Die "fabelhaften Becca Boys" paralysieren den Verein

Die aktuellen Darbietungen und Leistungen der Roten Teufel sind derzeit nur schwer zu ertragen. Tatsächlich noch schlimmer als der Zustand der Mannschaft ist allerdings das Taktieren in der Führungsetage. Derzeit befindet sich der Verein in einer Art Koma: Die Vereinsführung ist heftig angeschossen. Sie agiert nicht mehr, sondern spielt nur noch auf Zeit. Damit riskiert der Verein keine gelbe Karte, sondern einen Platzverweis - und zwar aus der 3. Liga, aus dem Stadion und eventuell sogar aus dem Vereinsregister.

Der Bader-Becca-Komplex spielt auf Zeit

Die verbliebenen Aufsichtsratsmitglieder Patrick Banf, Jochen Grotepass und Bruno Otter traten kurz vor der für den 20. Oktober geplanten Jahreshauptversammlung zurück. Und zwar so kurz, dass die nun - wegen Neuwahlen - notwendig gewordene außerordentliche Mitgliederversammlung (AOMV) nicht mehr am geplanten Datum stattfinden konnte. Grund dafür ist die Einhaltung der 3-wöchentlichen Frist, bis zu der sich mögliche Kandidaten zur Wahl stellen lassen können. Für den neuen Termin der AOMV hingegen wollten sich die Verantwortlichen alle Zeit der Welt lassen und diese auf den 22. Dezember terminieren. Der 4. Advent gilt ja traditionell als einer der produktivsten Tage des Jahres. Letztlich wurde durch den Vereinsvorstand mit dem 01. Dezember noch eine Art Kompromiss-Termin gefunden.


Der Hintergrund des Theaters: Die AR-Mitglieder Banf und Grotepass kamen durch ihr Rücktritte einer sehr wahrscheinlichen Nicht-Entlastung durch die Mitgliederversammlung zuvor. Zudem wurde der Vertrag von Sport-Geschäftsführer Martin Bader nicht wie zunächst geplant verlängert. Stattdessen läuft Baders Vertrag bis zum Jahresende aus. Laut Informationen von Treffpunkt Betze stehen mindestens zwei potentielle Nachfolger für das höchste operative Amt im Verein parat. Allerdings wurde Bader ja nicht entlassen, sondern hält den Posten nun noch ca. neun Wochen lang besetzt. Das ist ein Strohhalm für Bader, und ein Desaster für den nun handlungsunfähigen FCK.


Ein neuer Geschäftsführer Sport hätte kurzfristig, das heißt noch vor der Winterpause definitiv genug zu tun: Er müsste sich um ein bis zwei dringend benötigte Neuzugänge (Stellenprofil: erfahrener Führungsspieler) kümmern. Er könnte Vertragsverlängerungen angehen und die Weichen für die neue Saison stellen, in der ein Florian Pick, ein Lennart Grill oder ein Carlo Sickinger dem Verein garantiert nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Auch müssen dringend Spieler ohne Perspektive abgegeben werden.


Qualifizierte und interessierte Kandidaten für den Posten des Sportvorstands gibt es tatsächlich. Doch die Position wird weiterhin vom Architekten des aktuellen Kaders bekleidet, der im neuen Jahr kein FCK-Angestellter mehr sein sollte. Sollte. Denn Banf, Bader und Becca scheinen auf eine (aus ihrer Sicht) Wende zum Guten zu hoffen. Anders ist dieses Zeitspiel nicht erklärbar. Es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass Banf und Bader kurz vor der Entmachtung stehen und sich trotzdem im Amt halten können. Was die Zeitspieler von der Verzögerung haben könnten? Nach aktuellem Stand noch sehr wenig. Eventuell aber hoffen sie darauf, dass sich der Wind wieder einmal zu Ihren Gunsten dreht, indem der potentielle Investor Flavio Becca nicht nur eine Investition (durch wen auch immer) präsentiert, sondern auch ein Team von Gegenkandidaten zur Gruppe um Markus Merk und Rainer Keßler aufstellt. Dann könnten die Becca-Getreuen ein weiteres Mal die Karte der bevorstehenden Insolvenz spielen und Flavio Becca sich abermals als Retter inszenieren. Und wer weiß, vielleicht wird Baders Vertrag doch noch verlängert und Banf wird Teil von Beccas Team im Aufsichtsrat. Nicht zuletzt könnte kurzfristiger sportlicher Erfolg ein paar Wellen abfangen, die ihnen derzeit noch entgegen schlagen. Auch wenn es aktuell nicht danach aussieht.

Ruhe im Verein herrscht nur auf der Einnahmenseite

Stolze 790.000 Euro Transferausgaben tätigte der Verein zu Saisonbeginn, die Hälfte der Zweitligisten gab hier weniger Geld aus. Anschließend wurde noch Lukas Röser „außerplanmäßig“ verpflichtet. Auch der Trainerwechsel war garantiert nicht in den Lizenzunterlagen einkalkuliert. So oft sich auch Bader öffentlichkeitswirksam für eine „großzügige Unterstützung“ des Luxemburger Bürgen bedankt - der Verein verschuldet sich immer weiter. Weitaus interessanter als Beccas Namensnennung ist bei diesen Krediten allerdings die Frage nach der Höhe, Laufzeit und Verzinsung. Sowie die Frage nach dem Namen des Kreditgebers. Wie sich Gerüchten entnehmen lässt sind Transferrechte an einzelnen Spielern ebenfalls Bestandteil mancher Kreditverträge. Eigentlich recht viele interessante Fragen für eine AOMV.


