Beiträge von Armin

    Diskussionsthema zum Artikel: Die frühen Vögel vom Betzenberg


    Die frühen Vögel vom Betzenberg

    Effektiver kann man ein neues Fußballjahr nicht beginnen. Mit dem 4:0 hat der FCK eine ordentliche Duftmarke gesetzt. Für Aufstiegsträume ist es trotzdem noch zu früh.


    Wieder einmal gelingt den Roten Teufeln ein Blitzstart. Am Ende besiegt der 1. FC Kaiserslautern den Gast aus Meppen souverän mit 4:0. Meppens Trainer Rico Schmitt fasste das Spiel mit den folgenden Worten zusammen: "Lautern ist schlagbar, aber wir waren heute nicht in der Lage Kaiserslautern zu schlagen. Sie waren effektiver und gnadenloser als wir". Man könnte auch sagen: Wenn der FCK erst einmal führt, wird es momentan für jeden Gegner sehr schwer das Spiel noch zu drehen.


    Spieltagsbilder: 1. FC Kaiserslautern - SV Meppen (4:0)

    Ein frühe Führung ist die halbe Miete

    Nur zwanzig Minuten hat es gegen Viktoria Köln gedauert, eine Woche später gegen Türkgücü München lediglich rekordverdächtige sieben Minuten. An diesem Samstag wiederum waren es neun Spielminuten, bis der FCK mit 2:0 in Führung lag und das Match damit so gut wie entschieden war. Keinem Gegner gelang es in dieser Saison, zwei Tore gegen die Lautrer aufzuholen. Nur zwei Teams erzielten bislang überhaupt mehr als einen Treffer gegen die Roten Teufel. Die Würzburger Kickers trafen bei ihrem 2:0 Auswärtscoup am Betzenberg doppelt - und Aufsteiger Viktoria Berlin durfte beim 4:0 Hinspielsieg im Berliner Jahn-Sportpark ohnehin machen was er wollte. Seitdem allerdings steht Defensive der Lautrer so sicher wie bei keinem Team der Liga.


    Beim 4:0 Heimsieg am Samstag ließ sich spätestens nach der Führung erkennen, wie befreit das Team von Marco Antwerpen momentan aufspielt. Die Mannschaft spielt einen überaus gepflegten Fußball aus der eigenen Deckung heraus. Wenn lange Bälle eingesetzt werden, so werden diese fast immer gezielt und höchst selten planlos nach vorne geschlagen. Dort warten mit Hanslik und Redondo lauf- aber auch technisch starke Spieler. Bedient werden sie zumeist von den beiden Ballverteilern Marlon Ritter und Mike Wunderlich, die immer mehr ihre spielerische Extraklasse zeigen.

    Mustergültiges Pressing und drei herausgespielte Treffer

    Zugegeben: Im zweiten Durchgang ließ die Defensive der Hausherren mehr zu als üblich, allerdings führten die Pfälzer zu diesem Zeitpunkt bereits mit 3:0. Zudem war die Linie des Schiedsrichters nicht immer nachvollziehbar und gerade gelb-verwarnte Spieler wie Wunderlich und Tomiak zogen im Zweikampf eher mal den Fuß zurück als einen Platzverweis zu riskieren. Mehr Anlass zur Kritik gibt es für dieses Spiel schlichtweg nicht. Werfen wir also einen Blick auf die Tore: Das 2:0 und das 3:0 fielen grundsätzlich auf die komplett gleiche Art und Weise. Beide Male wurde Kenny-Prince Rendondo zentral perfekt von Felix Götze bedient. Kurioserweise verpasste Redondo, der ansonsten ein sehr starkes Spiel machte, beide Male den Ball. Kuriorerweise tauchte beide Male jedoch auch Hendrick Zuck aus dem Hintergrund auf, um zu vollstrecken. Bei seinem ersten Treffer schoss der Püttlinger eigentlich aus unmöglichem Winkel auf das Tor und wurde für seinen Mut dementsprechend belohnt.


    Das schönste Tor des Spiels war gleichzeitig ein Musterbeispiel für das Lautrer Gegenpressing. Redondo setzt den ballführenden Meppener nahe der Eckfahne unter Druck, während Hanslik und Götze die nächsten Anspielstationen zustellen. Der lange Ball des Meppeners landet bei Hercher, der sehenswert in den Strafraum eindringt und Mike Wunderlich am Elfmeterpunkt mustergültig bedient. Der ehemalige Kölner behält schließlich nicht nur die Nerven, sondern verfügt auch über die Technik, den Ball erst noch einmal am Gegner vorbeizulegen, um dann unbedrängt ins Tor zu schießen. Kurz vor Spielende wäre beinahe noch das 5:0 gefallen. Der eingewechselte Simon Stehle und Kenny-Prince Redondo überrennen mit einem tollen Konter die Meppener Defensive. Der erst 20-jährige Stehle verfehlt das Tor jedoch nur um Zentimeter. Die Leihgabe aus Hannover, die eine turbulente Hinrunde erlebte, sollte für die Rückrunde auf keinen Fall frühzeitig abgeschrieben werden.


    Trainer Marco Antwerpen war nach dem Match sichtlich zufrieden: "Wir wollten Meppen mitspielen lassen, dass sie in die Spieleröffnung müssen. Sie haben uns genau diesen Gefallen getan, genau die Bälle zu spielen, die wir haben wollten. Der Plan ist komplett aufgegangen“.

    Nur auf dem Papier ein Spitzenspiel

    Nicht nur nebenbei erwähnt hatte Meppens gefürchteter Topscorer Luca Tankulic bei zwei Gegentreffern seine Aktien. Beim 0:1 durch Boris Tomiak säbelte der Toptorschütze zunächst am Ball vorbei und vor dem 0:2 jagten ihm Felix Götze und Daniel Hanslik gemeinsam im Mittelfeld die Kugel vom Fuß. Auch sein eher harmloser Abschluß im ersten Durchgang wäre einem fitten Torjäger sicher besser gelungen. Warum das eine Erwähnung wert ist? Tankulic konnte in den letzten Wochen nicht mit der Mannschaft trainieren, sein Einsatz war lange Zeit fraglich. Trotz mangelnder Fitness durfte der 30-jährige Offensivspieler aber von Beginn an spielen. Bei den Männern in Rot wäre dies sicherlich nicht vorstellbar. Unter Trainer Marco Antwerpen müssen sich die Rekonvaleszenten erst einmal hinten anstellen, bevor sie in der Startelf landen - egal ob sie nun Götze, Zimmer oder Klingenburg heißen. Ein Grund dafür ist sicherlich auch, dass dem Lautrer Coach ein größerer und ausgeglichenerer Kader zur Verfügung steht als dem Kollegen Rico Schmitt.


    Betrachtet man die Ergebnisse der Liga-Top Teams untereinander, so fällt auf, dass dem SV Meppen gegen die ersten acht Teams der Drittligatabelle nur ein einziger Sieg gelang, und das war ausgerechnet der 1:0 Sieg gegen den FCK am 2. Spieltag. Nach zwei 0:5 Niederlagen gegen Braunschweig und Mannheim sollte spätestens seit dem 0:4 am Betzenberg klar sein, dass die Emsländer - trotz Punktgleichheit mit dem FCK - kein Aufstiegskandidat sind. Auch wenn die Partie auf dem Papier ein Spitzenspiel war, sollte man sich davon nicht blenden lassen. Das Niveau von Magdeburg, 1860 München oder Mannheim ist defitiv höher als das der Niedersachsen. Hier muss der FCK auch in der Rückrunde bestehen.

    Sind VIPs die neuen Ultras?

    Lediglich 500 Zuschauer waren für das Spiel am Samstag zugelassen. "Aufgrund der Kurzfristigkeit der Entscheidung sowie aus organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen hat sich der 1. FC Kaiserslautern dazu entschieden, die verfügbaren Plätze an VIP-Bestandskunden zu vergeben“, so die offizielle Bekanntmachung des Vereins. Auch wenn die Definition eines "FCK-VIP-Bestandskunden" sicherlich Interpretationsspielraum zulässt, so muss man anerkennen, dass die wenigen Zuschauer für eine durchaus ordentliche Stimmung sorgten. Sogar ein permanentes Trommeln war während des Spiels zu vernehmen, obwohl ein solches Instrument ganz sicher nicht ins Stadion mitgenommen werden durfte. Schnell festigte sich das Bild eines grölenden Anzugträgers im VIP-Bereich. Um die Heimmannschaft anzufeuern, hatte dieser sein Sektglas abgestellt, um nun am Buffet rhythmisch mit einer Rehkeule auf die Abdeckung einer Wärmevorrichtung einzuschlagen. Leider schwenkte schon wenig später die Kamera auf den Außenbereich des Stadions, wo sich ein Dutzend Lauternfans befand. Dort standen auch die Trommler. Schade um die schöne Vorstellung.

    Die nächsten Gegner: Viktoria und Omikron

    Der nächste Gegner Viktoria Berlin musste aufgrund einer Vielzahl von Corona-Fällen sein Spiel gegen Eintracht Braunschweig absagen. Die damit fehlende Spielpraxis des Aufsteigers könnte für den FCK erst einmal von Vorteil sein. Allerdings walzt die Omikron-Welle derzeit quer durch das Land und wird sicherlich jeden Drittligakader, auch den der Lautrer, noch mehrfach aufsuchen. Das bedeutet, dass auch beim FCK in den nächsten Wochen sicherlich noch jede Menge Spieler coronabedingt ausfallen werden. Was sportlich betrachtet für die Roten Teufel spricht: Das Team ist es bereits gewohnt, beinahe jede Woche 2-3 Ausfälle zu verkraften. Egal auf welcher Position diese auftreten, gelingt es Mannschaft und Trainerteam dies zu kompensieren. Sollte jedoch direkt einmal ein halbes Dutzend Spieler ausfallen, z.B. die komplette Defensive, droht das kommende Spiel zur Lotterie werden. Nächste Woche könnten Max Hippe sowie Jean Zimmer und Nicolas Sessa wieder zur Verfügung stehen. Bleibt zu hoffen, dass die Zahl weiterer Ausfälle im Rahmen bleibt.


    Der schlechte Saisonstart hinterließ auf Seiten der Roten Teufel bekanntlich mehrere offene Rechnungen. Der Posten „Kaffeefahrt ins Emsland“ wurde am Samstag ausgeglichen. Als nächstes gilt es für den FCK die Rechnung für den „Tag der offenen Tür in Berlin“ vom letzten August zu begleichen.


    Quelle: Treffpunkt Betze

    Diskussionsthema zum Artikel: Welches Potenzial hat der FCK für die Rückrunde?


    Welches Potenzial hat der FCK für die Rückrunde?

    Was sollte der FCK noch verbessern? Wie könnten andere Vereine die Lautrer eigentlich schlagen? Und wird das am Ende für den Aufstieg reichen?


    Das torlose Remis in doppelter Unterzahl im Derby gegen den SV Waldhof war so etwas wie die Auferstehung für den 1. FC Kaiserslautern. In der Formtabelle seit dem 8. Spieltag liegt der FCK unangefochten auf Rang 1. Lediglich eine einzige der letzten dreizehn Partien ging verloren. Das beweist einerseits eine extreme Stabilität in der Mannschaft, deren Trend konstant nach oben zeigt. Gleichzeitig wird damit leider auch der komplett verpatzte Saisonstart mit nur fünf Punkten aus sieben Spielen und Rang 16, welcher der Mannschaft weiterhin nachhängt, sichtbar. Allerdings: Enttäuscht hat die Mannschaft zuletzt nicht mehr. Sie präsentierte sich vielmehr als verschworene Einheit, deren Defensive nur ganz schwer zu knacken ist. Werden beide Aspekte reichen, um am Saisonende die Liga zu verlassen? Vor dem Jahresauftakt gegen den SV Meppen blicken wir in unserer großen Analyse auf die Stärken und Potenziale des Kaders.


