Kolumne: "Und wenn du denkst es geht nicht mehr ..."

Hinter dem 1. FC Kaiserslautern liegt unbestritten das schlimmste Jahr seiner fast 119-jährigen Vereinsgeschichte. Wieder einmal. Blickt man in die Zukunft, sieht man viele Fragezeichen. Gewiss ist nur die bedingungslose Liebe der Fans. Wieso sich die Frage nach dem „warum“ gar nicht erst stellt und was trotz allem Hoffnung macht, darauf habe ich in meiner neusten Kolumne „Vegges emol die Redd ned“ einen Blick geworfen.


Seit meiner letzten Kolumne ist schon etwas Zeit vergangen. Im Oktober des letzten Jahres beschäftigte mich die Frage, ob es typisch FCK sei, dass Euphorie und Lethargie so eng beieinander liegen, sich so schnell abwechseln, und ebenso gegenteilig sind wie Tag und Nacht. „Himmelhochjauchzend – Zu Tode betrübt“ überschrieb ich dies damals.


Knapp vier Monate später könnte das genauso gut die Überschrift für diesen Artikel sein. „Wo Gefühl ist, ist auch viel Leid“, wusste schon Leonardo da Vinci. Hätte es den Verein damals schon gegeben, er hätte glatt Fan des 1. FC Kaiserslautern sein können.


Das Wechselbad der Gefühle, der leidgeprüfte FCK-Fan hat es auch die letzten Wochen wieder erleben müssen. Jetzt, Anfang Februar ist das ausgegebene Saisonziel Aufstieg meilenweit entfernt, spätestens nach der jüngsten Niederlage in Münster endgültig verfehlt. Die Sorge um die Existenz des FCK bedrückt die Anhänger, das Sportliche rückt dabei beinahe in den Hintergrund. Wie konnte das geschehen, war doch zu Beginn der Saison der Verein wie elektrisiert, eine Euphorie vorhanden, die gleichermaßen unheimlich wie unerklärbar war.


Wo bei anderen Vereinen innerhalb dieser letzten vier Monate schlicht 11 Pflichtspiele absolviert worden wären, bot der FCK nahezu eine facettenreiche Daily-Soap. Zu sehen gab es eine vermeintliche Aufholjagd, darauf folgende Ernüchterung, blutleere Auftritte und Klatschen, Trainerentlassungen, Trainerhoffnungen, vermeintliche Aufholjagden, darauf folgende Ernüchterungen … „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ at its best.


Doch der FCK wäre nicht der FCK, wenn neben der sportlichen Berg- und Talfahrt nicht noch persönliche Grabenkämpfe dazukämen. Es offenbarte sich im letzten Quartal auch das große 12 Millionen Loch, das es zu füllen gibt, möchte man die Lizenz für ein weiteres Jahr dritte Liga erhalten. Im Zuge dieser Problematik trat zuerst Vereinsvorstand Rainer Keßler zurück, dann entbrannte ein Kampf im Aufsichtsrat. Aufsichtsratschef Banf gegen Mitglied Littig, dann alle gegen Banf, der auf einmal gestürzt werden sollte und schließlich doch im Amt blieb. Obendrein schaltete sich Hauptsponsor und Vollblut-Fan Harald Layenberger lautstark in die Diskussion ein, stellte sich öffentlich gegen Banf. Der „1. FC Chaoslautern“ - er war wieder da. War er jemals weg?

Ruhe und Kontinuität? Ein frommer Wunsch

Im Oktober des letzten Jahres lobte ich den Verein noch für seinen eingeschlagenen Weg. „Ruhe und Kontinuität beim FCK“ hieß es damals. Die Roten Teufel hatten gerade ihre Negativerlebnisse in der Nachspielzeit abgeschüttelt und Befreiungsschläge gegen Braunschweig und Lotte gefeiert. Die Niederlage in Osnabrück konnte ja einmal passieren.


Hätte ich damals gewusst, dass am Folgespieltag Uerdingen zu Hause mit einer bärenstarken Leistung 2:0 besiegt wird, ich hätte mich bestätigt gefühlt. Ähnlich muss es den Herren Bader, Notzon und Frontzeck ergangen sein.


Michael Frontzeck - viel diskutiert, viel kritisiert. Auch ich hatte meine Zweifel, fand es aber zunächst gut, dass der Verein an ihm festhielt. Wie schon erwähnt, „Ruhe und Kontinuität“ eben. Da war der Wunsch der Vater des Gedankens …


Nachdem der FCK auch in Aalen gewann, dachte wohl so gar der ein oder andere Hardcore-Frontzeck-Kritiker, der Verein greife wirklich noch einmal oben an. Der Sieg auf der Ostalb überdeckte aber schon dort die ein oder andere eklatante Schwäche, die von den Verantwortlichen jedoch weggeredet wurden. Dass die gute Stimmung, das scheinbar neugewonnene Vertrauen, sowohl in der Mannschaft als auch in Frontzeck selbst sehr fragil war, zeigte die Tatsache, dass nur drei Spiele später die Stimmung wieder am Nullpunkt - besser gesagt am Siedepunkt - angelangt war. Nach einer Heimniederlage gegen Cottbus erlitten die Teufel mit 1:4 bösen Schiffbruch bei der Hansa Kogge. Als die Fans dann im Heimspiel gegen Wehen-Wiesbaden ein trost- und ideenloses 0:0 zu sehen bekamen, entluden sich offensichtlich lang angestaute, nur zeitweise betäubte Emotionen. Lautstarke „Frontzeck raus!“ Rufe wurden noch gesteigert von ein paar dutzend Ultras, die nach Abpfiff hinter die Bande stürmten. Eines war klar: Erfolgt im Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching nicht eine 360-Grad-Wendung im Lautrer Spiel, wird Frontzeck nicht zu halten sein. Von manch einem „Fan“ hörte ich sogar, er wünsche sich eine Niederlage, nur damit der Verein zum Handeln gezwungen werde und Frontzeck gehen müsse. An diesem Punkt hörte mein Verständnis auf. Doch deren Angst sollte unberechtigt sein. Was folgte war keine 360-Grad-Besserung, es war ein Desaster. Mit 0:5 wurde die Elf des FCK gedemütigt, der Verdacht der Arbeitsverweigerung drängte sich unweigerlich auf. Ebenso die Entlassung von Michael Frontzeck, die am nächsten Morgen nach nur zehn Monaten Amtszeit erfolgte.


Es stand also wieder einmal eine Trainersuche auf dem Programm. „Alle Jahre wieder“, hörte ich von manchem Journalistenkollegen, dies traf den Nagel auf den Kopf. Der Wunsch nach Kontinuität, er war nicht nur nachvollziehbar, er war eigentlich unabdingbar, um die immer fortwährende Abwärtsspirale aufhalten zu können. Doch klar ist eben auch: Ergebnisse müssen geliefert werden. Dabei war Michael Frontzeck aus meiner Sicht nicht einmal wegen der Ergebnisse allein gescheitert. Es war die Art und Weise wie seine Mannschaft - aber auch er - am Ende auftraten. Ideenlos, kampflos, herzlos. Und ein Trainer, der öffentlich nur noch damit beschäftigt war die zu hohe Erwartungshaltung zu kritisieren und Zeit einzufordern. Zeit, das wurde spätestens auf der Jahreshauptversammlung im Dezember klar, die der Verein nicht mehr hat. Sicher, der gemeine FCK-Fan neigt schon einmal dazu, dass die Erwartungen in den Himmel wachsen können. Doch gibt es wahrscheinlich auch keinen Profiverein in Deutschland, dessen Fans ihre Erwartungshaltung innerhalb von 20 Jahren so rapide heruntergefahren haben wie die des 1. FC Kaiserslautern. Ist es wirklich zu viel verlangt von einer Mannschaft, die gerade aus der 2. Liga abgestiegen ist und einen Top-Etat hat, wenigstens um sein selbst ausgegebenes Saisonziel mitzuspielen? Wahrlich nicht.

Sascha Hildmann — Der FCK wird wieder gelebt

Wer sollte also her? Viele Namen wurden diskutiert, manche schnell wieder verworfen. Erfahrene Trainer wie ein Uwe Neuhaus vielleicht? Ein junger Coach Marke Nagelsmann wie Lukas Kwasniok? Oder gar ein Held alter Tage, wie der in Australien weilende Marco Kurz?


Schnell wurde klar, es muss jemand sein, der einen Gegenentwurf zu Michael Frontzeck und den oben beschriebenen Eigenschaften darstellt. Einer, der den Betze annimmt, lebt und mitfühlt, statt ihn als eine von vielen Stationen in einem langen Trainerleben einfach nur mitzunehmen.


Und so fiel die Wahl auf Sascha Hildmann. Mehr Kaiserslautern ging nicht. Als junger Profi 1994 unter Friedel Rausch selbst einmal im Profikader der Lautrer gestanden, dann Kapitän der Amateure. Und dazu aus Kaiserslautern, der erste auf der Lautrer Trainerbank seit über 50 Jahren. Genauer gesagt aus Enkenbach. Enkenbach? Da war doch was…


Von der Emotionalität schien das also schon einmal zu passen. Doch was war das für ein Trainertyp? Ich muss zugeben, viel mehr als das er bis Oktober noch Trainer von Großaspach war, wusste ich am Abend, als sein Name im Netz bestätigt wurde nicht über Sascha Hildmann. Auch deshalb war ich zugegebenermaßen zunächst etwas skeptisch. Für was steht er? Was erwartet uns taktisch? Kann er aus den Jungs die erhoffte Qualität rauskitzeln?


Doch schon am Tag seiner Präsentation wichen meine Zweifel langsam einer gewissen Zuversicht. Sehr sympathisch präsentierte sich Hildmann auf der Pressekonferenz. Die Aussage er tue sich den FCK nicht an, es sei vielmehr eine Herzensangelegenheit, war wohl Balsam für die Seele eines jeden FCK-Anhängers. Dass eben nicht eine zu hohe Erwartungshaltung das Problem des Vereins ist, zeigten mir die Anhänger unseres Vereins erneut an diesem Tag. An einem Donnerstagnachmittag um 15 Uhr kamen mehr als 100 Kiebitze zum ersten Training unter Sascha Hildmann. Es war für mich ein weiterer Beweis dafür, wie leicht es ist, um den Funken auf die Fans überspringen zu lassen, wieder Begeisterung zu entfachen. Und zugleich drängte sich mir die Frage auf, warum die Verantwortlichen der letzten Jahre so unfähig gewesen waren, diese Flamme zum Lodern zu bringen. Gespannt wartete ich also auf das erste Training unter Sascha Hildmann. Und was ich zu sehen bekam, hatte ich auf dem Betzenberg lange nicht mehr gesehen. Da stand ein Mann auf dem Platz, der mit Emotion dabei war, der nicht nur den Platz auf und abschritt.


Einer, der bei kleinsten Fehlern eingriff und die Mannschaft nach rund zehn Minuten schon gleich einmal anschnauzte, warum sie eigentlich nicht miteinander kommunizieren würde. Dazu wurden Standards trainiert, offensiv wie defensiv. Und auch hier griff der Trainer ein, machte Spielzüge und Laufwege vor und riss so Mannschaft aber auch Zuschauer aus der Lethargie, die seit dem 0:5 Debakel in Unterhaching herrschte. Wann gab es eigentlich das letzte Mal in einem FCK-Training ein Trainingsspiel, das dazu noch aufgezeichnet und anschließend analysiert wurde? Erst jetzt wurde mir in der Gänze bewusst, wie viel Zeit in den letzten Wochen verschenkt worden war.


