Frontzeck: "Ich werde diesen Kader bis zum Schluss bedingungslos verteidigen!"

Turbulente Tage am Betzenberg. Zum ersten mal in dieser Saison kochten am Sonntag die Emotionen auf dem Betzenberg im negativen Sinne hoch. Ein gellendes Pfeifkonzert und unüberhörbare "Frontzeck raus" Rufe schallten der Mannschaft entgegen. Heute stand die Pressekonferenz vor dem richtungsweisenden Auswärtsspiel am Freitag bei der SpVgg Unterhaching (19 Uhr) an. Trotz der bescheidenen sportlichen Lage darf der FCK sich dabei über mindestens 1.600 Unterstützer freuen. Michael Frontzeck gab sich derweil kämpferisch und äußerte sich über die Kritik an seiner Person, die Mannschaft und den Gegner aus Unterhaching.


Michael Frontzeck über ...


die Situation im Kader:

"Außer den Langzeitverletzten stehen nahezu alle zur Verfügung. Zucki braucht noch ein bisschen und wird in Unterhaching fehlen. Ansonsten wird es darauf ankommen vor allem Frische auf den Platz zu bringen. Es wird sicher den ein oder anderen Wechsel geben, Spieler die vielleicht schon viele Spiele gemacht haben werden eine Pause bekommen. Das werden wir aber noch sehen".

"Ich mag diesen Klub sehr, ich stehe voller Überzeugung hinter ihm und der Mannschaft"

die Kritik an seiner Person:

"Es ist wichtig, dass wir Dinge, die wir sowieso nicht beeinflussen können, ausblenden. Mein voller Fokus gilt der Mannschaft, dem Kader und dem Spiel am Freitag. Was auf dem Sektor des Trainers mittlerweile los ist, das ist ein sehr komplexes Thema. Vor drei Wochen nach dem Aalen Spiel wurde ich von Leuten gefragt, wie es in Sachen Vertragsverlängerung aussehen würde. Drei Wochen später muss ich lesen, dass angeblich eine Abstimmung stattfinden würde, ob ich noch der richtige Mann hier sei. Dazwischen liegen Drei Wochen! Das ist schon Wahnsinn.

Ich habe gelesen, dass Niko Kovac gestern auch ein Endspiel hatte. Wir haben ja alle nur noch Endspiele. Ich kann voller Überzeugung sagen, dass ich diesen Klub sehr mag, er hat eine unheimliche Kraft. Wir haben vor vier Monaten hier ein Projekt gestartet und diesen Kader werde ich bis zum Schluss bedingungslos verteidigen. Ich bin jetzt fast 35 Jahre in dem Geschäft, ich habe ein dickes Fell und stelle mich voll vor die Mannschaft und stehe gerne im Wind. Sicherlich ist niemand fehlerlos, auch icht nicht. Aber im Großen und Ganzen würde ich alles wieder zu 100% so machen".


die Entwicklung der Mannschaft:

"Natürlich hat die Mannschaft noch Makel, ist in das ein oder andere Loch gefallen. Aber wenn ich die gesamten sechzehn Spiele sehe, waren diese doch überwiegend gut. Ich lese ja nicht viel, aber ich habe gehört die Entwicklung der Mannschaft sei abgeschlossen. Da kann ich ihnen eine Geschichte erzählen. Ich bin ja auch in einem Traditionsklub groß geworden, bei Borussia Mönchengladbach. Da war ich mit 16 Jahren und der junge Jupp Heynckes war mein Trainer. Der wurde damals gefragt, wie lange es denn dauern würde, bis die Borussia wieder um Titel mitspielen könnte wie in den 1970er Jahren. Und da hat der Jupp geantwortet "Das dauert noch mindestens 5 Jahre". Und wir reden damals von einem Umbruch von circa fünf Spielern. Wenn ich das auf unsere heutige Zeit herunterbreche, dann soll ein Umbruch von 18 Spielern innerhalb von vier Monaten gelingen. Ich überlasse die Bewertung da anderen".


Trainerdiskussionen allgemein
"Es ist ja normal geworden in Deutschland, dass der Trainer für alles die alleinige Verantwortung trägt. Wenn ich zu dem Vorzeigeklub in Deutschland schaue und mir das Spiel der Bayern gegen Düsseldorf anschaue, da wird mir schwindelig. Zwei langgeschlagene Bälle von Düsseldorf, wo der Spieler alleine aufs Tor zuläuft und der einzige Name, den man danach hört, ist Niko Kovac. Das ist absoluter Wahnsinn".


Gründe für die fehlende Konstanz der Mannschaft

"Am Sonntag haben wir ein ausgesprochen schlechtes Spiel abgeliefert, insbesondere im eigenen Ballbesitz. Was ich der Mannschaft aber nicht vorwerfe, dass sie nicht alles versucht hat. Das ist eine absolut saubere Mannschaft, die immer alles gibt. Nur diese Automatismen und das Selbstvertrauen immer wieder auf den Platz zu bringen, dass ist immer wieder eine Herausforderung. Zu sagen, die Entwicklung der Mannschaft müsse jetzt aber abgeschlossen sein, das ist absoluter Nonsens".

"Die einzigen, die aus allem raus sind, sind die Zuschauer!"

die mentale Verfassung der Mannschaft nach der Partie gegen Wehen Wiesbaden

"Die Mannschaft hat das gut weggesteckt, sie haben sehr ansprechend trainiert. Wir haben kurz über die Situation am Sonntag gesprochen. Der FCK ist kein Klub wie Wehen Wiesbaden, die glaube ich in der kompletten Saison so viel Zuschauer hatten wie wir jetzt am Sonntag mit über 18.000. Die Unterstützung ist ja enorm. Es ist dann eben nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen, sondern wird dann nach so einem Spiel auch einmal unruhig, das ist völlig normal und nachvollziehbar. Wir haben das eine Extrem erlebt gegen 1860 München zu Beginn, mit einer enormen Euphorie und über 40.000 Zuschauern und jetzt eben Wehen. Wichtig ist, dass die Spieler wissen, dass sie bedingungslos unterstützt werden.


Mir ist nochmal wichtig zu sagen, die Einzigen, die aus allem raus sind, das sind die Zuschauer. Was die die letzten 20 Jahre miterleiden mussten, trotzdem immer zahlreich hochpilgern, das ist Wahnsinn. Die können natürlich nichts für das, was mit dem Verein passiert ist. Dass die dann irgendwann die Schnauze voll haben und unzufrieden sind, das ist doch völlig normal".


den Gegner Unterhaching

"Sie haben nur ein Spiel in dieser Saison verloren, das ist glaube ich Aussage genug. Lassen sie sich überraschen, wie wir agieren werden."


Quelle: Treffpunkt Betze



Die Pressekonferenz im Videostream: