeglichenes Spiel dennoch vollkommen verdient. Weil sie Ihre Chancen eiskalt nutzen und einem spielerisch schwachen FCK jegliche Handlungsschnelligkeit fehlt.

Sechs Flügelspieler - null nennenswerte Offensivaktionen

Zwanzig Minuten macht der FCK fast alles richtig, und bringt plötzlich durch eine Reihe von Fehlern die Gastgeber wieder ins Spiel, agiert fortan völlig nervös. Dazu kommt das Pech, dass der Gegner aus seinen ersten drei Chancen auch gleich drei Tore macht. Das Match wird durch Fehler im Spielaufbau verloren, durch mangelnde Konzentration und völlig unerklärliche Hektik.


Wirklich logisch klingt das erst mal nicht, aber der Ausfall von Janek Sternberg schwächt gleich zwei Positionen. Dominik Schad macht auf der für ihn ungewohnten linken Seite sein erstes schlechtes Saisonspiel und Routinier und Geburtstagskind Florian Dick ist gegen den flinken Biankadi 90 Minuten lang komplett überfordert. Nach vorne kommt von den beiden völlig verunsicherten Außenverteidigern überhaupt nichts.


Theodor Bergmann kommt auf der Zehnerposition weder mit der Vielzahl an Gegenspielern noch mit den zum Teil vollkommen unorthodoxen Laufwegen der Kollegen Kühlwetter und Hemlein zurecht. Beide werden gegen Hendrick Zuck und Florian Pick ausgetauscht, die zwar etwas besser als Ihre Vorgänger spielen, aber das Match auch nicht mehr drehen können. Über die gesamte Saison gesehen sind die äußeren Mittelfeldpositionen bereits durchgängig unser Schwachpunkt. Egal ob Kühlwetter, Pick, Hemlein oder Zuck jeweils links oder rechts spielen: Die Einstellung stimmt, aber keiner von Ihnen hat bisher mehr als ein oder maximal zwei richtig gute Spiele gemacht. Gefährliche Dribblings in den Strafraum oder Flankenläufe gibt es höchstens von den Außenverteidigern – an diesem Samstagnachmittag leider noch nicht einmal das. Für das Transferfenster in der Winterpause wäre ein schneller Außenbahnspieler (vorzugsweise Linksfuß) der offensiv und defensiv eingesetzt werden und idealerweise auch noch flanken kann, sicherlich ein brauchbares Anforderungsprofil.

Keine Ideen aus der Zentrale

Wie schon gegen Cottbus ist es auch an der Ostsee spielerisch viel zu wenig, was der FCK zu bieten hat und der in die zweite Mannschaft strafversetzte Julius Biada fehlt an allen Ecken und Enden, gerade wenn es darum geht in der Nähe des gegnerischen Strafraums Chancen zu kreieren. In der Zentrale präsentiert sich Jan Löhmannsröben mit einer für ihn ungewöhnlich hohen Fehlerquote und für meinen Geschmack zu defensiv, Mads Albaek wird leider erst im zweiten Abschnitt aktiv, harmoniert aber mit Löh über 90 Minuten erstaunlich schlecht. Er scheint immer noch nicht in Liga 3 angekommen zu sein. Die spielerische Idealbesetzung im Zentrum, Biada-Bergmann-Löhmannsröben, kam bisher leider nur ein einziges Mal zum Einsatz – beim besten Saisonspiel gegen Uerdingen.

Die Abstände sind zurück

Sie sind wieder da – die Abstände. Nicht nur die auf Osnabrück, Münster & Co. in der Tabelle -wobei diese durchaus noch schlimmer aussehen könnten, sondern die Abstände zwischen den verschiedenen Mannschaftsteilen beim FCK. Schwer zu sagen ob Thiele, Bergmann, Kühlwetter und Hemlein zu früh vorne drauf gehen oder der Rest der Mannschaft einfach zu langsam nachrückt. Jedenfalls kann sich Rostock viel zu leicht mit ein, zwei simplen Pässen befreien – genau wie Cottbus in der Woche zuvor. So macht es keinen Sinn den Gegner früh zu attackieren. Entweder alle oder keiner. Die letzten beiden Spiele stellen diesbezüglich einen Rückfall in Zeiten dar, die längst überstanden schienen. Nach den Auftritten gegen Uerdingen und Lotte, schien das Thema eigentlich abgehakt zu sein – jetzt muss man sich fragen ob nicht die beiden starken Spiele die eigentliche Ausnahme darstellen.


Wenn der Spielgestalter einen schlechten Tag hat, der Topstürmer seine Torflaute nicht ablegt und der kreativste Offensivspieler nur in der Oberliga zum Einsatz kommt, dann wird es ganz schwer für die Roten Teufel ein Spiel zu gewinnen. Allerdings sind es weniger die „Einzelschicksale“ die mir Angst machen, sondern mehr die taktische Mannschaftsleistung, die Laufwege und das Verschieben der einzelnen Mannschaftsteile. Das muss dringend wieder besser werden, sonst rutschen wir in der Tabelle weiter ab.

Frontzeck stinksauer auf den Schiedsrichter

Nach dem Spiel regte sich Frontzeck über die Schiedsrichterentscheidung vor dem 1:1 auf, was wohl die meisten Coaches so machen würden, schließlich kippte hiermit das Spiel. Aber auch er wird wissen, dass das Team nach einer Führung niemals so einbrechen darf. Und es muss in der Lage sein, aus dem Spiel heraus mehr gefährliche Chancen zu kreieren. Hier muss er als Trainer nun ebenso gegensteuern wie auf der mentalen Schiene. Diese Mannschaft muss einfach das Selbstvertrauen haben, ein Gegentor wegzustecken ohne anschließend komplett in Panik zu verfallen.


Nächsten Mittwoch gilt es nun erstmal im Spiel gegen Gau-Odernheim eine Pokalsensation zu vermeiden um dann in der restlichen Länderspielpause die Automatismen zu erarbeiten, die eigentlich längst sitzen sollten und vor zwei Wochen auch zu funktionieren schienen.


Quelle: Treffpunkt Betze

Antworten 7

  • buck hat gestern in flutlicht genau unser dilemma beschrieben

    keine risikobreitschaft,schlechtes stellungsspiel und kein plan für unser offensivspiel


    genau diese dinge sind doch so offensichtlich,dass sie jeder erkennen kann.

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  • ... diese dinge sind doch so offensichtlich,dass sie jeder erkennen kann.

    "... dass sie jeder erkennen könnte." Ich glaube, dass Dein Satz so korrekter ist.

  • Und wenn man dann das "könnte" durch "müsste" ergänzen würde, bekäme das Ganze noch mehr "Druck" im Hinblick auf "Veränderungsverpflichtung"! ;)

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  • buck hat gestern in flutlicht genau unser dilemma beschrieben

    keine risikobreitschaft,schlechtes stellungsspiel und kein plan für unser offensivspiel


    genau diese dinge sind doch so offensichtlich,dass sie jeder erkennen kann.

    Ja nur komisch dass die Bosse da oben es scheinbar nicht alle erkennen können..... selbst die Mitarbeiterin im FCK Stadion-Fanshop hatte mir was anderes gesagt..... Oh man.

  • Wenn die Mitarbeiterin im Fanshop (Frau Kuntz?) widerspricht muss auf der Stelle gehandelt werden!


    Worauf warten "die Bosse da oben" noch? Und wer sind diese Bosse eigentlich?

  • Spielt doch keine Rolle wer sie sind, sie haben eh nicht soviel Ahnung wie diverse Bäcker, Mechaniker, Postboten oder gar die (vermutlich) Einzelhandelskauffrau im Fan-Shop!


    Und bevor sich jemand auf den Schlips getreten fühlt: Die genannten Berufe sind nur Platzhalter für alle anderen Berufe, die sich nicht Vorstand oder Sportchef eines Profivereins schimpfen...

  • Wenn die Mitarbeiterin im Fanshop (Frau Kuntz?) widerspricht muss auf der Stelle gehandelt werden!


    Worauf warten "die Bosse da oben" noch? Und wer sind diese Bosse eigentlich?

    Ja Frau Kuntz. :D

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