Viel Zeit blieb Sascha Hildmann wahrlich nicht. Nur zwei Tage später gastierten die Würzburger Kickers auf dem Betzenberg, dementsprechend wenig erwartete ich vom Spiel unserer Elf und vom Ausgang der Partie.


Am Ende war das Ergebnis dasselbe wie beim Heimspiel zuvor gegen Wehen Wiesbaden - 0:0 - und doch hatte man ein ganz anderes Spiel gesehen. Die Defensive wirkte stabiler, die Jungs trauten sich wieder mehr zu. Und doch wurde deutlich, wie viel Arbeit auf Sascha Hildmann in der recht kurzen Winterpause zukommen würde. Sein Plan: Die Mannschaft taktisch flexibler machen, unberechenbarer für den Gegner. Sollte Taktik also doch Spiele gewinnen? Natürlich tut sie das. Und Sascha Hildmann wusste um diese Problematik.


Doch da solch eine Umstellung und Einstudierung eines oder mehrerer Spielsysteme Zeit braucht, agierten die Roten Teufel in den beiden verbliebenen Spielen im gewohnten 4-4-2 System. Trotzdem war schon eine andere Einstellung auf dem Platz erkennbar und im zweiten Spiel von Sascha Hildmann in Meppen gelang dann auch der erste Sieg. Mit 1:0 und drei wichtigen Punkten im Gepäck reiste man zum letzten Spiel des Jahres nach München zu 1860.


Ich durfte bei diesem Spiel im altehrwürdigen Stadion an der Grünwalder Straße dabei sein. Und ich war voller Hoffnung auf einen versöhnlichen Abschluss eines ganz schlimmen Fußballjahres nach Abstieg und enttäuschter Wiederaufstiegshoffnung. Doch leider wurde das Spiel seinem feierlichen Rahmen nicht gerecht, am Ende verlor der FCK mit 1:2 - der Schlusspunkt eines „Annus horribilis“. Oder um es mit den Worten des amerikanischen Schriftstellers Ambrose Bierce zu sagen: „Jahr: Eine Periode von 365 Enttäuschungen“.

Mit Hoffnung ins Jahr 2019 — Querelen so weit das Auge reicht

Was blieb war die Hoffnung. Wie so oft beim 1. FC Kaiserslautern. Die Hoffnung, dass Sascha Hildmann die Jungs im Winter schon fit machen würde, dass die wahre Qualität schon noch zum Vorschein kommen würde und eine Aufholjagd vielleicht doch noch möglich sein könnte. Es konnte ja 2019 nur noch besser werden. Doch wenn du denkst es geht nicht mehr schlimmer, belehrt dich der 1. FC Kaiserslautern immer eines Besseren. In der Winterpause bestimmten zunächst nicht etwa das Wintertrainingslager, mögliche Neuzugänge oder die Vorhaben für eine gute Rückrunde die Schlagzeilen rund um das Betzenberg, sondern es taten sich wieder einmal Abgründe persönlicher Eitelkeiten und Machtkämpfe auf.


Die Posse begann mit einer Rede von Rainer Keßler, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden des 1. FC Kaiserslautern e.V. auf der Jahreshauptversammlung im Dezember. Als jeder der dort Anwesenden schon von einer fast historisch langweiligen, ereignislosen Versammlung ausging, trat Keßler ans Mikrofon. In seiner Rede beklagte er fehlende Transparenz, ihm sei Einblick in eine Liste mit potenziellen Investoren verweigert worden. Dann der eigentliche Paukenschlag: Eigentlich wolle er hier und heute zurücktreten, gab Keßler bekannt, täte dies nun aber doch nicht, um den Verein nicht handlungsunfähig zu machen. Das kommissarische zweite Vorstandsmitglied Michael Littig, seines Zeichens eigentlich Aufsichtsrats- und Beiratsmitglied, trat zuvor schon von seinem Amt zurück. Das Chaos war perfekt.


