ZitatAlles anzeigenFussball: Mit Kopfballtoren von Martin Amedick und Adam Nemec stellt der 1. FC Kaiserslautern die Weichen auf Sieg. Die Roten Teufel gewinnen 2:1 (1:0) beim bisherigen Zweitliga-Spitzenreiter FC St. Pauli und rücken auf Platz zwei vor. In einem Klasse-Spiel versieben die Lauterer viele Chancen und müssen nach Bruns" Elfmeter-Tor um den verdienten Erfolg zittern.
Von Horst Konzok
Hamburg. Welch eine Atmosphäre, welch ein Tempo, welch packende Zweikämpfe im Tollhaus am Millerntor: Der FC St. Pauli bestimmt zunächst dank Charles Takyi den Takt. Georges Mandjeck und Bastian Schulz im Übergabekommando vor der Abwehrkette schaffen es anfangs nicht, dem Spielmacher den Taktstock zu entziehen. Die erste Chance verbucht St. Pauli durch einen knapp vorbei streichenden Freistoß Marke Takyi (2.). In der 13. Minute findet Takyi in FCK-Torwart Tobias Sippel seinen Meister. Marius Ebbers vergibt mit einem Drehschuss (25.). Auslöser des Großalarms: ein Ausrutscher Adam Nemecs an der Mittellinie.
Großartig: Torwart Sippel pariert mit wuchtiger Faustabwehr und toller Reaktion gegen Deniz Naki (30.). Der FCK braucht einige Zeit, ehe aus Ballgewinnen auch geschickte Ballverarbeitung wird. Zu oft wird in den ersten 25 Minuten zu unpräzise gespielt, immer wieder laufen Ivo Ilicevic, Mandjeck und Sidney Sam leichtfertigen Ballverlusten nach. Ihr Glück, dass Alexander Bugera erstklassig arbeitet, immer wieder als Feuerlöscher aktiv wird. Auch Rodnei und Kapitän Amedick stehen gut, Florian Dick agiert auch offensiv wirkungsvoll, weiß den ballgewandten Vordermann Ilicevic gut und klug einzusetzen. Aber die erste Chance verschenken die Lauterer: In der 19. Minute legt Fabian Boll den für den erkrankten Erik Jendrisek stürmenden Dragan Paljic, den Elfmeter von Schulz aber pariert Altmeister Mathias Hain. In der Folge überzeugt Bastian Schulz als Abfangjäger und Aufbauhelfer.
In der 34. Minute steuert Nemec allein auf Paulis Torhüter zu, der aber hält. Sekunden später eröffnet Rodnei den Konter, Sam startet durch, bedient Paljic mustergültig, der verzieht aus vier Metern. Vier Minuten vor der Pause serviert Sam nach tollem Konter erneut präzise, aber Paljic versagt im Abschluss. Den ersten Eckball nutzt der FCK zur Pausenführung: Absender von rechts ist Linksfuß Bugera, Martin Amedick drückt die Kugel per Kopf ins Netz. Verdienter Lohn einer mutigen Vorstellung. „Ein sehr guter Auftritt. Wir hätten nur mehr aus unseren Kontern machen müssen", bilanziert Amedick.
Der FCK hat St. Pauli den Schneid abgekauft. Immer wieder schlüpft Sam, von Rothenbach nie zu halten, von der Defensivabteilung der Paulianer nicht zu fassen, durch das Abwehrnetz. Aber in der 53. schießt der Dribbelkünstler knapp vorbei, in der 56. Minute versemmelt Paljic seine dritte Riesenchance nach Sams Traumpass, in der 65. Minute gibt Nemec nach Sam-Konter den Zaudermann. Aber dann trifft der wuchtige Stürmer, der sich einen Fleißpreis erarbeitet: Daniel Pavlovic flankt, Nemec köpft - 0:2 (70.).
St. Pauli packt die Brechstange aus, der 2,02 Meter große Morike Sako kommt, aber Amedick und Rodnei verkörpern eine großartige Luftabwehr. Mehr als das Elfmetertor von Florian Bruns (84.), nachdem Tobias Sippel Marius Ebbers getroffen hat, gelingt Pauli nicht. „Kein Elfmeter", versichert der gute Sippel - und freut sich nun „auf das schöne Pokalspiel gegen Leverkusen". „Ein Bonusspiel", sagt Trainer Marco Kurz.
Sippel: 2,5
Dick: 2
Amedick: 2
Rodnei: 2
Bugera: 1,5
Illicevic: 3
Mandjeck: 3
Schulz: 2,5
Sam: 1,5
Nemec: 3
Paljic: 4
Pavlovic: 3
So spielten sie
FC St. Pauli: Hain - Rothenbach, Morena, Eger, Drobo-Ampem (74. Sako) - Boll (56. Hennings), Lehmann - Bruns, Takyi, Naki (58. Kruse) - Ebbers
1. FC Kaiserslautern: Sippel - Dick, Amedick, Rodnei, Bugera - Ilicevic, Mandjeck (74. Bilek), Schulz, Sam (71. Hesse) - Nemec, Paljic (61. Pavlovic)
Tore: 0:1 Amedick (45.), 0:2 Nemec (70.), 1:2 Bruns (84., Foul-Elfmeter) - Gelbe Karten: Nemec (2), Pavlovic - Beste Spieler: Takyi, Hain - Bugera, Sam, Amedick, Rodnei - Zuschauer: 23.161 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Brych (München).
Kommentar:
ZitatAlles anzeigenEin Triumph des Kollektivs
Mit dem 2:1-Sieg im Hit beim FC St. Pauli betreibt der FCK Werbung fürs Pokalspiel gegenBayer Leverkusen.
Kult-Klub trifft Kult-Klub: Tolles Spätsommer-Wetter, ein ausverkaufter Hexenkessel und die einzigartige Millerntor-Atmosphäre gaben dem Zweitliga-Spitzenspiel einen glanzvollen Rahmen.
Schön die Geste des FC St. Pauli, das Betze-Lied vor dem Anpfiff von Schiedsrichter Brych als Willkommensgruß für die Gäste zu spielen. Nachahmenswert ...
Nachahmenswert ist aus Sicht des 1. FC Kaiserslautern die gestrige Leistung. Was die Elf spielerisch und läuferisch nach einem Stotterstart bot, das war aller Ehren wert. Es war eine erstklassige Mannschaftsleistung! Dragan Paljic, für Jendrisek in der Startelf, hätte der Mann des Tages sein können, ja müssen. Aber er versagte im Abschluss!
Sidney Sam, die HSV-Leihgabe im FCK-Dress, spielte in der alten Heimat groß auf - ein Erfolgsgarant der Roten Teufel, die mit einer erstklassigen Defensive arbeiten. Herausragend gestern: Alexander Bugera, der mit einem Eckball den Führungstreffer Amedicks vorlegte.
„Der Sieg bringt uns Selbstvertrauen und hoffentlich auch Zuschauer fürs Pokalspiel. Wir brauchen diese Wand", sagte FCK-Trainer Marco Kurz mit Blick auf den Pokalschlager am Mittwoch gegen Leverkusen.
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße
Ausgabe: Nr.219
Datum: Montag, den 21. September 2009
Seite: Nr.11