Harald Layenberger: Mehr als ein gewöhnlicher Hauptsponsor

Die Layenberger Nutrition Group macht die Brust frei für einen Sponsor, der mehr zahlen kann. Dies war vertraglich so vereinbart.


Doch reisen wir noch einmal zurück. Zurück in den Sommer 2018: Vor gut zwei Monaten hat der einst so ruhmreiche 1. FC Kaiserslautern den schwärzesten Tag in seiner bis dato 118-jährigen Vereinsgeschichte erlebt: Den Abstieg in die Drittklassigkeit. Der Verein Fritz Walters, viermaliger deutscher Meister, zweimaliger Pokalsieger, er liegt am Boden. Sportlich wie emotional. Doch in seinem Umfeld entsteht etwas, was so in Fußballdeutschland wohl nur in Kaiserslautern möglich ist. Eine schier unfassbare Aufbruchsstimmung erfasst damals den Klub, über 1.500 Fans pilgern zum ersten öffentlichen Training der Mannschaft, über 40.000 Fans besuchen die Auftaktpartie gegen 1860 München. Von Untergangsstimmung ist nichts mehr zu spüren. Inmitten dieser „Jetzt erst Recht“ Atmosphäre wird Harald Layenberger mit seinem Unternehmen Hauptsponsor des 1. FC Kaiserslautern. Layenberger, vor über 63 Jahren in Kaiserslautern geboren, war von Anfang an kein gewöhnlicher Hauptsponsor.

Der „Sponsor der Fans“ – Sein Vater vererbt ihm das FCK-Gen

Es ist der 13. Juli 2018, ein Tag vor dem äußerst gut besuchten Stadionfest, da wird Layenberger der Öffentlichkeit vorgestellt. In einem sehr emotionalen Statement, bei dem ihm mehrfach fast die Stimme versagt, erzählt er, dass sein Vater über 60 Jahre lang als Ordner und Fan FCKler durch und durch war. Dass dieser ihn, den kleinen Harald, einst mit auf den Betzenberg mitnahm und von da an sein Herz dem FCK gehörte. Er erzählte aber auch, warum er noch kein FCK-Mitglied sei. Er wolle kein Teil des „FCK-Geklüngel“ sein. In der Vergangenheit sei das Stimmungsbild „ausgeglichen negativ“ gewesen, so Layenberger damals. Und das liege vor allem daran, dass nicht ehrlich miteinander und den Fans umgegangen worden sei. Dies wolle er nun ändern. Layenberger, dieser Name sollte für etwas stehen. „Sponsor der Fans“. Das war sein Anspruch. Und dem wurde er auch bis zum letzten Tag gerecht.

Streit mit FCK-Führung eskaliert - Layenberger rettet Fritz Walter Nachlass

Doch seine Skepsis bezüglich einer Tätigkeit beim FCK sollte ihn schon bald einholen. Denn „Ehrlichkeit vom ersten Tag an“, die Harry - wie er von den Fans liebevoll genannt wird - in seiner Vorstellung propagierte, wollten nicht unbedingt alle beim FCK in gelebter Art und Weise teilen.


Dass sein Verhältnis mit dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Patrick Banf freundlich ausgedrückt schwierig war, daraus machte Layenberger nie ein Geheimnis. Auch nicht im damaligen Interview mit Treffpunkt Betze im Dezember 2018. Doch auch die wirtschaftliche Strategie von Michael Klatt und Martin Bader, denen er bei seiner Vorstellung noch außerordentliche Kompetenz attestierte, gefiel dem Herzblut-Fan nicht. Und noch weniger deren Kommunikationsstrategie: Lieber nichts, als zu viel zu sagen. Als im Dezember 2018 Rainer Keßler als Vereinsvorstand abberufen und ihm dies auf der Autofahrt Richtung München am Telefon mitgeteilt wurde, machte Layenberger sich und den Fans erstmals verbal Luft. Es entstanden Facebook-Posts, die er kurze Zeit später relativieren musste. Als im Januar 2019 Patrick Banf im Aufsichtsrat bleiben durfte, reichte es Layenberger aber. „Denjenigen, die sich wieder einmal selbst verraten haben, wünsche ich dicke eitrige Pickel ins Gesicht“. Dass er damit über das Ziel hinausschoss – und das auch nicht zum letzten Mal, ist unbestritten. Es ist nicht gerade die Art und Weise, wie sich Hauptsponsoren gegenüber Vereinsverantwortlichen verhalten sollten. Harald Layenberger war aber immer mehr als ein Hauptsponsor. Er war Fan. Und er zeigte es. Und das mit voller Leidenschaft.


Als im Februar 2019 der Nachlass Fritz Walters bei einer Auktion in alle Welt versteigert zu werden droht, der 1. FC Kaiserslautern finanziell nicht in der Lage, und der DFB nicht willig ist das Erbe des deutschen Ehrenspielführers zu retten, kauft Layenberger den Nachlass kurzerhand aus dem eigenem Geldbeutel. Gedankt wurde es ihm vom FCK – zumindest öffentlich – nie. Dabei wäre jeder Fan und leidenschaftliche Anhänger des 1. FC Kaiserslautern und Fritz-Walters Harry Layenberger zu tiefem Dank verpflichtet. Gerade in Zeiten, in denen es fast nur noch um Geld und Profit geht, wo die traditionellen Werte, die einst die Walter-Elf vorgelebt und den 1. FC Kaiserslautern und den DFB erst groß gemacht haben, immer mehr in Vergessenheit geraten, war ein Mann wie Harald Layenberger Gold wert. Doch viele im Verein empfanden diese Position, in die sich Layenberger durch solche Aktionen brachte, die Sympathie, die ihm entgegenschlug, offenbar als störend, ja sogar als gefährlich.


Deswegen wurde Harald Layenberger immer mehr zur unerwünschten Person. Sein Fantalk, ursprünglich in der Layenberger-Loge im Fritz-Walter-Stadion geplant, musste außerhalb in der Fankneipe „Zum zwölften Mann“ stattfinden. In Planungen bezüglich der Feierlichkeiten zu „100 Jahre Fritz Walter“ wurde er nicht eingebunden. Ein Treppenwitz, denn ohne Layenberger wären ein Großteil der Habseligkeiten von Fritz Walter jetzt in Brasilien oder China zu bestaunen.


Und so verlor auch Layenberger irgendwann die Motivation. „Wenn du dich gerne bei den Menschen, die diesen Verein über alles lieben und unterstützen, für ihr uneingeschränktes Engagement und für ihre Leidenschaft bedanken willst, und dann feststellen musst, dass deine für diesen Zweck gebaute Fan-Loge als 'Keimzelle des Bösen' bezeichnet wird, und dir dann noch von offizieller Seite unterstellt wird, nur die Feinde der Vereinsführung einzuladen, dann vergeht einem die Lust“, äußerte sich Layenberger im August 2019 enttäuscht.


Zu diesem Zeitpunkt war das Tischtuch zwischen FCK und Layenberger eigentlich zerschnitten. Zu viel Porzellan wurde – auch von Layenberger selbst – und der damaligen Vereinsführung um Martin Bader und Michael Klatt zerschlagen. Doch als im Dezember 2019 die Riege um Markus Merk und Rainer Keßler in die Gremien des Vereins gewählt wurden, keimte bei allen Beteiligten Hoffnung auf, die „Ehe“ doch noch zu retten. Layenberger und der FCK, das musste doch einfach passen.


Doch es dauerte nicht lange, bis es zu neuerlichen Irritationen kam. Im Zuge der Investorensuche gab Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt der Rheinpfalz ein eigentlich harmloses Interview, indem er mehr oder weniger nur den Status Quo darlegte, nämlich dass im Fall der Fälle ein anderer Sponsor, der dem FCK mehr zahle als Layenberger, die Brust übernehmen könne. Layenberger selbst fühlte sich davon aber brüskiert, kündigte auf Facebook mehr oder weniger an, sofort als Hauptsponsor auszusteigen. „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan“, titelte er auf Facebook.


Kurze Zeit später beschwichtigten der FCK und Layenberger noch einmal die Partnerschaft. „Ich werde auch weiterhin die neue Führung um Soeren Oliver Voigt, der mein vollstes Vertrauen genießt, unterstützen und auch weiterhin Sponsor dieses Vereins bleiben. Wer wie Herr Voigt an allen Fronten für unseren FCK kämpft, dem sei es verziehen, wenn er auf eine solche Frage der 'Rheinpfalz' etwas unglücklich antwortet.“ Doch da war das Ende der gemeinsamen Zeit schon ganz nah.

Stichwort Kommunikation: Das hat Layenberger nicht verdient

Und das ist an sich auch nicht verwerflich. Layenberger selbst hat 2018 dafür gesorgt, dass beide Seiten vorzeitig die Zusammenarbeit beenden können, sollte ein finanzstärkerer Partner den FCK unterstützen wollen. Die Angelegenheit könnte also eigentlich ganz geräuschlos vonstatten gehen, wäre für den Klub sogar eine erfreuliche Tatsache. Denn sie bedeutet Mehreinnahmen. Nicht so aber beim 1. FC Kaiserslautern.


Die Art und Weise wie man Harald Layenberger ziehen lässt, beziehungsweise mit ihm (nicht) kommuniziert, wird dem Menschen Harald Layenberger (wieder einmal) nicht gerecht. Dass der FCK seine Mannschaft offenbar bereits mit neuem Sponsor ablichten lässt, ohne den alten darüber zu informieren, darf ebenso kopfschüttelnd betrachtet werden wie, dass laut Layenberger die Geschäftsführung die vertragliche Option zur Beendigung der Partnerschaft gar nicht gezogen hat. Der FCK wollte sich zu diesen Vorwürfen auf Nachfrage von Treffpunkt Betze nicht äußern.


Dass aber auch im Zuge des Fritz Walter Erbes die Kommunikation mit Layenberger offenbar auf Eis liegt, und laut Layenberger sogar „kein Interesse an der Heimkehr des Nachlasses“ besteht, das ist nicht nur enttäuschend, es ist weder der Person Fritz Walters noch Harald Layenbergers würdig.


Man kann von Harald Layenberger halten was man möchte. Sicher hat auch er Fehler gemacht, ist manches Mal über das Ziel hinausgeschossen und wäre insbesondere auf Facebook manchmal lieber stumm geblieben, statt die ohnehin öffentlich brodelnde Debatte um den FCK noch zu befeuern. Manch öffentlich ausgetragener Konflikt, ob mit Patrick Banf, der Rheinpfalz oder zuletzt Dieter Buchholz, hat dem FCK nicht gut getan, ihm sicherlich nicht geholfen.


Aber: Harald Layenberger hat auch viel für „seinen“ FCK getan. Er wurde in einer Situation Hauptsponsor, in der Interessenten nicht gerade Schlange standen. Er wollte die Familie FCK wieder zu neuem Leben erwecken und er hat den Nachlass Fritz Walters vor der Zerschlagung gerettet. Und so ein Mann verdient es, dass man ihn würdigt. Dass man ihm offen ins Gesicht sagt, was man vorhat. Und nicht, dass man ihn durch die Hintertür verabschiedet. Dass er dem Verein trotzdem als Exklusivpartner erhalten bleibt ist ihm umso höher anzurechnen. Und auch die Layenberger-Loge und die Layenberger&Fans Westkurve wird noch ein weiteres Jahr bestehen bleiben, wie er Treffpunkt Betze verriet.


Man kann Harald Layenberger einiges nachsagen, aber nicht, dass er den Verein nicht tief in seinem Herzen tragen würde. Denn diese Liebe geht tiefer als jedes FCK-Geklüngel. Er hat sie von seinem Vater vererbt bekommen. Und das überdauert jedes Engagement. Es bleibt für immer. Layenberger war eben schon immer mehr Fan als ein Hauptsponsor.


Quelle: Treffpunkt Betze

Titelbild: ms-sportfoto