    Das Spielsystem der Roten Teufel


    Das Pressing der Lautrer findet in der Regel sehr hoch in der gegnerischen Hälfte statt. Die vier offensiven Spieler sind zugleich die vordersten Verteidiger. In der eigenen Hälfte wird der Gegner von einem defensiven Mittelfeldspieler vor einer 5er-Abwehrreihe empfangen. Bei Ballgewinn setzen der offensive Mittelfeldspieler Mike Wunderlich und vor allem Sechser Marlon Ritter immer wieder mit exzellenten Bällen die laufstarken Stürmer Kenny-Prince Redondo und Daniel Hanslik sowie die aufgerückten Außenverteidiger in Szene. Bei eigenen Ballverlusten am gegnerischen Strafraum versucht sich das Team recht erfolgreich im Gegenpressing und läuft dabei nur selten in Konter hinein.


    Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren erzielen die Roten Teufel aktuell per Standardsituation entweder direkt oder durch den wieder gewonnenen „zweiten Ball“ immer wieder Tore. Hier müssen die jeweiligen Gegner mit Hippe, Kraus und Tomiak gleich drei kopfballstarke Abwehrspieler verteidigen. Wobei in der Luft auch Hercher, Götze, Klingenburg und Hanslik gefährlich sind und jederzeit für einen Kopfballtreffer gut sind. Zum Vergleich: Noch in der vorletzten Saison hatte der FCK nie mehr als maximal zwei kopfballstarke Spieler auf dem Platz. Zudem muss auch nicht mehr gezittert werden wie in der letzten Rückrunde. Führungen verteidigen die Roten Teufel mittlerweile sehr souverän. Dank konzentrierter und disziplinierter Abwehrarbeit und der nötigen körperlichen Fitness werden gegnerische Mannschaften zumeist weit genug vom Lauterer Tor ferngehalten.


    Zuletzt bildeten Hanslik und Redondo das Sturmduo. Auch René Klingenburg oder Muhammed Kiprit kamen dort bereits zum Einsatz. Im Gegensatz zu den meisten Sturmkollegen in der 3. Liga werden sie allerdings nicht mit hohen Flanken gefüttert oder warten am Elfmeterpunkt auf Einschussmöglichkeiten. Nein, sie „machen Meter“. Immer wieder weichen die FCK-Stürmer auf die Flügel aus, um vor dort aus die nachrückenden Kollegen zu bedienen oder selbst in den Strafraum einzudringen. Resultat: Das variable und laufintensive Lautrer Spiel erschwert den Gegnern die Zuordnung. Für die Kontrahenten ist es derzeit nicht einfach, sich auf die Spielweise des FCK einzustellen, weil so ziemlich jeder Spieler für ein Tor in Frage kommt. Aber auch weil Verletzungen und Sperren immer wieder den Kader durcheinander würfeln.


    Das Mannschaftsgefüge


    Vor Beginn der Saison lag es vor dem Hintergrund der Kaderstruktur nahe, dass Felix Götze, Jean Zimmer und Mike Wunderlich die Mannschaft anführen und für die nötigen Tore sorgen werden. Das ist nicht passiert. Enttäuscht hat trotzdem keiner von ihnen. Der Leihgabe aus Augsburg blieb wieder einmal das Verletzungspech treu, diesmal durch eine schwere Kopfverletzung mit einer Reihe unglücklicher Folgetreffer. Anders verhält sich die Situation beim 35-jährigen Mike Wunderlich. Während das Spiel der Viktoria noch komplett auf Wunderlich als torgefährlichen Zehner ausgerichtet war, so hat er am Betzenberg deutlich mehr Defensivarbeit zu leisten und stellt sich daher auch in den Dienst der Mannschaft. Die Tore schießen meist andere, jedoch nicht selten nach einer Wunderlich-Ecke.


    Rein fußballerisch betrachtet lässt sich die Hinserie von Jean Zimmer durchaus als enttäuschend bezeichnen. Krankheits-und verletzungsbedingt verpasste er alleine fünf Partien und kam mehrfach erst von der Bank ins Spiel, wo er nur selten zu seiner spielerischen Form fand. Als Mannschaftskapitän ist der Bad Dürkheimer jedoch der aggressive Leader, der hart in die Zweikämpfe geht, bei Rudelbildung an vorderster Front steht und die nötige Körpersprache zeigt. Gerade das macht ihn für das aktuelle Lautrer Team, welches überwiegend aus netten Jungs und introvertierten Spielern besteht, immens wertvoll. Denn neben Klingenburg und Tomiak ist Zimmer nahezu der einzige, der auch mal austeilt oder lautstark auftritt. Ein Beispiel hierfür: Nach der verlorenen Platzwahl vor dem Derby gegen Waldhof mussten sich die Lautrer in die Hälfte vor dem Gästeblock bewegen, wo das Volk der Barackler bereits siegesgewiss seine Liebkosungen verbreitete. Im Gegensatz zu den eher verhaltenen Mannschaftskameraden ging der Mannschaftskapitän im wahrsten Sinne des Wortes vorweg. Mit hochgezogenen Schultern, der Brust auf Kinnhöhe und „Rasierklingen unter den Achseln“ marschierte Zimmer im Stile eines Kneipenschlägers direkt auf den blau-schwarzen Mob zu. Genauso, wie man sich einen Lautrer im Derby wünscht.


    Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit steht auf Seiten der Lautrer wieder eine echte Einheit auf dem Platz. Die Kommunikation und das Spielverständnis untereinander stimmen, es sind keinerlei Egoismen zu erkennen. Mittlerweile spielt es keine Rolle wer spielt und auf dem Platz steht, da auch die „Spieler Nr. 12-18“ das Niveau der Stammelf zu halten vermögen. Das ist auch notwendig, da Trainer Antwerpen aufgrund von Sperren und Verletzungen kaum einmal zwei Spiele in Folge auf die gleiche Startelf zurückgreifen kann.


    Zudem bietet der Kader der Roten Teufel derzeit einen gelungenen Mix bestehend sowohl aus erfahrenen Spielern wie Zuck, Wunderlich, Zimmer oder Kraus als auch aus jüngeren Spielern wie Tomiak, Hippe oder Raab, die gerade ihre erste richtige Drittligasaison erleben. Außerdem verfügt der FCK über mehrere Kicker, die bereits höherklassig spielten, sich dort aber nicht nachhaltig durchsetzen konnten. Dazu gehören Ritter, Klingenburg, Redondo, Hanslik, Hercher oder Sessa. Unabhängig davon, ob es für jeden einzelnen die letzte Möglichkeit, die erste Gelegenheit oder die Hoffnung auf eine Rückkehr in die zweite Bundesliga ist: Die Chance dazu besteht und sie ist nicht gerade klein.


    Wer braucht schon Torjäger?


    Mit Muhammad Kiprit und Elias Huth stehen nur zwei klassische Stürmer im Kader der Roten Teufel. Beide kamen in der abgelaufenen Hinrunde lediglich auf einige wenige Kurzeinsätze. Die Position des klassischen Mittelstürmers sieht das aktuelle System auch gar nicht vor. Einen Stoßstürmer, der dazu noch in der Lage wäre 12-15 Tore zu schießen, gibt es beim FCK derzeit ohnehin nicht.


    In Magdeburg sind Stürmer Luca Schuler und Liga-Topscorer Baris Atik mit zusammen 20 Toren und 12 Assists an nahezu jedem Treffer des Tabellenführers beteiligt. Ähnlich sieht es mit Marc Schnatterer und Dominik Martinovic (insgesamt 17 Tore, 9 Assists) in Mannheim aus. In Meppen geht ohne Luca Tanculic (11/4) fast nichts. Und beim FCK? Hier führt Daniel Hanslik die mannschaftsinterne Scorerwertung mit vergleichsweise mickrigen neun Punkten (5/4) vor Philipp Hercher mit sieben Zählern (3/4) an. Die vermeintliche Schwäche ist jedoch die große Stärke der Männer in Rot: Zwölf unterschiedliche Torschützen und zehn unterschiedliche Vorlagengeber machen das Team nur schwer ausrechenbar. Die Defensive steht stabil, die Offensive ist variabel und ungeheuer laufstark.


    Wo liegt noch Potenzial im Lautrer Spiel?


    Sicher: Besser geht immer. Aber was die beiden Newcomer Matheo Raab und Boris Tomiak in der Hinrunde geleistet haben, war schon extraklasse. Gleiches gilt für Marlon Ritter. Bei allen dreien ist eher wenig Luft nach oben. Der Rest des Kaders hat allerdings durchaus noch einiges an Potenzial. Kaum ein Spieler hat in der Hinrunde sein Leistungsvolumen vollends ausschöpfen können.


    Erst kurz vor der Winterpause lief Max Hippe seinem fehleranfälligen Teamkollegen Alexander Winkler den Rang in der Innenverteidigung ab. Was Spieleröffnung, Kopfballspiel und Zweikampfverhalten angeht, sollte der ehemalige Dortmunder die eindeutig bessere Wahl sein, um die eh schon stabile Abwehr noch weiter zu stärken. Sollten Jean Zimmer, René Klingenburg und Felix Götze die komplette Rückrunde einsatzfähig bleiben, könnten sie die jenigen sein, die den feinen Unterschied ausmachen. Auch Mike Wunderlich wäre noch für die eine oder andere zusätzliche Torbeteiligung gut.


    Wenn die Formkurve von Daniel Hanslik und Kenny-Prince Redondo weiter anhält, wäre das ein echtes Pfund für die Rückrunde. Und falls nicht steht mit Simon Stehle ein schneller, robuster Spieler bereit, für den in der Hinrunde alles, aber auch wirklich alles schief lief: Ein-und Wiederauswechslung gegen Zwickau, Platzverweis bei den Amateuren mit anschließender 6-wöchiger Sperre. Und kurz nach abgessener Sperre: Innenbandabriss im Sprunggelenk. Auch wenn viele den 20-jährigen bereits nach seinen 38 Drittligaminuten abgeschrieben haben. Er hat das Potenzial in der Rückrunde eine feste Größe im Kader zu werden. Vom Spielerprofil her passt er eigentlich besser ins aktuelle Spielsystem als seine Stürmerkollegen Kiprit und Huth.


    Ein weiterer Offensivspieler, der bislang völlig unter seinen Möglichkeiten blieb ist Nicolas Sessa. Im zentralen Mittelfeld kann er eigentlich alle Positionen spielen, ist ballsicher und torgefährlich. Eigentlich. Denn in der Hinrunde stand der Deutsch-Argentinier lediglich sieben Mal in der Startelf und oftmals gar nicht erst im Kader. Eine Torbeteiligung konnte Sessa auch noch nicht für sich verzeichnen. Auch wenn das Lautrer Mittelfeld wahrlich nicht mit Holzfüßen besetzt ist, sollte ein Fußballer mit solchen Qualitäten den Anspruch besitzen, in der dritten Liga deutlich häufiger in der Startelf zu stehen.


    Ein spielerunabhängiger Aspekt mit Potenzial nach oben sind die Konter der Pfälzer. Hier muss das Team einfach noch ein wenig zielstrebiger und abgezockter werden. So wie beispielsweise beim 4:0 Heimsieg gegen Viktoria Köln, als die beiden letzten Treffer von Hanslik und Zimmer - jeweils vorbereitet von Redondo - durch mustergültige Tempogegenstöße erzielt wurden. In der Gesamtbetrachtung lassen die Roten Teufel noch zu viele Kontergelegenheiten liegen, weil entweder Laufwege oder der letzte bzw. vorletzte Pass nicht stimmten.


