#MSVFCK: Traditionsduell an der Wedau

„Wir haben momentan echt 'ne scheiß Phase. Wir haben Spiele abgeliefert, für die es eigentlich keine Entschuldigung gibt“, sagt ein Mann mit unüberhörbarem Vorderpfälzer Slang. Diese Analyse kommt von Duisburg-Trainer Torsten Lieberknecht, aufgewachsen in Haßloch, und in gewisser Art und Weise könnte sie auch eine bisherige Saisonanalyse des FCK sein. Doch abgesehen vom zutreffenden Statement des sympathischen Trainers der Zebras, der aus seiner Verbundenheit zum FCK nie einen Hehl gemacht hat, sind die Ausgangspositionen vor dem Spiel am morgigen Freitag (19 Uhr) doch recht unterschiedlich.

Die Lage vor dem Spiel

Zwar haben die Lautrer in dieser Saison schon zu genüge Leistungen abgeliefert, für die es eigentlich keine Entschuldigung gibt, dennoch hat die Elf von Boris Schommers zuletzt gegen Tabellenschlusslicht Jena immerhin den ersten Heimsieg der Saison eingefahren. In der Länderspielpause gab es zudem einen 4:0 Testspiel-Erfolg gegen die vom potenziellen FCK-Investor Flavio Becca unterstützte Elf aus dem luxemburgischen Düdelingen. The Trend is your friend? Sicherlich wäre das noch übertrieben. Aber Schommers sieht seine Mannschaft auf einem guten Weg und sich selbst schon mit der nächsten Herausforderung konfrontiert. Er will das schaffen, was zuletzt Michael Frontzeck im Oktober 2018 gelang. Zwei Ligaspiele in Folge zu gewinnen. Tabellarisch wäre dies ebenso wichtig, schließlich stehen die Roten Teufel mit bescheidenen 13 Punkten aus elf Partien immer noch gefährlich nah an den Abstiegsrängen.


Beim Gegner aus Meiderich sieht die Situation dagegen anders aus. Dort bereiten weniger der Saisonstart und die aktuelle Tabelle den Fans der Zebras Bauchschmerzen, immerhin steht der Zweitliga-Absteiger mit 19 Punkten noch auf Platz vier. Viel mehr geben die letzten drei Partien einen Anlass zur Sorge. Zweimal in Folge verlor der MSV in der Liga, verpasste so zunächst die Tabellenspitze und rutschte dann von den Aufstiegsplätzen. Letzte Woche folgte dann der nächste Nackenschlag: Im Landespokal war für die Mannschaft von Torsten Lieberknecht bei Fünftligist SSVg Velbert Endstation. Vor dem Duell mit seiner alten Liebe ist der Druck der Wiedergutmachung für Lieberknecht also recht groß.

Unsere Roten Teufel

Boris Schommers, gerade einmal knapp einen Monat Übungsleiter am Betzenberg, war froh über die zurückliegende Länderspielpause und zieht zudem ein positives Fazit der Trainingsarbeit seiner Jungs. „Sie sind sehr motiviert und drängen sich auf. Das gefällt mir sehr“, lobt Schommers insbesondere die Spieler, die bisher nicht zu allzu viel Einsatzzeiten gekommen sind.


Personell muss der Lautrer Trainer definitiv auf Janik Bachmann verzichten, der in Duisburg eine Gelb-Sperre absitzen muss. Eine neue Alternative könnte hierfür André Hainault darstellen, der im Testspiel gegen Düdelingen erstmals die Position auf der Sechs inne hatte und von Schommers dafür ein Lob erhielt. Timmy Thiele und Andri Bjarnason stehen nach ihren Verletzungen wieder im Training, ein Startelf-Einsatz könnte aber noch etwas zu früh kommen.

Unser Gegner

Die letzten Jahre waren für den MSV Duisburg ein ständiges Auf und Ab. 28 Jahre lang spielte der Meidericher SV insgesamt in der Ersten Liga, wurde als Gründungsmitglied der 1963 neu geschaffenen Liga sogar auf Anhieb Vize-Meister. Doch wie so viele Traditionsvereine erlebte auch der MSV einen sportlichen Niedergang. 2012 erlebte diese Talfahrt ihren vorläufigen Tiefpunkt, als der Klub kurz vor der Insolvenz stand. Diese konnte zwar abgewendet werden, die Lizenz wurde dem Verein allerdings nicht erteilt und die Zebras stiegen in die 3. Liga ab. Nach dem Aufstieg 2015 stieg man direkt wieder ab, aber im Folgejahr auch wieder umgehend auf. In der vergangenen Saison erfolgte dann als Tabellenletzter der dritte Abstieg innerhalb von sieben Jahren, den auch Torsten Lieberknecht nicht mehr verhindern konnte.


Abgesehen von der aktuellen sportlichen Delle sieht sich Lieberknecht auch mit einigen personellen Sorgen konfrontiert. Neben Yassin Ben Balla werden auch Connor Krempicki, Sebastian Neumann und Stürmer Cem Sabanci ausfallen. Zudem fehlt mit Innenverteidiger Marvin Compper, der Beschwerden an der Wade hat, der wohl prominenteste Neuzugang und damit neben Ben Balla und Krempicki auch der dritte Stammspieler des MSV. Gut möglich, dass Lieberknecht deshalb auch eine Systemumstellung in Betracht zieht.

Daten, Fakten und Statistiken

  • Duisburg gegen Kaiserslautern, das ist gefühlte Bundesliga. Stolze 70 Mal trafen die beiden Vereine aufeinander, alleine 52 Mal in der Bundesliga.
  • In der 3. Liga feiert dieses Duell dagegen Premiere.
  • Die Bilanz spricht dabei für den FCK: 31 Siegen stehen 19 Remis gegenüber. 20 Mal ging der MSV als Sieger vom Platz. Ein Torverhältnis von 119:92 aus Sicht des FCK garantiert dabei einige Tore.
  • Der MSV Duisburg traf seit Bundesligagründung in Pflichtspielen auf keinen anderen Gegner häufiger als auf den FCK.

Stimmen zum Spiel

FCK-Trainer Boris Schommers: „Wir haben erst einmal den ersten Fluch besiegt und gegen Jena einen Heimsieg eingefahren. Das hat uns viel Selbstvertrauen gegeben und jetzt fahren wir sehr positiv nach Duisburg. Von dort wollen wir auf jeden Fall etwas mitnehmen.“


MSV-Trainer Torsten Lieberknecht: „Es treffen zwei Mannschaften mit klangvollen Namen aufeinander. Der FCK ist für mich so etwas wie Köln letztes Jahr in der 2. Liga. Sie haben eigentlich einen Premium-Kader. Aufgrund unserer letzten Spiele sind wir sicherlich nicht in der Favoritenrolle. Die hat in dieser Liga eigentlich ohnehin immer der FCK.“

Faninfos

Die Schauinsland-Reisen-Arena wird mit rund 14.000 Karten gut gefüllt sein, der FCK wird trotz der bescheidenen Anstoßzeit um 19 Uhr von rund 1.200 Anhängern unterstützt werden. Restkarten gibt es noch an der Tageskasse. Alle weiteren Infos, insbesondere für Auswärtsfahrer, findet ihr auf www.fck.de Das Spiel wird ausschließlich bei Magenta Sport übertragen.


Quelle: Treffpunkt Betze