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"Um jeden Zentimeter gekämpft" - FCK zerlegt Schalke 04
Durch den Heimsieg im Kellerduell gegen Schalke 04 konnte der FCK den Abstand auf die Abstiegsränge vorerst vergrößern. Hier die Spieler- und Trainerstimmen zum Spiel.
Ein Fußballfest erlebten die Fans des 1. FC Kaiserslautern beim Heimspiel gegen Schalke 04, das die Roten Teufel mit 4:1 gewannen. Ragnar Ache brachte den FCK früh in Führung, ein Treffer von Simon Terodde wurde wegen Abseits aberkannt. In der zweiten Halbzeit belohnten sich die Gäste aus Gelsenkirchen mit dem Ausgleich durch Neuzugang Darko Churlinov, ehe die Lautrer erneut durch Ache in Führung gingen. Neuzugang Filip Stojilkovic und Aaron Opoku sorgten mit ihren Treffern zum 4:1-Endstand für die Entscheidung und verschärften die sportliche Krise von Schalke 04. Frank Ronstadt, Julian Niehues, Ragnar Ache, Marlon Ritter, Dimitrios Grammozis Thomas Hengen mit den Stimmen zum Heimsieg.
Frank Ronstadt: "Fans haben uns angetrieben"
Winter-Neuzugang Frank Ronstadt, der heute sein Startelf-Debüt feierte und Kapitän Jean Zimmer als Rechtsverteidiger verdrängte, zeigte sich nach dem Spiel zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft: "Der Sieg heute war hochverdient. Selbst nach dem Ausgleich hatten wir uns nicht aufgegeben, haben nicht nachgelassen und am Ende mit 4:1 gewonnen. Wir hatten keine Sekunde an uns gezweifelt und wir waren überzeugt, dass wir das Spiel ziehen werden. Im Vorfeld des Spiel dachten wir auch nicht darüber nach, wie die Stimmung bei einer Niederlage gewesen wäre. Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft sind und das auch auf dem Platz zeigen müssen. Jetzt müssen wir das Spiel abhaken und uns auf das Pokalspiel am Mittwoch konzentrieren und vorbereiten".
Von seinem Debüt im FCK-Trikot erfuhr der 26-Jährige am Morgen vor dem Spiel: "Ich habe heute morgen, als wir die Aufstellung bekamen, von meinem Startelfeinsatz erfahren. Jean Zimmer und ich haben uns im Training immer wieder auf der rechten Seite abgewechselt und heute durfte ich beginnen. Die Stimmung und die Atmosphäre heute war überragend. Die Fans haben uns angetrieben und uns die zweite Luft gegeben, Hut ab!"
Ragnar Ache: "Einfach ein geiles Gefühl"
Doppeltorschütze und Matchwinner Ragnar Ache brachte den 1. FC Kaiserslautern mit dem 2:1-Treffer auf die Siegerstraße: "Ich weiß es selbst nicht genau. Richmond Tachie hat den Ball perfekt in die Mitte geflankt. Ich wusste, dass ich einfach nur gut in der Luft stehen und den Ball richtig mit dem Kopf erwischen muss. Das habe ich dann gemacht und der Ball ist reingegangen, einfach ein geiles Gefühl. Nach dem Spiel hatte ich, im Gegensatz zur Partie gegen St. Pauli, keinen Grund mich aufzuregen (lacht)".
Zudem äußerte sich Ragy, der in dieser Saison immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte, zu den Gründen seiner Auswechslung: "Ich hatte sehr ekelige Verletzungen, vor allem am Sprunggelenk, und dann habe ich zu früh angefangen, sodass es schlimmer geworden ist. Zum Glück ist jetzt alles gut, ich fühle mich gut. Nach meinem Tor zum 2:1 habe ich angezeigt, dass ich ausgewechselt werden muss, weil mir ein wenig die Kraft ausging. In den Spielen vor der Winterpause wurde ich zwar immer wieder eingewechselt, doch auch im Testspiel gegen Dynamo Dresden hatte ich wieder ein paar Probleme. Aktuell reicht es bei mir noch nicht für neunzig Minuten, trotzdem möchte ich alles raushauen und wenn ich kaputt bin, lasse ich mich eben auswechseln. Man hat auch heute gesehen, dass wir sehr viel Qualität auf der Bank haben".
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Julian Niehues: "Erleichterung ist riesig"
Mittelfeldspieler Julian Niehues, der von seinem Trainer während der anschließenden Pressekonferenz für seine Leistung und seinen Offensivdrang gelobt wurde, richtete den Blick schon auf die kommenden Spiele gegen Hertha BSC und die SV Elversberg: "Die Erleichterung ist riesig. Wir wussten, dass Schalke hochmotiviert aus der Halbzeitpause kommen wird. Es ist schwer, sich darauf einzustellen und dann bekommst du auch noch das Gegentor. Trotzdem sind wir nicht eingebrochen, haben weiter nach vorne gespielt und uns nicht hinten reingestellt. Bis morgen können wir uns noch freuen, doch dann stehen auch schon die nächsten Spiele an, auf die wir uns vorbereiten müssen. Trotz des Sieges stehen wir noch unten in der Tabelle und müssen weiter Punkte einfahren. Für die nächsten Spiele müssen wir auf jeden Fall das gute Gefühl vom heutigen Spiel mitnehmen und wir sind sehr froh, die Niederlagenserie endlich beendet zu haben. Am Mittwoch im DFB-Pokalspiel gegen Hertha BSC müssen wir die gleiche kämpferische Leistung auf den Platz bringen und hoffentlich ziehen wir dann in die nächste Runde ein".
Dimitrios Grammozis: "Haben großen Willen gezeigt"
FCK-Cheftrainer Dimitrios Grammozis zeigte sich nach den schwierigen letzten Wochen selbstbewusst und äußerst zufrieden mit dem Auftritt seines Teams, das einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf einfahren konnte: "Wir haben heute verdient gewonnen. Wir waren von Beginn an gut im Spiel und waren oft im letzten Drittel des Gegners. Nach der Führung wurden die Jungs selbstbewusster, doch nach und nach wurden wir ein wenig zu passiv. Uns war bewusst, dass wir die Schalker weiterhin pressen und früh stören müssen, weil sie viel Qualität in der Mannschaft haben. Gerade für die Phase nach dem 1:1 muss ich die Mannschaft loben, weil sie die Situation sehr positiv angenommen hat und nach den schwierigen Wochen eine gute Körpersprache an den Tag gelegt hat. Vor allem nach der 3:1 Führung haben wir guten Fußball gespielt, weil auf einmal eine gewisse Leichtigkeit zu spüren war. Gratulation an meine Spieler für die Leistung, die sie heute abgeliefert haben. Sie haben einen großen Willen an den Tag gelegt und um jeden Zentimeter gekämpft".
Marlon Ritter: "Sind als Mannschaft gefestigt"
Marlon Ritter war durch seinen direkten Freistoß maßgeblich am Führungstreffer des FCK beteiligt. Der 29-Jährige, der sieben Jahre lang für die Königsblauen spielte, zog im Anschluss an die Partie sein Fazot: "Ich glaube, das bei uns allen die Erleichterung groß ist. In der ersten Halbzeit haben wir gemerkt, dass heute viel drin ist. Wir haben uns heute wieder viel vorgenommen und in der ersten Halbzeit standen wir gut, haben wenig Chancen zugelassen. Schalke wurde nur dann gefährlich, wenn wir sie durch Fehler eingeladen haben. In der zweiten Halbzeit haben wir trotz des frühen Gegentores gesagt, dass wir weitermachen müssen und an uns glauben müssen. Am Ende sind wir als verdienter Sieger vom Platz gegangen".
