Teil II: Die, die keine Ehrenmänner sein wollten ...

Viele der Sommerabgänge entschieden sich trotz eines Angebotes gegen eine Zukunft bei den Roten Teufeln, für andere gab es kein Angebot für eine Weiterbeschäftigung in der Dritten Liga. Was aus den zwei Torhütern und zehn Abwehrspielern geworden ist, haben wir bereits in unserem erstem Teil unserer Reportage zu den „Lautrer Sommerabgängen“ beschrieben. Doch was ist aus den weiteren 15 Abgängen geworden? Wohin sind sie gewechselt? Wer hat in seinem neuen Verein den Durchbruch geschafft, wer versauert auf der Bank? Im heutigen zweiten Teil unserer Reportage haben wir bei acht Mittelfeldspielern und sieben Stürmern etwas genauer hingeschaut. Hier findet ihr Teil II unseres Überblicks.


Dabei beginnen wir den zweiten Teil unserer Reportage zu den „Lautrer Sommerabgängen“ zunächst mit denjenigen, die aufgrund langwieriger Verletzungen noch nicht zu bewerten sind.


Da wäre zunächst einmal Brandon Borrello, der australische Flügelflitzer, der sich in seiner ersten Saison außerhalb der australischen Liga durchzusetzen wusste. Seine 16 Startelf-Einsätze, 7 Torvorlagen und 3 Tore blieben nicht unbemerkt. Ausgebremst wurde Borrello zum Ende der Abstiegssaison leider durch einen Kreuzbandriss. Der SC Freiburg griff trotzdem zu.


Maximilian Dittgen konnte sich beim FCK eigentlich nie wirklich durchsetzen. So kam es auch, dass Dittgen nach seiner Leihe zum SV Wehen-Wiesbaden gar nicht mehr zurückkehrte. Wehen-Wiesbaden sicherte sich die Dienste des Mittelfeldspielers bis 2020. Ausgebremst wurde Dittgen allerdings lange Zeit durch einen Sehnenriss. Am 13. Spieltag dann sein erhofftes Comeback im Spiel gegen Zwickau.


Nach über einem Jahrzehnt kehrte Halil Altintop zurück zum Betze. Doch obwohl Altintop einen für die 3. Liga gültigen Vertrag besaß, endete sein kurzes Intermezzo mit dem FCK schneller als gedacht. Scheinbar plante Cheftrainer Frontzeck nicht mit Altintop. Spekuliert wurde stattdessen über eine Weiterbeschäftigung Altintops als Jugendtrainer beim FCK, doch zu einer Einigung kam es nicht. In der Zwischenzeit hat Halil Altintop seine aktive Karriere dann doch beendet und hat sich dem VfB Stuttgart angeschlossen. Vorerst bis zum Winter wird er dort das Trainerteam unterstützen und für individuelle Maßnahmen verantwortlich sein.


Daniel Halfar hatte lange Zeit mit großen Schmerzen zu kämpfen. Im Frühjahr 2018 folgte eine Hüft-OP, von der sich Daniel Halfar erhoffte, „endlich wieder schmerzfrei laufen zu können“. Lange Zeit war nicht absehbar, ob Halfar seine aktive Profikarriere überhaupt fortsetzen kann. Inzwischen ist Halfar als Trainer der Bezirksligamannschaft Rot-Weiß Kirchlengern aktiv (wir berichteten: Daniel Halfar wird vorerst Bezirksliga-Trainer).


Weiten wir unseren Blick an dieser Stelle auf die 11 verbliebenen aktiven Spieler aus. Dazu gehören auf den Mittelfeldpositionen: Christoph Moritz, Ruben Jenssen, Manfred Osei Kwadwo und Nils Seufert, sowie im Angriff: Osayamen Osawe, Nicklas Shipnoski, Torben Müsel, Sebastian Andersson, David Tomic, Gervane Kastaneer und Kacper Przybylko.


In seiner zweijährigen Zeit beim FCK wusste man eigentlich nie so recht, ob Christoph Moritz eine echte Verstärkung ist oder doch weitestgehend seinen eigenen Ansprüchen hinterher läuft. Nur wenige Tage nach dem Zweitliga-Saisonende stand der Wechsel zum Hamburger SV fest. Moritz wechselte ablösefrei und unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag. Mit starken Worten wurde Moritz beim HSV empfangen: „Christoph Moritz ist ein Fußballer mit hohem technischen Niveau und einer herausragenden Mentalität, der zudem über reichlich Erst- und Zweitliga-Erfahrung verfügt. Er wird eine echte Verstärkung für uns sein“, erklärte Kaderplaner Johannes Spors Ende Mai. Sicherlich erhofften sich die Hamburger mehr von Christoph Moritz. Aber letztlich scheint die Konkurrenz mit Orel Mangala, Aaron Hunt und Lewis Holtby zu groß zu sein. Seine Bilanz in den bisherigen 13 Saisonspielen: Ein Mal Startelf, fünf Mal ohne Einsatz und sieben Einwechslungen mit einer Gesamtspielzeit von 184 Minuten.


