Man muss zwar mittlerweile aufpassen, nach sachlicher Kritik nicht als "Krakeeler" hingestellt zu werden, ich will es aber trotzdem mal riskieren.
Ich war und bin eigentlich der Meinung, dass Wolf aufgrund seines Umfelds durchaus der richtige Mann für den FCK ist. Zum Einen ist er regional mit dem Verein verbunden und hat lange hier gespielt, was mir nahelegt, dass es auch ihm selbst in der Seele weh tut, den FCK da zu sehen, wo er jetzt steht. Gleichgültigkeit kann und darf man Herrn Wolf nicht unterstellen.
Sicher gabs dann auch noch die Schwierigkeiten mit dem neuen Kader, den zahlreichen Verletzungen usw.
Doch was mich sehr wundert ist folgendes: Am Anfang der Saison, als sich die Mannschaft praktisch gar nicht kannte, spielte sie durchaus ansehnlichen Fußball. Da war Wille, da war Einsatz, da war sogar ein Passspiel und vor Allem Torgefahr. Klar, auch damals gabs schwache Spiele, aber vor Allem zuhause gabs immer wieder starke Auftritte.
Aber je länger die Saison dauerte, desto schlechter wurde das Zusammenspiel der Mannschaft. Klar kann man das an den Verletzungen festmachen, aber diese Verletzungen waren meines Erachtens kein Zufall. Entweder waren die Spieler über- oder untertrainiert oder die medizinische Abteilung hat großen Mist gebaut. Denn im Verlauf einer Saison mit so großer Regelmäßigkeit 5-15 Ausfälle zu haben ist nicht normal und auch kein Pech, da muss mehr dahinter stecken.
Nach der Rückrunde wurden die Auftritte dann immer schlechter, außer gegen Haching war kein einziges Spiel spielerisch überzeugend. Gegen 60 haben wir glücklich gewonnen, spielerisch war auch das schon ein ziemlicher Krampf. Genauso wie der Sieg über Paderborn.
Sieht man sich das Spiel der Mannschaft an, stellt man schnell fest, dass es dem Team nicht gelingt, den Ball kontrolliert nach vorne zu spielen. In den ersten 5 Minuten jedes Spiels versucht die Mannschaft es meist noch mit Kombinationsfußball, scheitert dann aber recht schnell an kompakt stehenden Abwehrspielern, weil einfach die Sicherheit fehlt. Ab diesem Moment stellt sich das Spiel um, es wird jetzt fast ausschließlich über hohe Bälle gespielt. Diese sind aufgrund der Tatsache, dass sich vorne nur Opara befindet, wertlos. Der kleine Hajnal kann mit dieser Spielweise ohnehin nichts anfangen.
Die zweite bevorzugte Angriffsvariante sind frühe Flanken aus dem Halbfeld. Von denen landen etwa 70% beim ersten Abwehrspieler, 20% im Toraus und nur etwa 10% bei einem Lauterer, der davon meist so überrascht ist, dass er mit dem Ball nichts anfangen kann.Auf diese Art und Weise gelingt es der Mannschaft nicht, auch gegen unterzählige Gegner Druck auf das Tor auszuüben. Immer wieder kann sich der Gegner befreien und seinerseits angreifen, wie es zum Beispiel auch Burghausen gelang, die selbst zu neunt noch gefährlich vors Lauterer Tor kamen.
Der Fehler liegt hier meines Erachtens im Spielsystem. Zum Einen verfügt der FCK derzeit nicht über echte Flügelspieler, die den Ball richtig nach vorne tragen können. Bellinghausen ist so einer, er muss aber leider in der Verteidigung spielen. Simpson kann das auch, er spielt aber zu egoistisch. Trotzdem wird er vor Allem hier im Forum etwas unterschätzt. Zum Anderen ist es so, dass sich die Außenverteidiger viel zu selten in die Offensive einschalten und die Flügelspieler unterstützen. Wolf hat das zwar erkannt, aber die falschen Schlüsse daraus gezogen. Anstatt gezielt das Flügelspiel zu trainieren und zu fördern, reagierte er, in dem er seit Neuestem mit zwei defensiven Mittelfeldspielern agiert, was das Spiel durch die Mitte fördern soll. Das Problem ist: Darauf kann sich der Gegner sehr leicht einstellen, vor Allem, da weder Borbely noch Aki über Spielmacherqualitäten verfügen. Es hapert ja schon beim Passspiel. Außerdem stehen sich beide eher im Weg als dass sie davon profitieren.
Durch den zweiten defensiven Mittelfeldspieler muss Wolf natürlich irgendwo eine Position kappen. Das hat er im Sturm getan. Meines Erachtens ein fataler Fehler. Man kann nur dann mit einem Stürmer spielen, wenn dieser über drei Dinge verfügt: a) Torgefahr, b) Durchsetzungfähigkeit, c) Schnelligkeit. Opara ist kein solcher Stürmer, er ist eher ein bulliger Vorstopper, der Bälle ablegen kann. Es ist aber leider niemand mehr da, der sie aufnimmt. Deshlab sieht Opara in jedem Spiel schlecht aus.
Auch Daham ist dafür nicht geeignet, da er körperlich zu schwach ist. Karadas hat die physischen Voraussetzungen, versprüht aber keine Torgefahr.
Schlussfolgerung: Wolf verwendet ein Spielsystem, mit dem diese Mannschaft nicht klarkommen kann.
Vorschlag für die nächste Saison: Gezielt Spieler für die Flügel kaufen (Bugera ist da ein guter Griff) oder Spieler wie Reinert dafür fördern. Einen Linksverteidiger kaufen oder vorhandene aufbauen, so dass Bello wieder ins Mittelfeld kann. Die Außenverteidiger offensiver einstellen, dafür halt mal das Risiko von Kontern in Kauf nehmen, zumindest bei Heimspielen gegen schwächere Gegner mit wenig durchschlagkräftiger Offensive.
Meissner als Kapitän und Spielmacher ins defensive Mittelfeld. Und, ganz wichtig: Mit 2 Spitzen spielen, entweder Daham/Opara oder Daham/Karadas. Opara und Karadas legen dann Daham die Bälle vor. Daham ist bis jetzt der einzige torgefährliche Stürmer des FCK, leider ist er nach der Rückrunde in ein kleines Formtief gefallen und passt jetzt nicht mehr in das Wolf'sche Spielsystem. Ziemer ist noch eine Alternative, aber leider zu unbeständig und technisch noch nicht stark genug.
Ich vermute jedoch, dass Wolf sich nicht auf eine solch Offensive Spielweise einlassen wird, deshalb halte ich ihn derzeit für den falschen Mann in unserer Situation. Er möge mich aber gerne eines besseren belehren.