    Wie man den FCK schlagen könnte


    Drehen wir die Sache doch einmal um: Wie könnte es eigentlich gelingen, den FCK zu besiegen? So trivial es klingt müssten gegnerische Mannschaften zunächst einmal in der Lage sein in Führung zu gehen – was für einen Sieg in dieser Sportart generell keine schlechte Voraussetzung ist. Wenn die Lautrer selbst in Führung gehen, geben sie das Heft nur selten aus der Hand. Lediglich Duisburg und Zwickau konnten einen Rückstand egalisieren. Gleichzeitig konnte der FCK nur beim 1:1 in Braunschweig einen Rückstand aufholen.


    Ein mögliches Erfolgsrezept wäre, sich durch die Lautrer Ketten hindurch zu kombinieren und den Ball dabei am Boden zu halten. Hat man es als Gegner an den Lautrer Sechzehner geschafft, ist weiterhin die spielerische Lösung zu bevorzugen. Kevin Kraus, Boris Tomiak und Max Hippe sind zwar allesamt stark im defensiven Kopfballspiel, jedoch etwas hüftsteif und angreifbar im direkten Laufduell. Am ehesten bringt man die Lautrer Deckung demnach mit schnellem Kurzpassspiel in Verlegenheit. Auch explosive Stürmer oder trickreiche Dribbler könnten ihre spielerischen Vorteile ausspielen.


    Auch wenn die Ergebnisse es nicht immer widerspiegeln, gab es in der erfolgreichen Phase durchaus Teams, die den Roten Teufeln ihre Schwächen aufzeigten: Der SC Freiburg II konnte sich beispielsweise mehrfach zum Lautrer Strafraum durchkombinieren und vielversprechend abschließen. Trotz der 0:3 Niederlage gelang es zuletzt keinem Team - zumindest gegen elf Lauterer - sich derart viele Chancen zu erspielen. Auch die Amateure des BVB hatten im ersten Durchgang durch schnelles Kurzpassspiel den FCK klar im Griff. Und Viktoria Köln gelang es bei der 0:4 Niederlage, zumindest in Halbzeit eins das Mittelfeld komplett zu beherrschen, es war dann einzig der fehlenden Kreativität der Kölner geschuldet, dass der FCK an jedem Samstag ohen Gegentreffer blieb. Dass in dieser Aufzählung gleich zwei Nachwuchsteams von Bundesligisten auftauchen ist kein Zufall. Schließlich stehen dort technisch hochveranlagte Talente auf dem Platz, die schnelles Spiel nahezu perfekt beherrschen. Den einen oder anderen wird man sicherlich in der Bundesliga wiedersehen. Im Gegensatz dazu sind die meisten „normalen“ Drittligateams kaum im Stande, den Gegner spielerisch zu dominieren. Denn fast jedes Team hat mehrere technisch limitierte Kicker in seinen Reihen.


    Warum also nicht einfach die Lautrer kommen lassen, um sie dann auszukontern? Das klingt einfacher als es ist. Schließlich hat die Absicherung der Defensive höchste Priorität im Team von Trainer Marco Antwerpen. Und dann stehen mit Götze, Ritter oder Wunderlich auch noch drei der spielstärksten Akteure der Liga auf dem Platz, die als Vorbereiter oder Torschütze ein Spiel durchaus alleine entscheiden können.


    Wie stark ist die Konkurrenz?


    Ausgehend davon, dass die Roten Teufel in der Rückrunde nicht schwächeln werden, hängt es stark von der Konkurrenz ab, ob und wie weit die Pfälzer in der Tabelle noch nach oben klettern werden. Tabellenführer Magdeburg liegt bereits elf Punkte vor dem FCK. Der Klub aus Sachsen-Anhalt müsste schon in ein tiefes Leistungsloch fallen, um die Tabellenführung überhaupt noch abzugeben. Der Tabellenzweite aus Braunschweig, in dessen Kader sich jeweils 15 verschiedene Torschützen und Vorlagengeber wiederfinden, ist ein weiterer Favorit auf den direkten Aufstieg. Noch dazu hat der BTSV mit Lion Lauberbach einen gefährlichen Mittelstürmer in seinen Reihen, der bereits acht Mal getroffen hat. Die drei Punkte Rückstand auf die Braunschweiger sind für den FCK zumindest im direkten Vergleich nicht mehr rauzuholen.


    Auch Waldhof Mannheim will nach oben und verfügt sicherlich auch über die notwendige Kaderqualität. Ebenso wie das gut eingepielte Team des SV Meppen. Beide rüsten ihren Kader gerade personell noch weiter auf und werden im Aufstiegsrennen weiter mitreden. Zudem könnten auch Osnabrück, 1860 München und der SV Wehen noch einmal ins Aufstiegsrennen eingreifen. Haben wir noch jemanden vergessen? Natürlich: Der 1. FC Saarbrücken hatte in der Hinrunde schon mehrere kleine Krisen zu überstehen, ist aber nach wie vor oben mit dabei. Sofern es die Corona-Maßnahmen zulassen, sollte das Derby gegen den FCS im April für einen bestens gefüllten Betzenberg sorgen.


    Grundsätzlich ist in Kaiserslautern mit deutlich geringerer Aktivität auf dem Transfermarkt zu rechnen als bei der Konkurrenz. Aktuell weist der Lautrer Kader 22 Feldspieler und drei Torhüter auf, die mehr oder weniger kurzfristig zur Verfügung stehen. Hinzukommen werden im Laufe der Rückrunde eventuell noch die Langzeitverletzten Anas Bakhat, Anil Gözütok und Lucas Röser. Sollte Martin Kobylanski tatsächlich doch noch kurzfristig aus Braunschweig verpflichtet werden, könnte dies einen Wechsel von Elias Huth nach sich ziehen.


    Gewinnt die Defensive Meisterschaften?


    Lediglich 28 Tore gelangen dem FCK in der bisherigen Spielzeit. Ganze zehn Teams in der 3. Liga erzielten mehr Treffer. Wirklich beunruhigend ist das allerdings nicht. Denn das Prunkstück der Lautrer ist die Abwehr. Hier steht mit Matheo Raab ein überragender Torhüter hinter einer Fünferkette, die kaum gegnerische Torchancen zulässt. Davor bietet Marlon Ritter als alleiniger Sechser Woche für Woche herausragende Leistungen. Letztlich beginnt die Lauterer Defensive aber bereits mit den vier offensiven Spielern, die mit enormem Laufaufwand den Gegner unter Druck setzen. Nur dreizehn Gegentreffer, davon alleine vier gegen Viktoria Berlin, sind absolute Ligaspitze.


    „Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften“ sagt man. Aber trifft das auch auf die 3. Liga zu? Letzte Saison stiegen mit Dresden (29 Gegentore) und Rostock (33) die beiden defensivstärksten Teams der Liga auf. Zwei Jahre zuvor feierten mit Osnabrück (31) und Karlsruhe (38) die Teams mit den wenigsten bzw. drittwenigsten Gegentoren den direkten Aufstieg. Lediglich die Saison 2019/20 schlug völlig aus der Reihe, als Bayern München II und die Würzburger Kickers jeweils mit unfassbaren 60 kassierten Treffern Rang 1 und 2 belegten. Aber auch in dieser Spielzeit stieg die beste Defensive (Ingolstadt mit 40 Gegentoren) zumindest in der Relegation auf.

    Steht am Ende der Saison das A-Wort?


    Bleibt die Abwehr so sattelfest, die Standards so erfolgreich und gelingt es den Roten Teufeln ihre Umschaltaktionen noch ein wenig besser auszuspielen, dann ist der FCK ein ganz heißer Aufstiegskandidat. Allerdings gibt es auch Faktoren, die nicht zu beeinflussen sind. Dazu gehören die Ergebnisse der Konkurrenz, Verletzungspech oder Schiedsrichterentscheidungen.


    Folglich wird auch in der Rückrunde wieder jeder jeden schlagen können. Die Tatsache, dass alle Teams der ersten Tabellenhälfte das Potenzial haben aufzusteigen, könnte ein Vorteil für den FCK sein. Wichtig wird es sein, die engen Spiele – besonders gegen die unmittelbare Konkurrenz - zu gewinnen. Gegen die derzeitige Top 5 der Tabelle konnten die Pfälzer in der Hinrunde lediglich Saarbrücken bezwingen. Im ersten Rückrundenmatch am Samstag gegen Meppen gilt es diese Bilanz nun zu verbessern.


    Quelle: Treffpunkt Betze

    Diskussionsthema zum Artikel: Erst eiskalt, dann fahrlässig


    Erst eiskalt, dann fahrlässig

    Nach absolutem Traumstart gegen kriselnde Münchner schaltet der FCK für 70 Minuten in den Verwaltungsmodus - und gewinnt am Ende dennoch glücklich. Ein Kommentar.


    Ohne Jean Zimmer, Felix Götze, René Klingenburg und Philipp Hercher startet der 1. FC Kaiserslautern furios ins Spiel bei Türkgücü München und führt nach sieben Spielminuten bereits mit 2:0, nur um anschließend in unerklärliche Passivität zu verfallen. Das Fazit lautet am Ende eher "Glück gehabt“ als "im Stile einer Spitzenmannschaft“.


    FCK versäumt den frühen Knock-Out


    Wäre das Spiel im Olympiastadion ein Boxkampf gewesen, wäre der Münchner Club vom FCK bereits direkt zu Anfang zweimal auf die Bretter geschickt geworden - im Anschluss hätte es lediglich eines weitereren Schlags bedurft, um den Gegner schon in Runde eins auszuknocken. Stattdessen zogen die Lautrer die Handschuhe aus, um die letzten acht Runden nur noch im Stile Muhammad Alis vor dem Gegner zu tänzeln. Tatsächlich landete Türkgücü dann nur noch einen Treffer - und die Roten Teufel konnten den Ring siegreich verlassen. Das lässt sich jetzt als souverän oder aber auch als fährlässig bezeichnen. Im nächsten Fight gegen das Schwergewicht Eintracht Braunschweig kann der FCK auf keinen Fall so passiv zu Werke gehen. Sonst wird der Gürtel am Saisonende an andere vergeben.


    Antwerpen kann Zuschauerrückgang nicht bremsen


    Coronabedingt fand die Partie im leeren Olympiastadion statt. Dies entspricht einem Rückgang von exakt 388 Zuschauern gegenüber dem letzten Türkgücü-Heimspiel gegen Zwickau. Um genau zu sein hat das Spiel aber einen Zuschauer: Lauterns Coach Marco Antwerpen muss seine fünfte gelbe Karte auf der Tribüne absitzen. So etwas passiert wahrscheinlich nur einem Trainer in der 3. Liga, wo sich die Schiedsrichter oftmals ganz besonders zu profilieren versuchen. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Bayern-Coach Julian Nagelsmann in der Bundesliga für jeden verbalen Einwurf sofort den gelben Karton sehen würde? Wenn dem so wäre, müssten die hochgeschätzten Sportkameraden Steffen Baumgart und Christian Streich wohl mit Sitzplatz-Dauerkarten ausgestattet werden.


    Perfekter Start


    Der Start ins Spiel könnte perfekter nicht sein: Max Hippe schlägt in der fünften Spielminute einen langen Pass auf die linke Seite, wo Kenny Redondo den weiter außen postierten Hendrick Zuck den Ball überlässt. Dieser schlägt die Flanke mustergültig auf den Kopf von Daniel Hanslik, welcher gegen die Laufrichtung des Torhüters zur 1:0 Führung einköpft. Nur zwei Minuten später erkämpft sich die FCK-Offensive im Gegenpressing am Strafraum des Gegners den Ball zurück. Hanslik könnte mit links schießen, überlässt aber für Hikmet Ciftci, der den Ball auf das Tor schießt und dabei von einem Torwartfehler profitiert: Die schnelle 2:0 Führung.


    Beide Szenen verdeutlichen: Es stimmt im Team. Die Spieler sprechen miteinander, dem besser postierten wird der Ball überlassen, Teamgedanke kommt vor Egoismus. Die Abläufe und Laufwege wirken abgestimmt und eintrainiert. Die Roten Teufel kombinieren selbstbewusst, erspielen sich Torchancen und legen sich den Gegner ein ums andere Mal zurecht - wie ein Bundesligist gegen einen Oberligisten im DFB-Pokal. Gedanken an das 6:0 von Havelse kommen auf. Fällt jetzt noch das 3:0, dann ist auch dieses Spiel so gut wie entschieden und die ohnehin schon starke Tordifferenz der Lautrer kann noch einmal verbessert werden. Die Chancen dafür sind glänzend, denn einem konfuseren und verunsichteren Team als Türkgücü ist der FCK in einer Anfangsphase dieser Saison noch nicht begegnet. "Es ist alles das aufgegangen was wir diese Woche trainiert und besprochen haben“, fasst Co-Trainer Döpper die ersten Spielminuten in der Pressekonferenz zusammen.


    Unverwundbare Deckung? Nein, doch nicht


    Unverständlicherweise schalteten die Roten Teufel nach rund 20 Minuten völlig ohne Grund einen Gang zurück und überließen den Münchnern das Spiel. Fühlte sich das Team durch die lange zu-null-Serie defensiv unverwundbar? So unterirdisch der Auftritt von Türkgücü in der Anfangsphase auch war: Es handelt sich hier um einen der teuersten Kader der Liga. Die bundesliga-erfahrenen Spieler wie Sararer, Mavraj oder Sliskovic gehören normalerweise zu den Topspielern in Liga 3. Demzufolge nahmen die Münchner die Pfälzer Einladung gerne an, diktierten fortan das Spiel und erzielten nach der Pause auch den verdienten 1:2 Anschlusstreffer. Wie oft in den letzten Jahren war der FCK der Aufbaugegner für am Boden liegende Gegner? Am Freitag ist dies beinahe wieder der Fall. Zum Glück nur beinahe. Es bleibt schließlich beim 2:1 Sieg. Die Roten Teufel müssen sich fragen lassen, warum sie in der Anfangsphase nicht einfach versuchen den Sack zuzumachen und stattdessen einen Gegner wieder stark machen, der fast schon besiegt war.


    In den restlichen 70 Spielminuten gelingt den Lautrern kaum noch Zählbares. Für einen Ellbogencheck von Mervin Mavraj gegen Daniel Hanslik müsste es Elfmeter geben. Ansonsten ist nur noch der Konter über Elias Huth in der Nachspielzeit eine Erwähnung wert, den Torwart Flückinger hervorragend pariert. Diese beiden Szenen sind allerdings deutlich zu wenig für diesen Spielverlauf.


    Parallellen zum Viktoria-Spiel


    Schon vergangene Woche gegen Viktoria Köln überließ der FCK dem Gegner das Mittelfeld nahezu komplett. Allerdings bekamen die bärenstarken und spielerisch überlegenen Kölner ab der Strafraumlinie trotzdem kaum richtige Chancen. Auf der anderen Seite zeigten sich die Roten Teufel eiskalt und nutzten je zwei Ecken und zwei Konter zum deutlichen, aber zu hohem 4:0 Sieg.


    Das Türkgücü-Spiel zeigt hier viele Parallellen: Auch hier werden die ersten beiden Chancen verwertet und dem Gegner das Mittelfeld überlassen. Auch hier geht ein selbstbewusster FCK letztlich als Sieger vom Platz. Dennoch sorgen die beiden letzten Siege sowohl für Euphorie als auch für Skepsis. Die Roten Teufel werden sich nicht darauf verlassen können, stets mit der ersten Chance in Führung zu gehen und hinten kaum etwas zuzulassen. Auch wenn die Defensive seit Wochen herausragend steht, der eine oder andere Fehler ist immer dabei. Was passiert, wenn der Gegner als erstes trifft? Einen Rückstand konnte der FCK in dieser Saison noch nicht egalisieren.


    "Es war sicherlich nicht unser bestes Spiel“, gab Hendrick Zuck nach dem Abpfiff zu Protokoll. "Wir hatten irgendwann keinen Zugriff mehr. Das müssen wir aufarbeiten, dass uns das nicht mehr über 70 Minuten passiert“. Man will sich gar nicht ausmalen, was im Lautrer Umfeld los wäre, hätte Türkgücü noch ein Remis erkämpft.

    Spitzenspiel in Braunschweig


    Zum abschließenden Spiel des Jahres gegen Eintracht Braunschweig wird das Lautrer Trainerteam einiges ändern müssen bzw. auch ändern können. Jean Zimmer, Philipp Hercher, René Klingenburg und Felix Götze standen im München alle nicht in der Startaufstellung. Alle vier sind Mittelfelfeldakteure und erklären damit zumindest teilweise, warum das Lautrer Mittelfeld zuletzt schlechter sortiert schien als noch vor wenigen Wochen. Der eine oder andere könnte am kommenden Samstag in Braunschweig in die Startaufstellung rücken.


    Die Niedersachsen stehen nach vier Siegen aus den letzten fünf Spielen auf dem zweiten Tabellenrang hinter den schon etwas enteilten Magdeburgern. Bei einer Niederlage am Samstag betrüge der Rückstand auf den zweiten Platz bereits sechs Punkte. Bei einem Sieg hingegen könnten die Pfälzer erwartungsfroh in die kurze Winterpause gehen. So oder so: Die Roten Teufel haben den schlechten Start weitestgehend egalisiert und greifen weiter oben an – egal wie viele Punkte aus Braunschweig letztlich entführt werden.


    Quelle: Treffpunkt Betze

    Nach dem 1.Abschnitt konnte man solchen Chancen nicht unbedingt erwarten.


    Abgezockt sind wir (noch) nicht, dafür konstant defensivstark.


    Ich sehe es wie ähnlich wie Kinglouis. Wenn mit neu formierter Abwehr (ohne den gelb gesperrten Tomiak) gegen Viktoria wieder die Null steht und wir irgendwie einen Treffer erzielen, dann war der Punkt in Dortmund einiges wert.


    Hoffen wir, dass Zimmer und vor allem Kraus rechtzeitig fit werden.

    Diskussionsthema zum Artikel: 90 Minuten Hardcore, echte Gefühle!


    90 Minuten Hardcore, echte Gefühle!

    Der FCK gewinnt das Saar-Pfalz-Derby verdient mit 2:0. Nicht nur die Fans, sondern auch Mannschaft und Trainer feiern dies ausgiebig. Ein Kommentar.


    So hat man Marco Antwerpen in seiner Zeit beim FCK auch noch nicht erlebt. Nach dem Abpfiff läuft der Lautrer Cheftrainer in Richtung Gästeblock um dort jeden einzelnen seiner Spieler zu umarmen. Dies tut er auf eine derart dynamische Weise, die man ihm beinahe als 'versuchte Körperverletzung' auslegen könnte. Zwischendurch reißt er immer wieder beide Arme Richtung Gästekurve in die Luft, als wolle er einen Gegner zum Kampf herausfordern. Dabei ist der Kampf gerade gewonnen.

    Derby? Können wir!

    Die zentnerschwere Last, die in diesen Momenten vom Trainer abfällt, ist wahrlich nicht zu übersehen. Denn wenn das Derby auch die Gemütslage des Coaches sicherlich noch zusätzlich intensiviert: Ein nicht unerheblicher Ergebnisdruck war bei Mannschaft und Trainer bereits ohnehin vorhanden. Bei einer Niederlage wäre der 1. FC Kaiserslautern auf Schlagdistanz zum ersten Abstiegsplatz in die zweite Tabellenhälfte gerutscht. Der positive Schwung aus der Siegesserie wäre damit endgültig dahin. Zusätzlich hätte eine Derbypleite bei der Lautrer Anhängerschaft einen extremen Stimmungsumschwung auslösen können. Glücklicherweise kam es nicht dazu. Denn: Derby können wir! Seit Marco Antwerpens Amtsübernahme haben die Roten Teufel kein Derby mehr verloren. Sowohl gegen den SV Waldhof als auch den 1. FC Saarbrücken holte der FCK saisonübergreifend jeweils vier Punkte aus den beiden letzten Partien. Und das obwohl die Roten Teufel - zumindest tabellarisch - stets als Außenseiter in die Partien gingen.

    Verdienter Sieg

    "Absolut verdient". So lässt sich der Derbysieg in zwei Worten sinnvoll zusammenfassen. Von Beginn an waren die Roten Teufel fast immer einen Schritt schneller als der Gegner und blieben in den sogenannten 50/50-Zweikämpfen zumeist Sieger. Der saarländische Gastgeber schaffte es kaum einmal bis auf 20 Meter an das FCK-Tor heranzukommen. FCS-Torchancen bis zur 77. Spielminute: Keine. Erst beim Spielstand von 2:0 erarbeiteten sich die Hausherren erste Tormöglichkeiten. Zunächst vereitelte Matheo Raab grandios die Doppelchance von Günther-Schmidt und Grimaldi. Dass die Saarländer anschließend gleich noch eine handvoll ordentlicher Torchancen hatten, bleibt einer der wenigen Kritikpunkte an diesem Samstagnachmittag. Ansonsten sind lediglich noch die Kontersituationen anzumerken, die der FCK bei einer 2:0 Führung einfach besser ausspielen muss. Aber das soll den wohlverdienten Derbysieg auf keinen Fall schmälern.


    Beim Interview nach dem Spiel ist Trainer Antwerpen wieder deutlich entspannter als noch unmittelbar nach dem Schlusspfiff. Er lässt durchblicken, dass die Mannschaft den Derbysieg ähnlich ausgelassen feiern wird wie die Fans der Roten Teufel: "Wir freuen uns jetzt auf eine schöne Busfahrt. Mal sehen, wie wir aus dem Bus wieder rauskommen werden". Aufnahmen des FCK-Roadtrips liegen zwar nicht vor, dafür aber ein Bild aus der Gästekabine nach dem Spiel, auf dem die Mannschaft den Derbysieg ausgelassen feiert.

    „Der Südwesten ist für immer Rot-Weiss-Rot“

    Traditionell gelten Rheinland-Pfalz und das Saarland als „FCK-Land“, sprich: Die Mehrheit der Einwohner hält es mit den Roten Teufeln. Zumindest im Land des Schwenkgrills - also dort, wo ein Adventskranz auch aus einem Ringel Lyoner mit vier Maggiflaschen bestehen kann - gewinnt der heimische FCS zuletzt immer mehr Anhänger. In der Saison 2019/20 verlässt der Saarländische Club die Regionalliga und etabliert sich auf Anhieb in der dritten Liga. Im DFB-Pokal erreicht der Verein sogar das Halbfinale. Mittlerweile ist auch das neue Ludwigsparkstadion fertig gestellt und kann sich wirklich sehen lassen. Die Fieberkurve des FCS zeigt also deutlich nach oben, während sie beim Pfälzer Nachbarn bekanntlich seit nunmehr einem Jahrzehnt in die entgegengesetze Richtung läuft. Erfolg zieht bekanntlich neue Fans an.


    Dem Saarbrücker Anhang ist es daher ein Anliegen, per Spruchband alle saarländischen FCK-Fans mit der gleichen Liebkosung zu titulieren, die normalerweise dem Mäzen der TSG 1899 Hoffenheim zuteil wird. Allerdings lässt der Lautrer Konter nicht lange auf sich warten: Unmittelbar nach dem 2:0 der Roten Teufel wird im Gästebereich ein Banner mit dem Text "Der Südwesten ist für immer Rot-Weiss-Rot“ entrollt. Zumindest an diesem Wochenende behält 'Rot-Weiß-Rot' klar die Oberhand.

    Die „Zweitbesetzung“ der Leistungsträger

    Wer hätte das zu Saisonbeginn gedacht: Die Leistungsträger der Roten Teufel sind aktuell weder Mike Wunderlich noch Jean Zimmer oder Felix Götze. Während Wunderlich zumeist stark, aber mitunter auch recht unfällig spielt, ist es noch längst nicht die Saison des Jean Zimmer. Der Bad Dürkheimer läuft immer noch seiner spielerischen Form der vergangenen Saison hinterher. Einsatz und Wille sind wie gewohnt vorbildlich, daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Rückkehrer aus Düsseldorf wieder bei 100% ankommen wird. Felix Götze wurde zuletzt durch Kopfverletzungen immer wieder zurückgeworfen. Im Derby feierte der 23-jährige für rund 20 Spielminuten mit einem Rugbyhelm sein Comeback. Nach der Länderspielpause wird er mit einem speziell angefertigten Kopfschutz spielen und hoffentlich fortan unverletzt bleiben.


    Wer sind also aktuell die Leistungsträger, die den FCK in den letzten sieben Partien fünf Mal als Sieger vom Platz führten? Aktuell besteht die „neue Achse“ aus Torhüter Matheo Raab, Innenverteidiger Boris Tomiak, Sechser Marlon Ritter und Stürmer Martin Hanslik. Jeder einzelne von ihnen spielt auch beim Derbysieg im Saarland eine herausragende Rolle. Ritter erobert und verteilt auf der Sechserposition auch am Samstag wieder die Bälle, wobei er mit genialen Pässen immer wieder für Überraschungsmomente sorgt. Matheo Raab, im Oktober bereits zum zweiten Mal von den Lesern von Treffpunkt Betze zum Spieler des Monats gewählt, entschärft die Saarbrücker Doppelchance überragend und sichert damit endgültig den Auswärtssieg. Und das obwohl er bis dahin quasi völlig beschäftigungslos ist.


    Boris Tomiak spielt nicht nur eine grandiose Innenverteidigerrolle, sondern glänzt neuerdings sogar als zuverlässiger Torschütze. In den letzten vier Partien gelingen "Tormiak" drei wichtige Treffer, unter anderem der so wichtige Führungstreffer gegen Saarbrücken. Daniel Hanslik ist in der Offensive überall unterwegs, sichert Bälle, kreiert Vorlagen oder sucht selbst den Abschluss. Der Neueinkauf aus Kiel ist zudem der FCK-Spieler, der die meisten Freistöße rund um den gegnerischen Sechzehner herausholt. Als kurz vor Abpfiff der feiernde FCK-Anhang lautstark „Lautern allez“ intoniert, sieht man wie der gerade ausgewechselte Hanslik im Takt des Liedes kopfnickend auf der Bank sitzt. Auch wenn dies nichts mit seiner Leistung zu tun hat, macht es ihn keinesfalls unsympathischer. Zu den Leistungsträgern der letzten Wochen zählt auch René Klingenburg, der sich unmittelbar vor Anpfiff des Derbies verletzt und durch Kiprit ersetzt wird.

    Dä Prinz vun de Palz

    Zugegeben: Kenny-Prince Redondo hat den Schreiber dieser Zeilen schon häufiger zur Verzweiflung gebracht. Viel zu oft macht der geborene Münchner den Vorteil seiner Schnelligkeit durch vollkommen unverständliche Laufwege und falsche Entscheidungen zunichte. Manchmal scheint es, als sei das GPS des 27-jährigen defekt oder er benötige während des Spiels Funkkontakt zum Spielfeldrand, um vom Trainerteam permanent in die richtige Richtung gesteuert zu werden.


    Beim Derby im Ludwigspark sehen die Zuschauer einen Redondo, den sie in dieser Form noch nie im FCK-Trikot erlebt haben. In Kurzform:
    66. Minute: Einwechslung Redondo. 67. Minute: Tor durch Redondo auf Vorlage von Redondo. Klingt komisch - ist aber so. FCS-Kapitän Manuel Zeitz will auf der linken Seite kurz vor Mittellinie - scheinbar unbedrängt - den Ball nach vorne schlagen, als „KPR“ gedankenschnell von der Seite heranrauscht und ihm die Kugel vom Fuß die Außenlinie entlang spitzelt. Die nah am Spielfeldrand stehende Bande, auf die er frontal zusteuert, kann ihn ebenso wenig aufhalten wie der in seinem Laufweg stehende Linienrichter. Seinen Gegenspieler hat ohnehin er längst abgehängt. Redondo sieht den mitgelaufenen Jean Zimmer und versucht ihn per Querpass zu bedienen. Dieser wird jedoch durch die Grätsche des Saarbrückers Dominik Ernst abgewehrt. Aber nicht weit genug. Wieder erfasst „Prince“ die Situation als erster und ballert das Leder mit dem linken Fuß ins Tor. Das Derby ist damit entschieden.


    Auch in der Folgezeit spielt "KPR" seine zahlreichen Stärken aus: Schnelligkeit, Technik und Zug zum Tor. Ebenso erwähnenswert ist allerdings, das seine Schwächen an diesem Tag erstmals nicht zum Vorschein kommen. Seine Laufwege stimmen und seine Entscheidungen mit und ohne Ball am Fuß ebenfalls. Würde er jedes Mal so spielen, es wäre unmöglich, ihn aus der Stammelf zu verdrängen. Entweder hat er einfach nur einen Sahnetag erwischt oder das Trainerteam ist dabei, ihn in die Spur zu bringen. Die nächsten Wochen werden es zeigen. Am Samstag empfand der Prinz einfach nur „ein schönes Gefühl", vom dem er "später seinen Kindern erzählen“ wird.


    Mit 17 Punkten aus acht Partien haben sich die Pfälzer allmählich in der oberen Tabellenhälfte festgebissen. Doch Vorsicht ist geboten. Die Ausgeglichenheit der dritten Liga bietet von Spieltag zu Spieltag neue Überraschungen. Nach der Länderspielpause empfängt der FCK den SV Wehen-Wiesbaden auf dem heimischen Betzenberg. Mit dem Derbysieg im Rücken wäre es nur all zu schön, die Marke von 20.150 Zuschauern vom Spiel gegen Würzburg noch einmal zu überbieten. Verdient hätten es die Roten Teufel allemal.


    Quelle: Treffpunkt Betze

    Senger ist wahrscheinlich unser schnellster Innenverteidiger. Daher wäre er grundsätzlich sicherlich auch ein Kandidat um Kraus zu ersetzen.


    Was ich in dieser Saison von Senger gesehen habe, hat mich aber überhaupt nicht überzeugt. In den Partien, wo er zum Einsatz kam war sein Spiel viel zu unruhig und fehlerbehaftet. Wahrscheinlich musste er deshalb gestern mit Huth, Stehle und Gibs zu den Amas.


    Für mich sind weder Kraus noch Winkler die Idealbesetzung in der Innenverteidigung. Mangels Alternativen waren beide zuletzt im Team. Nun werden wir sehen ob Hippe und Senger den Sprung in die Stammelf schaffen.

    tja-heinz Da sprichst Du einen guten Punkt an. Meines Erachtens haben Kraus und Winkler exakt die gleichen Stärken (Kopfball, Robustheit) und Schwächen (mangelnde Schnelligkeit, Spielaufbau). Im direkten Vergleich ist Kraus einfach besser und macht weniger Fehler.


    Spätestens wenn der FCK mal wieder einem Rückstand hinterherlaufen und folglich höher stehen muss werden Kraus/Winkler zum Sicherheitsrisiko. Überlaufen wurden beide gegen Freiburg auch schon. Daher könnte ich auf den Schwächeren von beiden verzichten.


    Mal schauen, was Antwerpen macht:-)

    Winkler kommt mir hier zu schlecht weg! Auch er ist ein großer Teil, der sattelfesten Abwehr! Den krassesten Stellungsfehler leistete sich Tomiak in der 1.HZ. Da konnte er sich bei Raab bedanken, das Freiburg in dieser Situation nicht den Ausgleich erzielte.....

    Es gibt momentan keinen Grund, die 3er-Kette zu "sprengen"...... :nana:

    Das "never change a running" system lasse ich nach dem Havelse-Spiel absolut gelten. Am Samstag hat die Abwehrleistung -erstmals seit Wochen- allerdings nicht gestimmt. Das System lief also nicht rund. Es blieb am Ende nur erfolgreich, weil Raab wieder einen Supertag hatte.


    In meinen Augen fällt Winkler gegenüber Tomiak und Kraus doch recht deutlich ab durch fehlende Schnelligkeit, schwache Spieleröffnung und z.T. ungeschicktes Zweikampfverhalten. Ich finde, man muss nicht auf die nächste Niederlage warten um hier etwas zu ändern.

    Diskussionsthema zum Artikel: Wenn's mal läuft, dann läuft's!


    Wenn's mal läuft, dann läuft's!

    Der vierte Sieg in Folge, 13:0 Tore aus den letzten vier Spielen. Der FCK hat derzeit einfach einen Lauf, sollte aber nicht nachlässig werden.


    „Vor vier Wochen wäre der Ball noch über das Stadion geflogen. Wenn's läuft, dann läuft's“, beschreibt Mittelfeldspieler Mike Wunderlich seinen Treffer zum 3:0. Im Grunde liefen die letzten Lauterer Spiele alle nach dem gleichen Schema ab: Der FCK geht früh in Führung, steht anschließend hinten sicher und spielt nach vorne seine fussballerische Klasse aus. Das Resultat war in allen vier Fällen jeweils ein deutlicher 'zu-null-Sieg'. Der 3:0 Erfolg gegen die Zweitvertretung des SC Freiburg kam allerdings weit weniger souverän zustande als es das Ergebnis vermuten lässt.

    Die Abwehr wackelt, nur Raab bleibt fehlerfrei

    Das junge, spielstarke Breisgauer Team hatte deutlich mehr Tormöglichkeiten als noch die letzten Gegner Osnabrück, Verl oder Havelse. Grund dafür: Die Abwehr der Roten Teufel stand längst nicht so sicher wie in den vergangenen Wochen. Die Innenverteidiger Boris Tomiak, Kevin Kraus und vor allem Alexander Winkler leisteten sich mehrere grobe Schnitzer, die dem Gast gleich mehrere gute Torchancen ermöglichten. Dass die Null nun zum fünften Mal in Folge stand, ist besonders FCK-Schlussmann Matheo Raab zu verdanken, der wieder einmal eine klasse Partie lieferte und nun mehr seit 533 Minuten ohne Gegentor ist. Nach der 2:0 Führung kam zwar nie das Gefühl auf, die Partie könnte noch einmal kippen. Trotzdem war die Defensivleistung insgesamt nicht zufriedenstellend und muss in den nächsten Partien dementsprechend besser werden. Ähnlich beurteilte auch Cheftrainer Marco Antwerpen die Defensivleistung, vor allem zum Ende der ersten Hälfte: "Irgendwann sind wir in der ersten Halbzeitzu passiv geworden, haben Freiburg zu tief aufgenommen und Chancen zugelassen. Zum Glück ist es gut gegangen". Daniel Hanslik, im Spiel gegen Freiburg doppelter Vorlagengeber sah ebenfalls ein "Warnzeichen" dafür, sich in manchen Phasen "wieder ein bißchen mehr konzentrieren" zu sollen. "Wir müssen uns bei Matheo bedanken, dass er ein-, zweimal sehr gut gehalten hat".

    Neun Torschützen, neun Vorlagengeber

    Leicht auszurechnen sind die Roten Teufel aktuell ganz sicher nicht. Es gibt nicht "den" Torjäger oder "den" Spielgestalter, den der Lauterer Gegner ausschalten müsste, um seine Siegchancen signifikant zu steigern. Keiner der Männer in Rot erzielte bisher mehr als drei Saisontreffer. Allerdings trugen sich bislang neun unterschiedliche Lauterer in die Torschützenliste ein. Das gleiche Bild zeigt sich bei den Torvorlagen. Neun Spieler steuerten die Assists zu den Lauterer Toren bei, aber auch hier legte bisher niemand mehr als drei Treffer auf. Zuletzt waren es mehrere, teilweise mustergültig herausgespielte Kontertore sowie Treffer nach Standards, mit denen die Punkte eingefahren wurden. Kombiniert mit einer stabilen Defensive ist dies wohl der sicherste Weg um Drittligaspiele zu gewinnen. Es bleibt die Frage, wie die Mannschaft auf einen Rückstand reagieren wird.


    „Es ist eine ganz andere Atmosphäre als am Anfang der Saison“ verrät Abwehrspieler Boris Tomiak das, was wohl auch keinem Zuschauer verborgen blieb. Aktuell ist das Team eine Einheit und hat sichtbar Spaß am Fußballspielen. Bestes Beispiel dafür ist der Treffer zum 3:0. Torhüter Matheo Raab schlägt den Ball auf die linke Seite zu Hendrick Zuck. Dieser spielt das Leder volley mit der Hacke zu Felix Götze, der sofort auf Hanslik weiterleitet. Der 25-jährige Mittelstürmer läuft zunächst vom Tor weg, steuert die Grundlinie an, um von dort aus mustergültig auf den rund 16 Meter vor dem Tor stehenden Mike Wunderlich zurückzulegen. Der 35-jährige Routinier scheint seine Treffsicherheit wiedergefunden zu haben und netzt trocken rechts unten ein. Wenn es einmal läuft.

    Montags gegen angeschossene Zebras

    Die Vorzeichen für die nächste Partie am Montagabend in Duisburg könnten kaum unterschiedlicher sein. In der Formtabelle der letzten fünf Spiele ist der FCK Erster, der MSV Letzter. Nachdem Trainer Pavel Dotchev letzte Woche entlassen wurde, wird MSV-Sportdirektor Ivica Grlic versuchen, kurzfristig einen Nachfolger zu präsentieren. Damit werden die Karten bei den Zebras wieder neu gemischt. Gerade Marco Antwerpen hatte letzte Saison bei seinem FCK-Debüt in Mannheim gezeigt, dass ein Trainerwechsel neue Kräfte freisetzen kann. Zudem waren die Roten Teufel in den letzten Jahren viel zu oft der „perfekte Aufbaugegner“ für einen Kontrahenten in einer solchen Situation. Gerade in der Defensive gilt es daher, die Konzentration wieder deutlich zu steigern.

    Change a winning team?

    Was vor der Saison noch undenkbar schien, zeigte sich am Samstag. Sowohl Kapitän Jean Zimmer als auch der Dauerbrenner der letzten Jahre Dominik Schad haben aktuell keinen Stammplatz. Nach dem 6:0 Erfolg gegen Havelse sah Trainer Marco Antwerpen verständlicherweise keinen Grund die Startformation zu ändern. Gegen den MSV Duisburg könnte das eventuell anders aussehen. Das Auswärtsspiel bei den abstiegsbedrohten Meiderichern wird sicherlich deutlich kampfbetonter werden als das Match gegen die spielstarken Freiburger.


    Das schreit eigentlich danach, Zimmer und Schad von Anfang an zu bringen. Aber für wen? Alle Mittelfeld- und Außenbahnspieler liefern seit Wochen konstant gute Leistungen ab. Am Samstag waren die beide Einwechselspieler sofort auf Betriebstemperatur: Auf ungewohnter Position im zentralen Mittelfeld gewannen beide ihre Zweikämpfe. Zimmer lieferte zudem sehenswerte Torschussvorlagen. Trotzdem ist es gut möglich, dass sie vorerst auch weiterhin nur von der Bank kommen werden. Hier hat Coach Antwerpen ein echtes Luxusproblem. Wohl dem, der solche Spieler noch in der Hinterhand hat. Ein Wechsel in der Stammformation würde sich hingegen eher in der Abwehr anbieten. Innenverteidiger Max Hippe ist mittlerweile fit und könnte gegenüber dem mitunter recht unsicheren Alexander Winkler die bessere Wahl in der Abwehrkette sein. Egal wer in Duisburg für den FCK aufläuft. Hoffen wir einfach, dass es weiter läuft.


    Quelle: Treffpunkt Betze

    tja-heinz Die Frage zum Zeitpunkt ist leicht zu beantworten: Weil Länderspielpause war und damit Zeit für eine Analyse des Kaders "Aufwärtstrend dank Teambuilding "Barackler Art" " sowie die Kaderanalyse in diesem Artikel. Solche grundsätzlichen Bewertungen sollten ohnehin völlig unabhängig von aktuellen Spielergebnissen erfolgen.


    Es geht auch nicht darum eine Position für oder gegen eine Person zu beziehen. Und natürlich kann man auch unterschiedlicher Meinung sein. Ostalb-Devil sieht es vollkommen richtig.



    FCK-Aussenposten Danke für die Einblicke in die U21!

    Diskussionsthema zum Artikel: Kommunikationsmängel in der Kaderplanung?


    Kommunikationsmängel in der Kaderplanung?

    Im zweiten Teil unserer Zwischenbilanz steht die Kaderplanung im Fokus. Dabei fällt auf, dass nicht alle Entscheidungen zwischen Hengen und Antwerpen abgestimmt wirken. Die Auswirkungen für den FCK könnten gravierend sein.


    Im ersten Teil unserer Zwischenbilanz stand die sportliche Entwicklung der Roten Teufel im Vordergrund. Nach dem verpatzten Saisonstart folgte zuletzt eine beeindruckende Serie von drei Siegen in Folge, die mit einer "besonderen Teambuildung-Maßnahme" im Südwestderby gegen Waldhof Mannheim begann. Der heutige zweite Teil dreht sich vor allem um die Kaderzusammenstellung, für die Geschäftsführer Sport Thomas Hengen verantwortlich ist. Trotz gelungener Verpflichtungen gibt es auch Anzeichen darauf, dass längst nicht alle Entscheidungen zwischen Thomas Hengen und FCK-Cheftrainer Marco Antwerpen abgestimmt wirken.


    Es ist angenehm Thomas Hengen zuzuhören - und das nicht nur wegen seines ungewöhnlichen Pfälzer Dialektes mit rheinischem Einschlag. Vom verbalen Politikerstil seiner Vorgänger ist er genauso weit entfernt wie von fußballertypischen Satzbausteinen. In Interviews und Pressekonferenzen wirkt der Geschäftsführer Sport angenehm bodenständig. Neben dem Trainer ist er momentan der einzige Entscheider mit Fußballkompetenz im gesamten Verein. Umso wichtiger also, dass beide in ihrer Zusammenarbeit harmonieren. Anfangs wurden sie nicht müde, die vertrauensvolle Zusammenarbeit und enge Kommunikation zu betonen. Solche Bekundungen sind in den letzten Wochen allerdings zur Rarität geworden. In der Gesamtbetrachtung scheint es, als ob manche Entscheidung einem mangelnden Austausch zwischen Hengen und Antwerpen geschuldet sei.

    Hammerkader oder unausgewogene Truppe?

    Die guten Nachrichten wollten in der Sommerpause einfach nicht abreißen: Nach und nach gelang es Thomas Hengen die Leihgaben der vergangen Spielzeit fest zu verpflichten beziehungsweise abermals auszuleihen. Speziell Felix Götze und Jean Zimmer sind für einen Drittligisten geradezu sensationelle Transfers. Zudem wurde Daniel Hanslik von Holstein Kiel gekauft und Marvin Senger ein weiteres Mal vom FC St. Pauli ausgeliehen. Dazu kamen Kiprit, Klingenburg und Wunderlich. Das überwiegende Feedback in den FCK-Fanforen zu dieser Zeit: Was für einen Hammerkader hat Sportvorstand Hengen denn da zusammengestellt?


    Als die Saison dann los ging offenbarte sich mehr und mehr, wie unausgewogen das Team dann doch ist: Das zentrale Mittelfeld und die rechte Seite sind phantastisch besetzt, dazu kommen zwei bärenstarke Torhüter. Die Besetzung auf der linken Seite ist hingegen sehr dünn. Zudem fehlt wie schon seit Jahren ein Abwehrchef beziehungsweise ein schneller Innenverteidiger. Auch einen „Wandspieler“ im Sturm sucht man nach dem Abgang Marvin Pouriés vergeblich. Kurz vor Ende der Transferperiode wurde dann noch einmal nachgebessert: Simon Stehle von Hannover 96 und Max Hippe vom Ligakonkurrenten Borussia Dortmund II kamen zum Betzenberg. Dass seitdem keiner der beiden bislang überhaupt eine Rolle beim FCK spielt, hat unterschiedliche Gründe. Hippe verletzte sich beim Aufwärmen vor dem Spiel in Magdeburg und fällt seitdem aus. Bei Stehle sind die Gründe vielschichtiger.

    Die Causa Simon Stehle

    Nachdem der FCK in den ersten beiden Saisonspielen torlos blieb, wurde Simon Stehle verpflichtet, „ein Mittelstürmer, der der Mannschaft sofort weiterhelfen kann“. Doch in seinen ersten drei möglichen Partien kam die Leihgabe aus Hannover auf exakt eine Spielminute. Zudem verwunderte Trainer Antwerpen mit der Aussage, „Stehle braucht noch Zeit“. Der Tiefpunkt ist für den 20-jährigen beim Heimspiel gegen Zwickau erreicht, in dem er in der 63. Spielminute ein- und in der 85. Spielminute wieder ausgewechselt wird. Zwar trug er hier eine Mitschuld am Zwickauer Gegentreffer, spielte aber auch nicht schlechter als seine Mitspieler. Es hatte den Anschein, als wollte Marco Antwerpen mit der Aktion ein Statement senden im Sinne von: „Ich wollte einen gestandenen Mittelstürmer und keinen 20-jährigen Rechtsaußen“. Die Situation ist für den Spieler natürlich bedauerlich. Nicht nur, dass seine Position mit Zimmer und Hercher bereits bestens besetzt ist. Sein Transfer scheint offenbar das Ergebnis nicht ausreichender Kommunikation zwischen Trainer und Sportdirektor. Leider nicht das einzige.

    Die aussortierten Spieler bleiben

    Schon in der vergangenen Spielzeit ließ sich erkennen, welche Spieler im Konzept von Trainer Antwerpen nicht mehr gefragt sind. Demzufolge war die Streichliste in der Sommerpause nicht gerade kurz: Für Marius Kleinsorge, Elias Huth, Alexander Winkler, Hikmet Ciftci, Mohamed Morabet, Lucas Röser und Marlon Ritter suchte der Verein neue Abnehmer. Letztlich gelang es Thomas Hengen keinen einzigen dieser Spieler zu transferieren. Lediglich bei Marlon Ritter, den Marco Antwerpen erfolgreich sportlich „wiederbelebte“ und Lucas Röser, dessen Kreuzbandriss einen Transfer verhinderte, ist dies sinnvoll zu begründen. Dennoch dürften die Gründe dafür vielfschichtig sein und gewiss nicht nur in der Verantwortung des Geschäftsführers liegen - beispielsweise dann, wenn ein Spieler mit gültigem Vertrag nicht gewillt ist, den Verein zu schlechteren Bezügen zu verlassen. Der einzige Akteur, der den Verein in der Sommerpause trotz gültigen Vertrages verließ, war Tim Rieder. Er wollte von sich aus zurück in seine Münchner Heimat und unterschrieb bei Türkgücü.