Was haben Bader und Klatt seitdem auf der Einnahmenseite bewegt? Nun, Allgäuer Latschenkiefer ist kürzlich als Sponsor zurückgekehrt und ziert seitdem den Ärmel des FCK-Trikots. Dies geschah unmittelbar nach dem Rücktritt des Aufsichtsrates. Daher ist es schwer zu glauben, dass dieser Erfolg der Beharrlichkeit eines Sport-oder Finanzvorstandes geschuldet ist. Es sieht eher danach aus, als wären nun Hindernisse beseitigt worden, welche das saarländische Unternehmen bislang von einer Rückkehr zum FCK abgehalten hatten.


Nicht zuletzt durch seine großspurige Ansage, definitiv keine Spieler zu verkaufen, hatte sich Martin Bader völlig ohne Not Zwänge auferlegt. Denn nun musste er vergangenen Sommer zu seinem Wort stehen und hat den Verein dadurch um ansprechende Transfereinnahmen aus einem möglichen Kühlwetter-Transfer nach Heidenheim gebracht. Auch mit Hendrik Zuck (Vertrag bis 2021) konnte er sich vor der Saison nicht auf eine Vertragsauflösung einigen. Resultat der Baderschen Transferpolitik: Der Kader wächst stetig, ohne dabei an Qualität zu gewinnen - ein nur allzu bekanntes Phänomen aus der Ära Stefan Kuntz.


Um Neuzugänge in der Winterpause zumindest ansatzweise zu finanzieren und jungen Talenten nicht weiter den Weg zu blockieren, müsste der Kader konsequent ausgemistet werden, am besten von einem Geschäftsführer, der auch in der Rückrunde noch auf der Vereinspayroll stehen wird und nicht Martin Bader heißt.

Klatt verzockt

Die Nachlizensierung ist noch immer nicht abgeschlossen und es drängt sich nun der Verdacht auf, dass im DFB-Pokal gegen Nürnberg eine weitere Sensation zwingend notwendig ist, damit der Verein überhaupt solvent bleibt. Nur wie lange noch? Der Kicker berichtet, dass dem FCK im Sommer „im besten Fall etwas weniger als 10 Millionen fehlen“ werden. Da trifft es sich ganz hervorragend, dass diese Woche auch der Geschäftsführer Finanzen, Michael Klatt das Weite gesucht hat. Nach eigenen Angaben hinterlässt er einen „gut aufgestellten Aufgabenbereich“ – was auch immer er damit meint. Wahrscheinlich wäre sein Bereich noch ein wenig besser aufgestellt, wenn er es nur geschafft hätte auch die „Fan-Säule“ für Investitionen zu öffnen. Unter Klatt ist der Verein finanziell all-in gegangen. Jetzt sind die Jetons verzockt und Klatt verlässt den Pokertisch.

Trister Ligaalltag und Millionenspiel gegen den Glubb

Ende Oktober (30. Oktober, 18:30 Uhr) steht mit dem Pokalspiel gegen Nürnberg das wahrscheinlich wichtigste Spiel des Jahres an. Ein Weiterkommen würde Einnahmen in Höhe von 702.000 Euro allein an TV-Geldern und zusätzlich 45 Prozent der Zuschauereinnahmen aus dem Heimspiel im Achtelfinale einbringen. Insgesamt also rund eine Million Euro dringend benötigtes Kapital.


Was den tristen Liga-Alltag angeht werden wir alle nicht umher kommen, die verunsicherte Mannschaft während der 90 Minuten weiter zu unterstützen und nicht bereits während des Spiels auszupfeifen (wie beispielsweise gegen Jena). Ansonsten wird das Team noch mehr in die Negativspirale hinein geraten. Das Spiel in Duisburg war hier von Fan-Seiten her ein guter Schritt: Solange es (theoretisch) noch um etwas ging, bekam die Mannschaft auch den notwendigen Support. Gemeckert und gepfiffen wurde erst nach Schlußpfiff.

Geht wählen, Leute!

Die AOMV am 01. Dezember ist womöglich die letzte Chance für den Verein. Der Verein muss nicht nur beide Geschäftsführerposten, sondern auch einen kompletten Aufsichtsrat besetzen. Für letzteres sind die Mitglieder verantwortlich. Man sollte Markus Merk und sein Team nicht als Heilsbringer ansehen, doch verkörpern sie deutlich mehr Glaubwürdigkeit und Expertise als die derzeit (bzw. noch bis vor kurzem) handelnden Personen. Natürlich ist zu erwarten, dass Becca noch kurzfristig ein Kaninchen aus dem Hut zaubern und auch ein eigenes Team präsentieren wird.


Im Juni 2016 sind viele Brexit-Gegner nicht zur Wahl gegangen, weil sie dachten, es sei nicht notwendig. Und sie dachten auch, die Befürworter würden ohnehin keine Mehrheit bekommen. Was das mit dem FCK zu tun hat? Hoffentlich nichts.


Quelle: Treffpunkt Betze