Unersetzlich: Marlon Ritter in der Form seines Lebens

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    Unersetzlich: Marlon Ritter in der Form seines Lebens

    Kaum jemand verkörpert den FCK so sehr wie Marlon Ritter. Seine Offensivwerte gehören zur Ligaspitze. Und seine provokante Art bringt seine Gegner regelmäßig zur Weißglut.


    Die haben keine Ideen, die kacken sich ein“, brüllt Marlon Ritter in der Halbzeitpause des DFB-Pokal-Viertelfinales im Kabinentrakt von Hertha BSC Berlin. Eine Szene, die viral geht. Nicht nur bei den eigenen, sondern auch bei den gegnerischen Fans. Marlon Ritter polarisiert, Marlon Ritter provoziert. Schon nach dem umstrittenen Spiel bei Fortuna Düsseldorf war in der Rheinischen Post von einem Spieler die Rede, der beim Gegner "unmöglich" sei. Doch das kann Marlon Ritter und dem FCK egal sein, denn eines beweisen solche Geschichten: Der Mittelfeldmotor geht voran.


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    „Started from the bottom now we’re here“


    Ritter kam 2020 vom SC Paderborn zu den Roten Teufeln und fand sich schnell im Abstiegskampf der 3. Liga wieder. Unter Boris Schommers, Jeff Saibene und Marco Antwerpen bestritt der Dauerbrenner 34 von 38 Spielen. Dass gleich drei verschiedene Trainer auf den damals 26-Jährigen setzten, zeigt, wie hoch seine individuelle Qualität eingeschätzt wurde. Die folgende Aufstiegssaison bestätigte Ritters Rolle auf dem Betzenberg, doch in der ersten Zweitliga-Saison des FCK bekam der gebürtige Essener auf seiner Position ordentlich Konkurrenz. Verständlich für einen Mittzwanziger, der zuvor noch nie oberhalb der 3. Liga Fuß fassen konnte. In der Regel entwickelt sich ein Fußballer - vor allem in der Offensive - bis zum 25. Lebensjahr, spielt dann seine besten Jahre und ist mit 30 reif für den Ruhestand.


    Marlon Ritter hat allen das Gegenteil bewiesen. Er bestätigte nicht nur seine Leistungen aus der Vorsaison, sondern war trotz des großen Umbruchs im Kader nicht aus der Mannschaft wegzudenken. Doch die aktuelle Saison zeigt, dass Ritters Entwicklung auf und neben dem Platz keine Grenzen gesetzt zu sein scheinen. Mit sechs Scorerpunkten in der Liga und vier weiteren im Pokal bestätigt er die Entscheidung, ihn auf die „Zehn“ zu ziehen. Vor allem der Pokal scheint dem 29-Jährigen zu liegen: So hielt sich die Nummer sieben der Roten Teufel in der ersten Runde noch zurück, schoss dann den 1. FC Köln quasi im Alleingang ab (zwei Vorlagen, ein Tor) und spielte auch gegen Nürnberg und Hertha BSC überragend, wo er einen weiteren Assist beisteuerte. Zudem führte Ritter den FCK seit der Verpflichtung von Dimitrios Grammozis viermal als Kapitän aufs Feld. Auch Friedhelm Funkel hob äußerst lobend die Entwicklung des Lautrer Führungsspieler hervor. Und das in diesen schwierigen Zeiten, schließlich kämpft der FCK bekanntlich um den Klassenerhalt. Doch was macht den „Faktor Ritter“ im Spiel aus?

    Ein Angriffskatalysator der Extraklasse


    Vergleicht man Ritter ligaintern mit Spielern auf der gleichen Position, fällt schnell auf, dass nur wenige so torgefährlich sind wie der 29-Jährige. 0,24 npxG pro 90 Minuten (erwartete Tore ohne Elfmeter) katapultieren die Nummer sieben der Lautrer in die Top 10 Prozent der Liga. Auch bei den Schüssen (2,32 p90) und den Ballkontakten im gegnerischen Strafraum (2,18 p90) beeindruckt der Offensivmann. Besonders auffällig: Auch bei der Ballbeschleunigung gehört Marlon Ritter zur absoluten Elite der Liga. Die Daten bestätigen den optischen Eindruck: Landet der Ball beim Dauerbrenner, sollten bei jedem Gegner der Roten Teufel die Alarmglocken schrillen, denn dann wird der FCK unberechenbar. Mit seiner eigenen Torgefahr zieht Ritter die Gegner auf sich und hat gleichzeitig das Auge und die Übersicht, seine Mitspieler in Szene zu setzen.


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    Gerade im Spiel gegen den SC Paderborn war zu sehen, wie ideenlos die Pfälzer ohne ihren Spielmacher agierten. Neben seinen besonderen Fähigkeiten im laufenden Spiel ist Ritter ein elementarer Bestandteil der Standardstärke, die auf dem Betzenberg Einzug hält. Und auch wenn Aktionen wie die „Vorlage“ zum 1:0 gegen den FC Schalke statistisch nicht erfasst werden, war Marlon Ritter auch an diesem Treffer beteiligt - wie übrigens an fast jedem fünften Pflichtspieltor der Roten Teufel. Der Wechsel vom spielerischen Part auf der „Sechs“ zum alleinigen Freigeist auf der „Zehn“ zeigt Wirkung.

    Quo vadis, Ritter?


    In der aktuellen sportlichen Situation ist der Begriff „Hoffnungsträger“ für Spieler wie den ehemaligen Paderborner zutreffender denn je. Vergleicht man die Kader der Konkurrenz, würde sich jeder Verein im Tabellenkeller über den gebürtigen Essener mehr als glücklich schätzen. Und wie steht es um etwaige Kritikpunkte? Abgesehen von (externen) Meinungen, die sich meist gegen den Charakter des 29-Jährigen richten, der nicht selten Rudelbildungen auslöst oder zumindest daran beteiligt ist, fällt es schwer, hier Argumente zu finden. Denn Spieler wie MR7 kommen immer mit „Macken“, die aber auch zum Wesen des Spielers gehören.


    Natürlich funktionieren nicht alle Offensivideen Ritters und natürlich gewinnt ein 1,72 Meter großer und 73 Kilogramm schwerer Mittelfeldspieler nicht jeden Zweikampf. Unbestreitbar ist aber, dass Marlon Ritter die bisher beste Saison seiner Karriere spielt und immer noch steigerungsfähig scheint. Da stellt sich natürlich die Frage: Wo soll das alles enden? Zuletzt verglich FCK-Fan und Sänger Mark Forster Ritter mit Mittelfeldspieler Toni Kroos. Trotz des charmanten Vergleichs wird es der 29-Jährige wohl nicht mehr zur Europameisterschaft schaffen. Dennoch ist dem kreativen Kraftpaket noch einiges zuzutrauen - denn abschreiben, das hat Marlon Ritter gezeigt, darf man ihn nie.