Zudem äußerte er sich zu den Vorkommnissen der letzten Woche, insbesondere zu den Äußerungen in den sozialen Medien: "In der Winterpause haben wir uns zusammengesetzt und darüber gesprochen, was sich ändern muss, um da unten aus der Tabelle rauszukommen. Gegen St. Pauli haben schon viele Mannschaften verloren, doch was im Anschluss bei Social Media geschrieben wurde, war schon vogelwild. Auch wenn uns das nicht interessiert, bekommt man so etwas natürlich trotzdem mit. Leute, die von außen Feuer reinbringen wollen, den haben wir es heute gezeigt, dass wir ein Team sein können".
Hengen: "Wichtiger Sieg für uns alle"
"Mich freut es vor allem für die Mannschaft, denn das ist immer eine Kopfsache. Wir haben bereits in der ersten Halbzeit in den letzten Minuten zu passiv gespielt, wir wollten aktiver aus der Kabine kommen, aber haben genau das nicht gemacht. Da hat die Mannschaft um den Ausgleich gebettelt", äußerte sich Geschäftsführer Thomas Hengen durchaus kritisch. Für den entscheidenen "Brustlöser" sorgte dann Stürmer Ragnar Ache, "da hat die Mannschaft verstanden, dass sie eine Reaktion zeigen muss", so Hengen weiter. "Und dann haben die frischen Kräfte von der Bank gezeigt, dass sie Qualität haben". Auch aus Sicht des Trainers Grammozis bewertete Hengen diesen lang ersehnten Heimsieg als sehr bedeutsam. "Bei ihm war die Überzeugung immer da. Aber dieser Sieg war nicht nur wichtig für den Trainer, sondern für uns alle."
Quelle: Treffpunkt Betze
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Euphoriebremse ausgebremst
Hurra, der FCK ist wieder da! Die Lautrer feiern einen wichtigen Sieg gegen Schalke 04 und haben jetzt das Pokal-Viertelfinale vor der Brust. Eigentlich alles super, oder?
Der Betze war voll, die Stimmung überragend, das Ergebnis zuträglich. Das Tabellenmittelfeld ist wieder in greifbarer Nähe und das DFB-Pokal-Viertelfinale steht vor der Brust. Vor der Saison hätte sich wohl jeder Anhänger des 1. FC Kaiserslautern über eine solche Ausgangslage gefreut. Doch nach dem starken Saisonstart, dem rapiden Abfall, der Trainerentlassung und einer sieben Spiele andauernden Niederlagenserie fühlt sich die Situation nicht so gut an, wie sie könnte. Der FCK hat Schalke mit einer dominanten Vorstellung vom Berg gejagt und verdient gegen eine Mannschaft gewonnen, die zum Beginn dieser Saison mit ernsthaften Aufstiegsambitionen durch Deutschland gereist war.
Zwischen Betze-Depression und totaler Euphorie
Aber haben die Roten Teufel drei Punkte geholt, weil sich etwas grundlegend geändert hat oder weil das System von Dimitrios Grammozis endlich greift? Wohl kaum. Der Trainer, der nach dem Spiel gegen St. Pauli aufgrund kaum nachvollziehbarer Interviews und einer noch schwächeren Leistung auf dem Platz zu Recht in die Kritik geraten war und sich zudem mit Verleumdungen gegen seine Person auseinandersetzen musste, hatte noch in der Winterpause angekündigt, dass der FCK demnächst auf eine Viererkette umstellen werde. Zu Recht fragten sich viele Fans und Journalisten: Mit diesem Kader? Einem Kader, in dem es nach dem Ausfall von Hendrick Zuck und dem Rücktritt von Erik Durm keinen einzigen klassischen Linksverteidiger mehr gibt? Oder war all das nur eine Finte, die gegen den FC St. Pauli einfach nicht gezündet hat? Fest steht jedenfalls: Wenn Grammozis die Hertha am kommenden Mittwoch besiegt, schlägt die Betze-Depression wieder in totale Euphorie um. Und dann ist - zumindest bei Heimspielen auf dem Betzenberg - wieder alles möglich.