Es war der Beginn einer Diskussion, über Strategien den Verein zu retten, über die Art und Weise wie der Klub geführt und mit seinen Mitgliedern umgegangen wird. Die Geschäftsführung um Michael Klatt und Martin Bader plädierten im Falle einer weiterhin erfolglosen Investorensuche für eine teure Zwischenfinanzierung, Aufsichtsratschef Banf unterstützte diesen Weg offenbar. Was zu dieser Zeit noch niemand ahnt: Der Aufsichtsrat und das Vereinsumfeld sind in dieser Frage schon lange gespalten. Die Grabenkämpfe sollten noch tiefer, noch schmutziger werden.


Auf der Jahreshauptversammlung noch vom Rücktritt zurückgetreten berief der Aufsichtsrat unmittelbar vor dem Auswärtsspiel bei 1860 München Rainer Keßler von seinem Amt ab. Ein Mann, der so viel Herzblut in diese Aufgabe gesteckt hatte, wurde wie in einem schlechten Spielfilm auf der Autobahn von dieser Nachricht überrascht. Eine Art und Weise, die ganz abgesehen von der inhaltlichen Diskussion, unwürdig für einen Mann wie Rainer Keßler und einen Klub wie den 1. FC Kaiserslautern ist!


Zu Beginn des neuen Jahres durften wir den Hauptsponsor und leidenschaftlichen FCK-Fan Harald Layenberger kennenlernen und interviewen. In einem sehr offenen und ehrlichen Gespräch verriet er uns damals erstmals, wie gespalten der FCK in dieser Frage sei und was er vom Aufsichtsratsvorsitzenden und dessen Arbeitsweise hält. „Ich sehe in einer Zwischenfinanzierung keine Option“, sagte Layenberger damals und deutete an, dass es weitere Optionen und Möglichkeiten gäbe. Wumms. Damit hatten wir nicht gerechnet.


Dass er den FCK lebt und liebt und Pläne hat, den Verein und seine Mitglieder wieder in den Vordergrund zu rücken, das wurde uns mehr als deutlich. Unmittelbar beim Schreiben dieser Kolumne erreichte uns dann die Nachricht, dass Harry in Eigenregie die Versteigerung des Erbes Fritz-Walters verhindert. Mehr Herzblut geht nicht!


In einem kicker Interview konterte der Geschäftsführer Sport Martin Bader die Aussage Layenbergers, was denn die Option einer Zwischenfinanzierung sei. Man müsse notfalls Zeit gewinnen, um den Verein zu retten. Was nun begann, war einem so traditionsreichen Verein wie dem 1. FC Kaiserslautern eigentlich nicht würdig und gleichzeitig doch so typisch für den FCK.


Am 17. Januar wird öffentlich, dass Aufsichtsratsmitglied Michael Littig angeblich mit dem russischen Investor und Präsidenten des KFC Uerdingen, Michail Ponomarew verhandelt habe. Des Weiteren sei Patrick Banf im Aufsichtsrat isoliert, solle in einer außerplanmäßigen Sitzung am darauf folgenden Montag gar gestürzt werden. Harald Layenberger wiederum bezichtigte Patrick Banf, er selbst habe diese Insiderinformationen an die Öffentlichkeit gegeben, um bei den Fans Angst vor einem übermächtigen Investor zu schüren. Und urplötzlich hieß es vom Geschäftsführer Sport Martin Bader, es gäbe einen ganzen Strauß an Optionen, die Lizenz des FCK zu sichern. Ja was denn nun?


Man kann in dieser Angelegenheit jeden Standpunkt vertreten, alles hat sein Für und Wider. Zweifelsfrei braucht der FCK Geld, eine teure Zwischenfinanzierung verlängert aus meiner Sicht nur das langsame Sterben unseres geliebten Vereins. Denn wenn jetzt niemand investiert, wer soll es dann nächstes Jahr mit weiteren 12 Millionen Verbindlichkeiten tun. Die Herren, die das dann wollen, dürften kaum seriöser sein als ein Herr Ponomarew oder ein Herr Becca aus Luxemburg. Dennoch: Ein Modell wie bei 1860 München ist natürlich auch nicht wünschenswert und führt - wie man sieht - auch nicht zwangsläufig zu sportlichem Erfolg.

Nur zusammen sind wir Lautern? Schön wäre es!

Ganz egal welchen Weg man geht, man muss ihn als geschlossene Einheit gehen und ihn ehrlich bestreiten. Die Art und Weise wie beim FCK in den letzten Wochen mit- und übereinander geredet wurde, war dem alten Klub Fritz-Walters nicht würdig. Ganz davon abgesehen, dass so ein zerstrittener Haufen jede Art von Geldgeber, sei es eine Bank oder ein Investor, abschreckt. Der alte Slogan „Nur Zusammen sind wir Lautern“, vom ehemaligen FCK-Boss Gries kreiert, er ist zur Lachnummer verkommen.


In Anbetracht dessen war es vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung, dass in der besagten Aufsichtsratssitzung weder Patrick Banf gestürzt noch Mitglieder des Aufsichtsrats zurückgetreten sind. Man sei sich bewusst, „dass die anstehenden Aufgaben nur gemeinschaftlich in dieser Zusammensetzung bewältigt werden könne“, hieß es in einer Pressemeldung des Vereins.


Der Schritt ist aber nur dann richtig, wenn er ehrlich gemeint ist. Sollte es sich dabei wieder einmal um einen faulen Kompromiss oder einen sehr brüchigen Burgfrieden halten, dann vertagt er nur das vorhandene Problem. Um ehrlich zu sein, war letzteres auch mein Gefühl, als ich an diesem Abend vor der Geschäftsstelle des FCK wartend die Pressemeldung las. Eine Mischung aus Lachen, Wut und Verzweiflung machte sich in mir breit. Denn die brennenden Fragen blieben weiter ungeklärt. Wie kam es zu diesem Kompromiss? Was ist jetzt die Strategie des Vereins, welchen Weg der beiden so gegensätzlichen Strategien will man gehen? Der Fan des FCK tappt dabei weiter im Dunkeln und kann nur spekulieren. Und das ist es, was mich eigentlich wütend macht. Der Verein schafft sich somit seine Probleme doch nur selbst. Wo Gerüchte wabern, ist die nächste Unruhe schon vorprogrammiert … Kaiserslautern, wie es leibt und lebt.


So kann man also nur Vermutungen anstellen. Der kürzlich abgeschlossene Ausrüster Deal mit Nike ließ das gesamte Umfeld aufhorchen. Ein 5-Jahresvertrag über 3,5 Millionen Euro, in der 2. Liga gar doppelt so viel. Würde ein so renommiertes Unternehmen einen solchen Deal mit dem FCK abschließen, wenn sich eine nahende Insolvenz andeuten würde? Eher nicht.


Dazu gibt sich Martin Bader auf einmal ungewohnt offensiv. Er sei sich „sicher, dass der FCK die Lizenz erhalte“. Mehr noch, dies sogar ohne Spieler verkaufen zu müssen. Angesichts der derzeitigen sportlichen Situation kann sich jeder sein eigenes Bild machen, ob es wünschenswert wäre die Mannschaft genauso zusammenzuhalten. Dennoch ist es eine bemerkenswerte Aussage. Und die Umsetzung wäre ein Schritt hin zur lang ersehnten Kontinuität, die auch Martin Bader erreichen möchte.

Auch sportlich wartet Arbeit - die Richtung stimmt aber

Für diese ist aber neben Zusammenhalt außerhalb des Platzes auch der sportliche Erfolg unabdingbar. In Spanien studierte Sascha Hildmann mit der Mannschaft ein neues 3-4-3 System ein, man verzichtete bewusst auf Neuzugänge. Ich selbst kann mich an keine Saison erinnern, in der das einmal der Fall gewesen war. In diesen Zeiten vielleicht genau der richtige Weg.


Und der Start ins Jahr 2019 verlief erfolgreich. Zum Heimauftakt empfing man ausgerechnet Hildmanns Ex-Verein Großaspach. Die Roten Teufel kreierten eine Menge Torchancen, begeisterten mit ihrem Kampfgeist und lieferten endlich mal wieder ein angemessenes Heimspiel, an dessen Ende ein hochverdienter 2:0 Heimsieg stand. Im Anschluss wurde von FCK-Spieler Jan Löhmannsröben gar die „Wiedergutmachungstournee 2019“ angekündigt. Alles also besser in 2019?


Nicht ganz. Dem Verein fehlt auch zu Beginn des neuen Jahres die Konstanz. Auf den starken Aufritt gegen Großaspach folgte letzten Samstag eine ernüchternde 0:2 Niederlage in Münster. Das begeisternde Offensivspiel wurde dort ebenso schmerzlich vermisst wie die sichere Defensive. Stattdessen sah man alt bekannte Probleme und Schwächen im Lautrer Spiel.


Wo geht der Weg des 1. FC Kaiserslautern also hin? Sportlich wie wirtschaftlich gibt es viele Fragezeichen. Gewiss ist nur, dass das Jahr 2019 zu einem der wichtigsten in der Vereinsgeschichte werden wird. Es wird sich entscheiden, ob der FCK die Abwärtsspirale stoppen und neu angreifen kann, oder ob das langsame Sterben des Vereins ein jähes und nicht vorstellbares Ende haben wird. Ich jedenfalls kann und will mir es nicht vorstellen.


Sportlich hat man mit dem neuen Trainer Sascha Hildmann die Weichen richtig gestellt, er verdient das Vertrauen, das jetzt aber auch einmal endlich von Dauer sein muss, auch wenn Wunschträume wie der sofortige Wiederaufstieg endgültig ad acta gelegt werden können. Die Mannschaft sollte schauen, dass sie halbwegs glimpflich und mit etwas Selbstvertrauen aus der Saison kommt und nächstes Jahr neu angreifen kann.


Damit dies überhaupt gelingen kann müssen die Verantwortlichen des Vereins die eigentliche Wurzel des Problems, die Lizenznot, schnellstmöglich lösen. Dabei müssen persönliche Eitelkeiten endgültig hinten anstehen, gemeinsam muss die Unzerstörbar endlich wieder in ruhiges Fahrwasser gebracht werden. Wer sich dazu nicht in der Lage sieht, sollte sein Mitwirken überdenken. Denn das einst so stolze Schiff des 1. FC Kaiserslautern hat bereits so große Risse, dass weitere Schläge unweigerlich zum Untergang führen würden.


Wir Fans können dabei nur auf die Vernunft und die Fähigkeiten aller Beteiligten hoffen. Darin sind wir schließlich auch geübt, es liegt quasi in der DNA eines jeden FCK-Fans. Denn nicht nur der bekannte Philosoph Karl Jaspers wusste: „Die Hoffnungslosigkeit ist schon die vorweggenommene Niederlage“, auch die Fans des 1. FC Kaiserslautern kennen das Wort Aufgeben nicht. Und das ist auch gut so. Denn immer, wenn du glaubst es geht nicht mehr, …


Ihr wisst schon. Und fällt es manchmal auch noch so schwer, ein Blick in unser Vereins-„Vater-Unser“, das Betze-Lied, macht mir immer wieder Mut. Dort heißt es nämlich: „Solangs in Deutschland Fußball gibt, gibt es auch den FCK!“. In diesem Sinne: Weiter, immer weiter!


Quelle: Treffpunkt Betze

Autor: Gerrit