Unvergesslich sein Tor gegen Bayer Leverkusen im Achtelfinale des DFB-Pokals. Die Rede ist von Ruben Jenssen. Im Januar gab der FCK die Rückkehr Jenssens zum FCK bekannt, allerdings nur als Leihe. Als ehemaliger Lautrer sollte Jenssen einen Teil dazu beitragen, das Unmögliche möglich machen. Im Falle eines Klassenerhalts hätte der FCK die Transferrechte erwerben können. Der FCK stieg bekanntlich ab und Jenssen schloss sich dem norwegischen Club Brann Bergen an. Dort erspielte sich der 30-jährige Norweger einen Stammplatz im zentralen Mittelfeld.


Manfred Osei Kwadwo – auch liebevoll „Manni“ genannt, erhielt trotz einer vorzeitigen Vertragsverlängerung im August 2017 kein neues Angebot vom FCK. Der aus der eigenen Jungend stammende Offensivspieler kam beim FCK auf insgesamt 22 Einsätze. Gemeinsam mit Joel Abu Hanna wechselte er nach dem Abstieg des FCK zum Zweitliga-Aufsteiger aus Magdeburg. Durchsetzen konnte sich Osei Kwadwo bislang nicht. In den ersten zehn Saisonspielen schaffte er es nicht einmal in den Spieltagskader, erst am 11. Spieltag feierte er gegen den HSV ein kurzes 8-minütiges Debüt, danach folgten wieder zwei Spieltage ohne Einsatz.


Es ist alles offen, es kann in alle Richtungen gehen“, kommentierte Nils Seufert seine näheren Zukunftsplanungen Ende April. Der seit der U15 spielende Mittelfeldakteur tat sich mit Entscheidung alles andere als einfach, entschloss sich schlussendlich doch für einen Verbleib in Liga 2 und wechselte an die Alm zu Arminia Bielefeld. Letztlich stellte sich sogar heraus, dass die Vertragsverhandlungen mit Bielefeld schon frühzeitig geführt wurden. Seufert erspielte sich schnell einen Stammplatz und gehört bisher mit 10 von 13 möglichen Startelf-Einsätzen zu den Gewinnern unter den FCK Sommerabgängen.


Auch Stürmer Osayamen Osawe lag ein für die dritte Liga gültiger Arbeitsvertrag vor. Osawe entschied sich gegen einen Verbleib in der Pfalz und wechselte ablösefrei zum FC Ingolstadt. Ob Osawe einen sportlichen Verlust darstellte, sei mal dahingestellt. Mit der richtigen Schnelligkeit ausgestattet traf er dennoch meist die falschen Entscheidungen, manchmal Genie, manchmal Wahnsinn eben. Osawe selbst erhofft sich eine jede Menge von seinem Wechsel zum FCI: „Ich bin überzeugt, dass ich mit meinen Fähigkeiten sehr gut zum FC Ingolstadt 04 passe. (…) Man ermöglicht mir, hier bei einem jungen und hungrigen Verein den nächsten Schritt zu machen". Doch weder Osawe noch der FC Ingolstadt mischen in der bisherigen Saison oben mit. Osawe kommt in den bisherigen 13 Saisonspielen auf sechs Startelf-Einsätze und fünf Einwechslungen, zwar mit vier Torvorlagen, aber noch ohne eigene Treffer – und der FCI steht auf dem 18. Tabellenrang mit dem Rücken zur Wand.


Neben Dittgen und Modica verließ auch Nicklas Shipnoski den FCK in Richtung Wehen-Wiesbaden und unterzeichnete dort einen 2-Jahres-Vertrag bis 2020. Beim FCK konnte sich Shipnoski trotz diverser Trainer nie richtig durchsetzen und etablieren. Nach Kurz-Einsätzen in der Profimannschaft folgten häufig Einsätze in der Lautrer Oberliga-Mannschaft. Als Außenbahnspieler geholt kommt Shipnoski in der bisherigen Saison auf zumindest 436 Spielminuten, darunter auch sechs Einsätze in der Startelf, insgesamt stand er in 10 von 15 Spielen auf dem Feld.


Für jeden Verein dürfte es schmerzhaft sein, die aus der eigenen Kaderschmiede ausgebildeten Talente zu verlieren. Torben Müsel war einer von ihnen, der zudem „zu einem der deutschen Top-Talente seines Jahrgangs gehört“, so Gladbachs Sportdirektor Eberl. 2006 kam Müsel zum FCK und durchlief alle Jugendmannschaften. Sein bis 2020 gültiger erster Profivertrag verlor durch den Abstieg in die 3. Liga seine Gültigkeit – und trotz zäher Verhandlungen konnte sich Müsel nicht zu einem Verbleib durchringen. Und niemand erwartete wohl in seiner ersten Saison den Durchbruch in der Bundesliga, zumal die Konkurrenz im Gladbacher Offensivbereich sehr hoch ist. Bisher musste sich Müsel mit einem Stammplatz in Gladbachs zweiter Mannschaft in der Regionalliga zufrieden geben.


Es zeichnete schon sehr früh ab, dass Sebastian Anderssons Abgang ein sehr schmerzhafter wird. Zum einen war Andersson mit seinen zwölf Treffern Lauterns bester Torschütze in der abgelaufenen Abstiegssaison, zum anderen löste sich die bezahlte Ablösesumme in Höhe von 700.000 Euro quasi von der einen auf die andere Nacht in Luft auf. Trotz ernsthafter Vertragsverhandlungen entschied sich Andersson für einen Wechsel zu Union Berlin, wo er in der bisherigen Spielzeit sein Können eindrucksvoll unter Beweis stellt. Bisher kommt er auf 11 Startelf-Einsätze und fünf Scorerpunkte.


Auf Seiten des FCK war geplant, den eigentlich durch den Abstieg ungültigen Vertrag mit David Tomic zu verlängern und ihn dann wiederum auszuleihen. Doch Tomic sah für sich mit einem Wechsel zum VfB Stuttgart II eine bessere und sinnvolle Alternative. Dort unterschrieb der gebürtige Hanauer einen Vertrag bis 2020. In der Regionalliga Südwest erspielte sich Tomic einen Stammplatz und hofft sicherlich nicht nur aufgrund seiner bisherigen sieben Tore auf den Sprung in die Profimannschaft des VfB.


Gervane wer? Richtig gehört: Gervane Kastaneer. Er kam mit großen Erwartungen in die Pfalz, konnte seine volle Leistungsvielfalt aber nie ausschöpfen und enttäuschte vielmehr auf ganz Linie. Beim FCK kam er in der Abstiegssaison auf lediglich zehn Einsätze in der Hinrunde. Nach einigen vereinslosen Wochen gab der holländische Club NAC Breda Ende Juni Kastaneers Wechsel in die Eredivisie bekannt. Wirklich durchsetzen konnte sich Kastaneer auch in Breda nicht: Von 12 möglichen Einsätzen schafft er es erst drei Mal in die Startelf, vier Mal wurde er eingewechselt, und zuletzt stand er vier Mal nicht einmal mehr im Kader des holländisches Erstligisten.


Eine Leidensgeschichte, die sicherlich seinesgleichen sucht. Die Rede ist vom erst 25-jährigen Kacper Przybylko, der in den letzten FCK Jahren gleich mehrfach mit einer immer wieder kehrenden Fußverletzung zu kämpfen hatte. Beim FCK kam Pritsche in drei Jahren auf lediglich 47 Zweitliga-Einsätze. Zuletzt stoppte ihn ein Mittelfußbruch, der einen weiteren Verbleib beim FCK eher unmöglich machte. Nach unterschiedlichen Gerüchten und Probetrainings wechselte Pritsche schlussendlich in die us-amerikanische Major League Soccer zu Philadelphia Union. Anders als in Europa beginnt die Saison in der Major League bereits im März, Pritsche wechselte also erst zum Saisonabschluss und kam in den möglichen acht Partien kein Mal zum Einsatz.


Zieht man die vier Spieler, die aufgrund langer Verletzungspausen nicht zum Einsatz kamen und daher auch nicht bewertet werden können ab, bleiben im Offensivbereich der Lautrer Sommerabgänge elf Spieler. Zusammenfassend haben sich lediglich Ruben Jenssen, Nils Seufert und Sebastian Andersson dauerhaft Stammplätze in ihren neuen Vereinen erspielt. Stammplätze ergattert sich ebenfalls zwei ehemalige FCK Talente, David Tomic und Torben Müsel, dies allerdings nur in der Regionalliga. Alle anderen genannten und aufgelisteten Spieler haben sich sicherlich mehr von ihren Wechseln erhofft.


Welchen der genannten Spieler hättet ihr gerne weiterhin beim FCK gesehen? Wem habt ihr den Durchbruch beim neuen Verein zugetraut, wem nicht? Diskutiert mit uns diese Fragen gerne im Forum von Treffpunkt Betze.


Quelle: Treffpunkt Betze