Mit neuen Kräften zu alter Leistung
Schon die Aufstellung vor dem Spiel hielt einige Überraschungen bereit. Frank Ronstadt für Jean Zimmer. „Der Kapitän gebenched“, wie man heutzutage zu sagen pflegt. Dazu eine körperlich groß gewachsene Doppelsechs mit Filip Kaloc und Julian Niehues. Diese war auch bitter nötig und musste - dem Plan geschuldet - oft in der Defensive aushelfen, da Tymoteusz Puchacz und Frank Ronstadt bei gegnerischem Ballbesitz stark ins Offensivpressing eingebunden waren und bei Abschlägen von Ralf Fährmann teilweise sogar auf Höhe des gegnerischen Strafraums attackierten. In der generellen Offensivbewegung änderte sich zunächst nichts. Bei Kontern wurden die Außen bedient, im Spielaufbau wurde Ache gesucht. Gelang es diesem, auf Marlon Ritter oder Richmond Tachie abzulegen, wurde es auch aus dem Spiel heraus gefährlich.
Hervorzuheben ist die Leistung des linken Schienenspielers Puchacz, der wieder an den Pucha zu Beginn der Saison erinnerte. Extrem involviert und engagiert, überall auf dem Platz zu finden und bei Zweikämpfen mit der Osayamen-Osawe-Gedächtnislösung: Ball vorlegen und hoffen, dass man schneller ist als der Gegner. Das führte zwar zu dem einen oder anderen Ballverlust, aber am Ende auch zum 4:1, als er mit einem angetäuschten Sprint zwei Schalker Verteidiger auf sich zog und Aaron Opoku fast frei zum Abschluss kam.
Es lebe die Mannschaft
Die Mannschaft funktionierte gegen desolate Schalker wie ein Uhrwerk. Bis auf das obligatorische Gegentor (diese Mannschaft kann einfach nicht zu Null spielen) lief nahezu alles perfekt. Das Gegentor fiel übrigens wie so oft in dieser Saison nach einem langen Ball hinter die viel zu weit aufgerückte Dreierkette. Dazu gesellte sich eine Prise schlechtes Stellungsspiel und ein verlorenes Laufduell von Almamy Touré. Aber das war in diesem Spiel nicht so schlimm, weil einfach viele Spieler auf dem Platz wieder auf dem Niveau des Saisonbeginns spielten und die Neuzugänge sich wunderbar ergänzten. Das zweite Tor von Ragnar Ache dann wie zu seinen besten Zeiten, die übrigens erst vier Monate zurückliegen. Flanke in die Mitte von Tachie, eigentlich etwas zu hoch angesetzt, aber kein Problem für Sprungwunder Ache. Der war in diesem Spiel übrigens bei den Schalker Standards mit der Bewachung von Kopfballungeheuer Simon Terrode beauftragt. Und der ist zehn Zentimeter größer als Ache.
Übrigens: Noch bevor Ache den Ball in der Luft berührt, sieht man in fast jeder Kameraeinstellung Jean Zimmer jubeln. Das Vertrauen in Lauterns wandelnde Torgarantie ist also schon mal da. Diese Mannschaft hat nicht die Probleme und Zwistigkeiten, die ihr von außen in der letzten Woche angedichtet wurden. Jeder Jubel ein Gedicht. Auch ein Filip Stojilkovic, der erst seit einem Monat das Trikot der Roten Teufel trägt, schrie sich beim Jubel die Seele aus dem Leib, als würde er schon immer auf dem Betzenberg spielen.
Gedanken an die Zukunft
Doch das Fußballgeschäft, es ist ein schnell lebiges. Wird die Leistung gegen Hertha BSC Berlin im Pokalspiel nicht bestätigt oder der Sieg gegen Schalke in Elversberg nicht in einen Lauf umgesetzt, werden Abstiegsangst und Trainerentlassung wieder realistisch. Das Ungeheuer Betze muss Zähne zeigen, denn es hat noch immer die Chance, eine Saison mit sieben Niederlagen in Folge am Ende doch noch zu etwas ganz Besonderem zu machen.
#FCKS04: Die Spielernoten der Treffpunkt Betze-Redaktion: