Teil I: Die, die keine Ehrenmänner sein wollten ...

Wenn der FCK-Fan eines gewohnt ist, dann sind es die alljährlichen Umbrüche. Wie oft hat sich der FCK schon von Saison zu Saison gehangelt, ist mit teuren Transfers volles Risiko gegangen, hat dann seine Ziele verfehlt, den Trainer entlassen und ist am Ende doch nicht aufgestiegen. Was folgte waren stets neue Versuche den Verein neu aufzustellen. Das Allheilmittel dafür waren immer wieder Umbrüche im Kader. Die neue Vereinsführung um Patrick Banf, Michael Klatt und Martin Bader probiert es anders, doch auch sie kam nicht um einen erneuten Umbruch umher. Und dieser hatte beinahe historische Ausmaße: 27 Spieler verließen den FCK, 19 neue Spieler kamen hinzu.


Viele der Sommerabgänge entschieden sich trotz eines Angebotes gegen eine Zukunft bei den Roten Teufeln, für andere gab es kein Angebot für eine Weiterbeschäftigung in der Dritten Liga. Was ist aus den 27 Abgängen geworden? Wohin sind sie gewechselt? Wer hat in seinem neuen Verein den Durchbruch geschafft, wer versauert auf der Bank? In heutigen ersten Teil unserer Reportage haben wir bei zwei Torhütern und zehn Abwehrspielern etwas genauer hingeschaut. Hier findet ihr einen ersten Überblick.


Torhüter Andre Weis war bereits in der Saison 2017-18 an Jahn Regensburg ausgeliehen. Er verließ den FCK im August 2017 auf Leihbasis, nachdem er in Lautern seinen Platz im Tor nach den ersten vier Saisonspielen 2016/17 nach einer Roten Karte an Julian Pollersbeck verloren hatte. Durch den Abstieg des FCK wurde Weis vertragsfrei und anschließend vom SSV fest verpflichtet. Begrüßt wurde Andre Weis mit sehr löblichen Worten in Regensburg: „André war im vergangenen Spieljahr mit seiner Persönlichkeit und seiner sportlichen Qualität ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum erstmaligen Klassenerhalt des SSV Jahn in der 2. Bundesliga". Doch sportlichen Erfolg konnte Andre Weis bisher auch nicht in Regensburg verbuchen. In der laufenden Spielzeit kam er in Liga zwei noch zu keinem einzigen Einsatz und muss sich hinter Torhüter Philipp Pentke als Ersatztorwart einreihen.


Marius Müller bekannte sich schon immer zum FCK, auch und vor allem nach dem Abstieg in die 3. Liga. „Ich will die Tür hier beim FCK nicht zumachen, auch wenn viele Faktoren passen müssen“, kommentierte Müller die Diskussion um seine Person nach dem Heimspiel gegen Heidenheim. Doch Müller kehrte dennoch zurück zu RB Leipzig. Seine Situation dort gestaltet sich schwieriger als erhofft. Eigentlich wollte Müller RB im Sommer verlassen, oder sich zumindest noch einmal verleihen lassen. Doch das klappte nicht. Überraschenderweise verlängerte Marius Müller jüngst seinen bestehenden Vertrag bis 2021. „Ich sehe hier langfristig eine Perspektive”, sagte Müller zu seiner Vertragsverlängerung. Und kurzfristig hofft Müller bis zur Winterpause „zumindest” auf „das ein oder andere symbolische Spiel”. Derzeit muss sich Marius Müller als dritter Torhüter hinter Peter Gulasci und Yvon Mvogo dennoch hinten anstellen.


Für den Großteil der FCK-Fans war Jan-Ingwer Callsen-Brackers Wechsel nach Lautern definitiv überraschend. Doch für den gebürtigen Schleswiger stand ein längerer Verbleib nie zur Debatte. Noch zu Beginn der neuen Bundesliga-Saison erhielt Jan-Ingwer viel Lob von seinem neuen und alten Trainer Manuel Baum: „Nach seiner Verletzung war immer die Frage, wie der Fuß über mehrere Spiele hält. Die Ausleihe hat ihm gutgetan, auch wenn die sportliche Situation schwierig war. Er macht es richtig gut". Doch auch Callsen-Bracker sucht nach gut einem Viertel der Saison den gewünschten Erfolg. Vielmehr als das, er schaffte es in den bisherigen neun Bundesliga-Partien nicht ein einziges Mal in den Augsburger Kader.


Linksverteidiger Leon Guwara gehörte in der Saison 2017-18 zu den wenigen Leihspielern im Lautrer Kader. Sein Weg führte ihn im Sommer zum FC Utrecht in die Eredivise, in die niederländische höchste Spielklasse. Guwara schaffte es auf Anhieb in die Startelf und gehört mit bisher neun von elf Startelf-Einsätzen ganz gewiss zu den Gewinnern unter den Sommerabgängen.


Benjamin Kessel, der in der Abstiegssaison dennoch zu 23 Startelf-Einsätzen kam, konnte sich beim FCK gefühlt nicht kontinuierlich durchsetzen. Folgerichtig auch sein Abgang im Sommer, der ihn in die Regionalliga Südwest führte. Kessel unterschrieb beim 1. FC Saarbrücken einen Zwei-Jahres-Vertrag. Während der ersten sieben Spieltage gehörte Kessel zur Startelf, doch nach dem insgesamt durchwachsenen Saisonstart verlor er seinen Stammplatz und kam seitdem nur noch zu vier Kurzeinsätzen. Wir erwarten von ihm, dass er auf und neben dem Platz Verantwortung übernimmt und uns zusätzliche Qualität verleiht“, hieß es vor Saisonbeginn aus Saarbrücken. Ob Kessel diese Erwartungen bisher nicht erfüllen konnte?


Auch Marcel Correia hatte keinen gültigen Drittliga-Vertrag. Schnell stand fest, dass sich die Wege in der Pfalz trennen werden. Sein Wechsel zum SSV Jahn erfolgte deswegen auch ablösefrei. "Seine große Erfahrung und seine sportlichen Qualitäten sind unbestritten“, kommentierte Jahn Geschäftsführer Christian Keller Correias Wechsel zum SSV. Und Correia packte sein neu aufgeschlagenes Kapitel richtig an. In den bisherigen 12 Saisonspielen stand Correia neun Mal in der Startelf, drei Mal fehlte er aufgrund von muskulären Problemen. Beim 5:0 Erfolg gegen den Hamburger SV gelang ihm sogar sein erster Treffer für den SSV.


Beim FCK konnte sich Giuliano Modica nicht durchsetzen. In der Abstiegssaison kam Modica lediglich zu fünf Einsätzen im FCK-Trikot. Weite Teile der Saison fehlte Modica aufgrund zahlreicher Verletzungen. Sein Wechsel zum Ligakonkurrenten SV Wehen-Wiesbaden stand bereits früh fest. „Giuliano ist im besten Fußball-Alter und überzeugt mit seiner großen Einsatzbereitschaft und kompromisslosen Zweikampfführung. Wir sind absolut sicher, dass er uns mit seinen Qualitäten helfen wird“, lautete Sportdirektor Christian Hocks Fazit zu Modicas Transfer. Doch eben jene Qualitäten konnte Modica bisher nicht unter Beweis stellen. In der bisherigen Drittliga-Saison kam Modica erst zu zwei Einsätzen über 90 Minuten. Seit dem 7. Spieltag plagen ihn Rückenprobleme, seine Rückkehr ist bisher unbekannt.


Joel Abu Hanna galt vor seinem Wechsel zum FCK als junger und entwicklungsfähiger Defensivspieler, der bereits mehrere DFB Auswahlmannschaften durchlief. Durchsetzen konnte er sich trotz seiner zehn Startelf-Einsätze beim FCK nicht. Zwar verhandelte der FCK mit Abu Hanna noch über einen Verbleib in der Pfalz, doch letztlich blieben die Gespräche erfolglos. Nach seinem Wechsel zum FC Magdeburg hatte sich Abu Hanna viel vorgenommen. Doch bereits zu Beginn der Vorbereitung warf ihn ein Muskelfaserriss weit zurück. Doch das war noch nicht das Ende seiner Verletzungshistorie: Derzeit fällt Abu Hanna aufgrund einer Adduktorenverletzung aus. In der 2. Liga kommt er deswegen auch auf null Einsatzminuten.


Seine starken Auftritte in der U19 des FCK sorgten unter anderem für einen überzeugenden zweiten Tabellenplatz in der Saison 2016-17 in der Bundesliga-Staffel Süd/Südwest. Im Juni 2017 unterschrieb der junge Patrick Salata dann auch seinen ersten Profivertrag. Doch noch im gleichen Jahr fiel Salata mit einem Außenbandriss im Kniegelenk monatelang aus. Ende Juni gab Alemania Aachen den Wechsel Salatas zum Regionalligisten bekannt. Als Linksverteidiger brachte es Salata bisher auf neun Startelf-Einsätze, er blieb aber auch fünf Mal außen vor.


Wochenlang verhandelte der FCK mit Innenverteidiger Stipe Vucur über einen möglich Verbleib in der Pfalz. Doch Vucur lehnte das Angebot zur Vertragsverlängerung ab und unterschrieb stattdessen einen 3-Jahres-Vertrag beim kroatischen Club Hajduk Split. „In meiner Familie sind wir alle 'Hajdukovci', auch das hat bei der Auswahl eine große Rolle gespielt", so Vucur in der offiziellen Pressemitteilung. Stipe Vucur wusste sich beim kroatischen Club durchzusetzen und brachte es in der laufenden Spielzeit auf 11 von 13 möglichen Startelf-Einsätzen. Auch in der Euro-League-Qualifikation, in der Hajduk in der dritten Runde allerdings ausschied, durfte Vucur Europaluft schnuppern. Zuletzt musste aber auch Vucur gleich zwei Mal von außen zuschauen.


Patrick Ziegler, Lauterns teuerster Transfer der letzten Jahre, kam beim FCK trotz seiner 61 Einsätze eigentlich nie über eine Rolle als Ergänzungsspieler hinaus. Möglicherweise wiegte seine 800.000 Euro Ablöse in all der ganzen Zeit auch zu schwer. Die Sommerpause verbrachte Ziegler vereinslos. Es gab zwar Gerüchte um potentielle Wechsel, doch ein Transfer kam lange Zeit nicht zustande. Erst Ende Juli meldete der Verein Western Sydney Wanderers Zieglers Wechsel zum australischen Erstligisten, der nebenbei vom Ex-Bundesligaprofi Markus Babbel trainiert wird. In wie weit sich Patrick Ziegler in Australien durchsetzen kann, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Die Saison hat nämlich gerade erst begonnen. An den ersten drei Spieltagen stand Ziegler allerdings nicht einmal im Kader.


Aus Fansicht war dies sicherlich ein sehr schmerzhafter Abgang. Philipp Mwene entschied sich nach Lauterns Abstieg in die 3. Liga sehr früh zu einem Wechsel. Mwene unterschrieb bei den 05ern aus Mainz einen 3-Jahres-Vertrag und erhoffte sich dadurch vor allem eine Chance um sich „auf dem nächsten Level beweisen zu können“. Mwene selbst ließ es sich nicht nehmen und verabschiede sich auf seinem Instagram Kanal von den FCK-Fans: „An dieser Stelle möchte ich mich vor allem bei den unglaublichen Fans des FCK bedanken, für die Unterstützung in guten wie auch schweren Tagen“. Anfänglich schien der Sprung ins Bundesliga-Becken doch ein wenig zu groß für Philipp Mwene. Zu Beginn der Saison schaffte es der quirlige Rechtsverteidiger gleich mehrere Male nicht in den Kader. Erst durch die Verletzung von Daniel Brosinski ergab sich für Mwene eine Chance – und dieser nutzte er und spielte sich in die Startelf. Nach Brosinskis überstandener Verletzungspause kehrte Mwene aber wieder zurück auf die Bank. Es dürfte sich wohl dennoch lohnen, seine weitere Entwicklung zu beobachten.


12 Abgänge im Defensivverbund hatten die Roten Teufel im Sommer zu verzeichnen. Gerade einmal Leon Guwara, Marcel Correia und Stipe Vucur zählen bei ihren neuen Clubs zum Stammpersonal. Aus der Reihe der Bundesliga-Transfers hat nur Philipp Mwene Profit schlagen können. Joel Abu Hanna konnte sich aufgrund von Verletzungen bisher weder beweisen noch unterstützend mitwirken. Benjamin Kessel, Patrick Salata und Giuliano Modica bewegen sich zwischen Startelf und Auswechselbank. Zwar kamen alle drei genannten bisher zu Startelf-Einsätzen, verloren diese aber wieder aufgrund von Leistungsschwankungen oder Verletzungen. Definitiv als außen vor zu betrachten sind Andre Weis, Marius Müller und Jan-Ingwer Callsen-Bracker, die in es in ihren neuen und gleichzeitig auch alten Vereinen bisher auf keine einzige Einsatzminute gebracht haben.


Welchen der genannten Spieler hättet ihr gerne weiterhin beim FCK gesehen? Wem habt ihr den Durchbruch beim neuen Verein zugetraut, wem nicht? Diskutiert mit uns diese Fragen gerne im Forum von Treffpunkt Betze.


Im zweiten Teil unserer Reportage zu den "Lautrer Sommerabgängen" werden wir uns den Mittelfeldspieler und Stürmern widmen. Dazu in Kürze mehr.


Quelle: Treffpunkt Betze