    Mit den Transfers der restlichen „Ausgemusterten“ und den damit verbundenen Gehaltseinsparungen hätte der Verein zum Beispiel rechtzeitig einen Abwehrchef, einen Mittelstürmer oder einen Mann für die linke Außenbahn verpflichten können. Stattdessen ist der FCK-Kader nun 30 Mann stark. Und nach der Länderspielpause sollten bis auf die Langzeitverletzen dann auch wieder alle Profis zur Verfügung stehen. Das klingt wie ein Luxusproblem, ist jedoch schwerwiegender.

    Keine Chance für junge Eigengewächse

    Durch die aktuelle Kadergöße ist die Durchlässigkeit aus der U23 und der U19 in den Profibereich in dieser Saison faktisch nicht existent. Die beiden 19-jährigen Talente Maximilian Fesser und Moritz Theobald aus dem Lauterer Oberligateam sowie Tristan Zobel und Shawn Blum (beide 18 Jahre alt) aus der U19 kamen lediglich beim Benefizspiel gegen Mainz am vergangenen Samstag bei den Profis zum Einsatz. Wie will man die wenigen jungen Lauterer Talente längerfristig an den Verein binden, wenn man ihnen keine Einsatzzeiten im Profiteam gibt?


    Der Trainer ist hier in der Zwickmühle, denn einerseits würde er Talente wie Neal Gibs und andere Nachwuchsspieler sicher gerne behutsam in das Team einbauen. Andererseits erwarten die Investoren von ihm, noch in dieser oder spätestens in der nächsten Saison mit der Mannschaft aufzusteigen. Somit hat der Cheftrainer weder Gelegenheit für Experimente noch für einen langsamen Aufbau der Talente. Er kann, er muss auf die erfahrenen Spieler setzen. So wie beim blamablen Pokalaus bei TuS Mechtersheim. Marco Antwerpen setzte ausschließlich Spieler aus dem Drittligakader ein – und wurde bitter enttäuscht. Hier wurde das Gefälle zwischen Leistungsträgern und Reservisten im FCK-Kader klar erkennbar, insbesondere bei Redondo, Huth, Stehle oder Winkler. Auch Kiprit, Senger und Niehues bringen zweifelsfrei Talent mit, sind aber noch ein gutes Stück davon entfernt, überdurchschnittliche Drittligaspieler zu sein.

    Ohne Marco wärt ihr wohl nicht hier

    Als Geschäftsführer Sport ist Thomas Hengen für die Zusammenstellung des Kaders verantwortlich – idealerweise mit Unterstützung des Trainers. Die meisten Transfers der aktuellen Saison geben einen Hinweis, wer den jeweiligen Spieler zum Betzenberg gelockt haben mag. Jean Zimmer unterschrieb in der Pfalz aus Verbundenheit zum Verein. Felix Götze hätte sich vom FC Augsburg sicher auch in die 2. Liga ausleihen lassen können. Er ist jedoch mit Hengens Unterstützung von Antwerpens Art Fußball spielen zu lassen inklusive seiner Rolle im Team überzeugt worden. Daniel Hanslik und Marvin Senger kannten das komplette FCK-Umfeld ebenfalls. Um diese vier höherklassigen Spieler in die 3. Liga zu locken, bedurfte es eines Trainers, dem sie vertrauen und den Investoren, die das nötige „Kleingeld“ für Ablösesummen und Gehälter bereitstellen. Hengen hat sich in den zum Teil wochenlangen Verhandlungen sicherlich hartnäckig gezeigt und die Transfers auch fixiert – auschlaggebende Faktoren waren womöglich aber der Trainer und die Saar-Pfalz Invest GmbH (SPI).


    René Klingenburg und Mike Wunderlich, mittlerweile beides Leistungsträger im Team, folgten dem Ruf ihres Ex-Trainers aus Münsteraner und Kölner Zeiten zum FCK. Gerade beim 35-jährigen Wunderlich hätte wohl niemand damit gerechnet, dass er Viktoria Köln überhaupt noch einmal verlässt. Auch wenn bei einem Transfer eines Spielers zu einem neuen Verein mehrere Faktoren greifen müssen, so scheint es, dass wenn der Lauterer Coach nicht Marco Antwerpen hieße, sie wohl kaum beim FCK gelandet wären.

    Hengens Fokus: Regionalliga West

    Thomas Hengens Stationen als Scout lesen sich eindrucksvoll: FC Everton, Hamburger SV, West Ham United und PSV Eindhoven. Sein letzter Arbeitgeber vor der Rückkehr nach Kaiserslautern war der Regionalligist Alemannia Aachen, wo er von März 2020 bis Feburar 2021 als Sportdirektor fungierte. Das merkt man seinen Transfers auch sehr deutlich an: Julian Niehues kam von Borussia Mönchengladbach II, Max Hippe vom BvB II und Boris Tomiak von Fortuna Düsseldorf II. Sie alle spielten letzte Saison noch in der Regionalliga West, die der Geschäftsführer Sport offensichtlich bestens im Blick hat. Während Julian Niehues noch recht weit von der Stammformation entfernt ist, lässt sich die Verpflichtung von Boris Tomiak bislang als Volltreffer bezeichnen. Auf Max Hippe darf man ebenfalls gespannt sein.


    Muhammed Kiprit war durch den unerwarteten Lizenzentzug Uerdingens erst kurz vor Saisonbeginn auf dem Markt. In seiner einzigen Drittligasaison erzielte der ehemalige türkische U21-Nationalspieler und frühere Deutsche Meister mit Herthas U19 gleich neun Treffer. Mit der ablösefreien Verpflichtung des 23-jährigen hat Thomas Hengen sicherlich alles richtig gemacht. Dennoch ist weder Kiprit noch Huth der Mittelstürmer, der dem FCK seit dem Weggang von Marvin Pourié fehlt. Mittlerweile teilen sich Hanslik und Klingenburg notgedrungen die Rolle des vordersten, ballsichernden Stürmers. Dies spricht allerdings eher für die taktische Flexibilität des Trainers als für eine perfekte Positionsbesetzung.


    Als einziges Eigengewächs schaffte Neal Gibs diese Saison den Sprung aus der U19 in den Profikader. Er hat aktuell gegenüber Hendrick Zuck das Nachsehen, könnte aber durchaus ein Kandidat für die Zukunft sein. De facto stehen mit Gibs, Zuck und dem mitunter etwas orientierungslosen Redondo überhaupt nur drei klassische linke Außenbahnspieler im Lauterer Kader. Keiner von ihnen gehört zu den Leistungsträgern. Auch wenn Linksfüße generell rar gesät sind, fehlt es dem FCK-Team auf dieser Seite klar an Qualität.

    Was für eine verpasste Chance!

    Es war eigentlich nur ein völlig beiläufiger Halbsatz des Lauterer Torhüters Matheo Raab in einem Interview: „ ...mein Vertrag läuft noch bis der Ende der Saison“. Der laut Kicker notenbeste Torwart der 3. Liga kann den FCK am Ende der Saison Stand heute also ablösefrei verlassen. Von außen betrachtet stellt sich demnach die Frage, warum der Vertrag des damaligen Ersatzkeepers kurz vor Saisonstart und der Perspektive, neuer Stammtorhüter der Roten Teufel zu werden, nicht verlängert wurde. Welcher Nachwuchstorwart hätte es wohl abgelehnt, einen besser dotierten Vertrag zu unterzeichnen und gleichzeitig erstmals die Chance zu bekommen, Nummer 1 zu werden?


    Der Weg des 22-jährigen dürfte nächste Saison sicherlich mindestens eine Liga nach oben führen – ob mit oder ohne FCK. Noch vor dem ersten Spieltag hätte Raab sicher keinen Grund gehabt einen neuen Vertrag abzulehnen. Aktuell hingegen hat er aus sportlicher und finanzieller Sicht keinen Grund am Betzenberg zu verlängern.

    Fatale Folgen für den Verein

    Die hier aufgeführten Beispiele für mögliche Kommunikationsmängel könnten vor dem Hintergrund der finanzielle Zwänge für den Verein eine echte Gefahr darstellen. Am 01. Januar 2022 öffnet das Winter-Transferfenster. Ein Stürmer und ein linker Außenbahnspieler dürften auf der Wunschliste des Trainers ganz oben stehen. Ob Max Hippe der Mann ist, der bisher in der Abwehr gefehlt hat und damit die offene Planstelle sinnvoll besetzen kann, wird sich bis dahin hoffentlich gezeigt haben. Thomas Hengen ist nun am Zug. Er muss durch Spielerabgänge finanziellen Freiraum schaffen, um Neuzugänge zu finanzieren. Idealerweise solche, die auch dem Suchprofil des Trainers entsprechen und der Mannschaft direkt weiterhelfen. Einen solchen Spieler hatte der FCK bereits in seinen Reihen. Er ist schnell, dribbelstark, torgefährlich und auf der linken Angriffsseite beheimatet. Eine Leihe bis Saisonende könnte durchaus im Bereich des Möglichen liegen.


    Quelle: Treffpunkt Betze

    Diskussionsthema zum Artikel: Aufwärtstrend dank Teambuilding „Barackler Art“


    Aufwärtstrend dank Teambuilding „Barackler Art“

    Teil I unserer Zwischenbilanz nach elf Spieltagen: Dem traditionell verpatzten Saisonstart folgt eine eindrucksvolle Serie. Wohin geht nun die Reise beim 1. FC Kaiserslautern?


    Spätestens mit den Unterschriften von Felix Götze und Jean Zimmer kurz vor Saisonbeginn stand selbst für skeptische Lautern-Fans fest: Diesmal klappt es mit dem Wiederaufstieg in die 2. Liga. Zudem gingen die Roten Teufel erstmals seit Ewigkeiten mit einem Coach in die Saison, der nicht „angeschossen“ war, sondern im FCK-Umfeld höchstes Ansehen genießen durfte. Die Mannschaft von heute ist größtenteils dieselbe, die noch in der vergangenen Saison eindrucksvoll den Klassenerhalt schaffte. Und sie wird sogar noch ergänzt um den Drittliga-Topspieler Mike Wunderlich. Was soll hier eigentlich noch schiefgehen?

    Zu viele Parallelen zur vergangenen Spielzeit

    Trotz hoher Erwartungen wurde der Saisonstart jedoch wieder einmal verpatzt. Gegen starke Gegner wie Braunschweig und Mönchengladbach präsentierte sich der FCK sehr ordentlich - fuhr aber keine Siege ein. Für Aufsteiger aus der Regionalliga fungieren die Roten Teufel weiterhin als zuverlässiger Punktelieferant (wie die 0:4 Niederlage gegen Viktoria Berlin eindrucksvoll bewies), gegen mittelmäßige Gegner wie Zwickau und Halle wurden - wie so oft - unnötig Punkte verschenkt. Aufgrund des „großen Erfolges“ wird selbst das Trauerspiel der Vorsaison in Meppen auch in diesem Jahr an gleicher Stelle aufgeführt. Und den traditionellen „vorläufigen Tiefpunkt“ gab es auch dieses Mal mit einer Niederlage in Magdeburg. Alles wie letzte Saison.


    Nach sieben Partien standen die Roten Teufel dann mit enttäuschenden fünf Punkten und 4:8 Toren auf dem 15. Tabellenrang. Da stellt sich die Frage, wie es eigentlich sein kann, dass ein Verein seit nunmehr einer Dekade Jahr für Jahr immer wieder die selben Probleme aufweist, obwohl das Personal alle zwei Jahre komplett ausgetauscht wird? Zumal das aktuell vorhandene Personal absolut vielversprechend ist. Es fällt einem einfach keine Erklärung mehr ein.

    Blau-schwarzes Teambuilding - der FCK sagt „Dankeschön“!

    Die Stimmung im FCK-Umfeld war Anfang September verständlicherweise komplett am Boden. Trainer Marco Antwerpen stand bei den Investoren der Saar-Pfalz-Invest GmbH (SPI) weit weniger hoch im Kurs als bei den Fans. Seine Entlassung galt bereits als sicher. Damit nicht genug. Der nächste Gegner wollte nicht nur zum Betzenberg anreisen, um drei Punkte zu entführen, sondern um einen Rivalen zu demütigen. Spätestens nach 41 gespielten Minuten, in denen außer Fußball spielen so ziemlich alles passiert war, deuteten alle Zeichen auf einen historischen Sieg der „Barackler“ hin.


    Dem Schiedsrichter entglitt das Spiel vollkommen. Er ließ sich von Mannheimer Offiziellen und Spielern merklich beeinflussen und dezimierte die Roten Teufel mit zwei Platzverweisen. Anschließend geschah, was wohl niemand erwartete. Die Männer in Rot präsentierten sich als absolute Einheit. Mit Disziplin, Organisation und heroischem Kampf gelang es neun Lautrern geradezu sensationell rund 60 Minuten lang gegen elf Waldhöfer das Tor sauber zu halten. Wer im Anschluss immer noch Zweifel hegte, ob der Trainer der Richtige sei und die Spieler noch erreicht, hatte das Spiel nicht gesehen.


    Ob Feng-Shui, River-Rafting oder gemeinsames „Floß-Bauen“: Ein effektiveres Team-Building als dieses Derby hat noch keine Lautrer Mannschaft jemals absolviert. Der Tiefpunkt war nun überwunden, der FCK fand zurück in die Spur. Ein großes Dankeschön gilt dem Mannheimer Motivationstrainer Jochen Kientz aka Joe Ibiza (nicht zu verwechseln mit Joe Exotic) - nebenher sportlicher Leiter beim SVW, und seinem sympathischen Team in blau-schwarz. Wir vergeben fünf Sterne und werden sie weiterempfehlen.

    Die Rückkehr zur Fünferkette

    In den ersten sieben Saisonspielen lief der FCK mit einer Vierer-Abwehrkette auf. Als „Aufbauspieler“ ließ sich hier stets ein Sechser in die Abwehrreihe fallen, um die Bälle von dort aus zu verteilen. Das fatale daran: Ob Marlon Ritter, Felix Götze oder Hikmet Ciftci - jeder einzelne brachte auf dieser Position eine ordentliche Leistung, um wenig später verletzt auszufallen. Gegen den SV Waldhof liefen die Roten Teufel erstmals in der Erfolgsformation der vergangenen Saison - der Fünferkette, auf. Die Defensivformation bestand aus drei klassischen Innenverteidigern und zwei „Schienenspielern“ auf der Außenbahn, welche sich bei Lauterer Ballbesitz nach vorne orientieren und eine Dreierkette zurücklassen. Zwar ist die taktische Formation im Derby wegen der Platzverweise bereits nach 20 Minuten passé, doch entwickelt sie sich fortan zur Erfolgsformel.


    Die nachfolgenden Gegner Verl, Osnabrück und Havelse vermögen es kaum sich Torchancen zu erspielen, geschweige denn ein Tor zu erzielen. Weitere Auswirkungen der Fünferkette: Aus der Tiefe des Raums kommend agieren Hendrick Zuck und Philipp Hercher fortan offensiv nun deutlich effektiver. In den Spielen vor dem Derby liefen beide ihrer Form noch hinterher. Die drei Innenverteidiger Boris Tomiak, Kevin Kraus und Alexander Winkler garantieren die absolute Lufthoheit in der Defensive und tragen dazu bei, dass auch die offensiven Standards der Roten Teufel endlich wieder gefährlich sind. Kevin Kraus, erst seit dem siebten Spieltag in der Startelf, scheint im neuen Defensivverbund besonders aufzublühen. Zudem steht er bei eigenen Standards immer wieder im Mittelpunkt, wo er entweder am kurzen Pfosten per Kopf verlängert oder in der Mitte als Abnehmer gesucht wird. Vor allem aber sticht Neuzugang Boris Tomiak in seiner ersten Drittligasaison bislang mit Zweikampfstärke und abgeklärtem Spiel als konstantester Defensivakteur heraus.

    Im Sturm wird improvisiert

    Grundsätzlich wird in der Offensive ein Spieler wie Marvin Pourié, der Bälle behaupten und „nebenbei“ auch selbst Treffer erzielen kann, vermisst. Zu Saisonbeginn probierte Marco Antwerpen noch unterschiedliche Optionen aus. Doch weder Kiprit, Hanslik oder Huth vermochten als alleinige Spitze zu überzeugen. Erst in den letzten Wochen teilen sich der lauf- und spielstarke Daniel Hanslik sowie der „unkaputtbare“ René Klingenburg die Rolle in forderster Front. Muhammed Kiprit kommt zumeist von der Bank. Aktuell haben alle drei Angreifer zwei Saisontreffer auf dem Konto.


    Dahinter wird es deutlich dünner. Kenny-Prince Redondo wird dank seiner Schnelligkeit teilweise als eine Art Konterstürmer eingesetzt, kann aber bislang noch nicht komplett überzeugen. Simon Stehle scheint ohnehin nicht Antwerpens Wunschspieler zu sein und Elias Huth bekommt vom Trainerteam überhaupt keine Einsatzzeiten mehr. "Zocker" sollten in ihrem Wettbüro schon einmal die Quote für einen Huth-Wechsel nach Zwickau in der Winterpause erfragen.

    Die Überraschungen der Saison

    Zu Saisonbeginn traf Marco Antwerpen die mutige Entscheidung, dem bisherigen Ersatztorhüter Matheo Raab das Vertrauen als neue Nummer 1 zu schenken. Das überraschte die meisten - einschließlich den Torwart selbst. Schließlich hatte dessen Vorgänger Avdo Spahic bisher keinesfalls enttäuscht. Raab nutzte seine Chance quasi von der ersten Minute an. Die ruhige Art, mit der sich der 22-jährige Keeper präsentiert, ist wirklich beeindruckend: Tolle Reflexe, starke Strafraumbeherrschung und absolute Ruhe mit dem Ball am Fuß. Gerade die Strafraumbeherrschung ist es, die ihn von seinem Vorgänger abhebt. Gemeinsam mit den drei Innenverteidigern sorgt Raab dafür, dass bei gegnerischen Standards nun kaum noch Gefahr entsteht. Die Leser von Treffpunkt Betze sahen das ähnlich und wählten ihn zum Spieler des Monats August.


    Noch vor knapp sechs Monaten spielte Marlon Ritter im Lauterer Kader eigentlich keine Rolle mehr und erhielt maximal Kurzeinsätze. In dieser Saison ist er kaum noch wiederzuerkennen: Fit wie nie, ballsicher, spielfreudig, laufstark und sogar effektiv in der Defensive. Marco Antwerpen schaffte es tatsächlich, die Fähigkeiten des ehemaligen Paderborners herauszukitzeln. Ein Unterfangen, an dem seine beiden Vorgänger noch kläglich scheiterten. Ritter liefert aktuell konstant gute Leistungen ab und lässt hin und wieder gar seine Extraklasse aufblitzen. Seine Ballmitnahme vor dem 1:0 Führungstreffer gegen Havelse könnte in der 3. Liga sicherlich kaum ein Spieler gewollt replizieren. Der anschließende 40-Meter-Sprint und der überlegte Torschuss rundeten die überragende Einzelleistung ab.

    Ein Blick auf die Tabelle

    Der aktuelle zehnte Tabellenplatz mit nur drei Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge ist trotz der Serie von drei gewonnenen Spielen weiterhin enttäuschend. Drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz bzw. sechs auf die Tabellenspitze relativieren diese Enttäuschung jedoch ein Stück weit, sind aber allein der Ausgeglichenheit der Liga geschuldet. So hat der Tabellenführer aus Magdeburg bereits drei Niederlagen auf dem Konto und der Liganeuling BvB II ist nicht aufstiegsberechtigt, weshalb aktuell Platz vier zur Relegation reichen würde. Man kann sich demnach leicht ausrechnen, wo der FCK stehen könnte, wäre der Saisonstart auch nur mittelmäßig verlaufen.

    Was folgt auf das 6:0?

    Gehen die Lautrer in Führung, sind sie momentan kaum in Gefahr zu bringen. Fraglich ist, wie die Mannschaft reagieren wird, wenn sie einmal in Rückstand gerät. In dieser Saison konnten die Roten Teufel bislang noch kein einziges Mal nach einem Rückstand Punkte einfahren. Durch die kleine Serie von zehn Punkten und 10:0 Toren aus den letzten vier Partien sollte das Team mittlerweile genug Selbstvertrauen besitzen, um mit kleinen Rückschlägen umzugehen. Zumal sich das Lazarett (Zimmer, Ciftci, Hippe) nun endlich lichtet und die Sperren (Redondo, Senger) abgesessen sind. Doch gerade die Schlüsselspieler im Mittelfeld wie Jean Zimmer, Felix Götze, Mike Wunderlich und Nicolas Sessa blieben in der Gesamtheit der ersten elf Spieltage hinter den Erwartungen zurück. Zum Großteil ist dies Verletzungen geschuldet. Sollten diese Schlüsselspieler endlich einmal für längere Zeit unverletzt bleiben, schlummert bei ihnen natürlich noch einiges an Potential.


    Jetzt ist sie natürlich wieder da, die Euphorie rund um den Betzenberg. Bleibt zu hoffen, dass das Publikum auch die Geduld hat, einmal mit einem 0:0 oder einem Rückstand umzugehen. Es liegt nun an Mannschaft, Trainer und Fans, den 10-jährigen Fluch endlich zu beenden.


    Dies gilt zumindest für den Ligabetrieb. Im Verbandspokal scheiterten die Roten Teufel auf eine klägliche Art und Weise am Oberligisten TuS Mechtersheim. In der Konsequenz kann sich der FCK nur noch für die Teilnahme am kommenden DFB-Pokal qualifizieren, wenn es der Mannschaft gelingt, einen der ersten vier Plätze zu erreichen. Gezeigt hat die Partie in Mechtersheim vor allem eines: Der so genannte zweite Anzug sitzt nicht. Ganz und gar nicht. Die Qualität aus der zweiten Reihe kommend ist einfach nicht ausreichend. Das kann und das wird den FCK im Laufe dieser langen Saison noch vor Herausforderungen stellen. Trotzdem soll das Aus im Verbandspokal die neu entfachte Euphorie nicht ausbremsen. Am 16. Oktober geht es schließlich ohne „Doppelbelastung“ weiter - dafür hoffentlich wieder mit allen Leistungsträgern, die den Betze zum nächsten Heimsieg führen.


    Quelle: Treffpunkt Betze

    Es gibt eine Vielzahl an Rückenproblemen. Da wir keine Details kennen, ergeben auch Aussagen hinsichtlich der "normalen" Ausfallzeit hier wenig Sinn.


    Laut Antwerpen wirken sich die Rückenprobleme auf den Oberschenkel aus. Klingt zumindest nicht ganz trivial.

    Diskussionsthema zum Artikel: Kommentar: Hätte, hätte? Fünferkette!


    Kommentar: Hätte, hätte? Fünferkette!

    Nach mehr als sieben Monaten ohne Auswärtserfolg siegt der 1. FC Kaiserslautern dank starker Defensivleistung mit 2:0 beim SC Verl. Ein Kommentar.


    Die überragende Leistung vom letzten Wochenende, als sich neun Lauterer gegen 11 Waldhöfer einen Punkt erkämpfen, fühlt sich noch immer an wie ein Sieg. Allerdings bringt auch der gefühlte Sieg nur einen Punkt. Mit anderen Worten: Die Punkte müssen beim Auswärtspiel gegen Verl geholt werden. Dort lässt Trainer Marco Antwerpen so spielen, wie es eigentlich schon im Derby gegen den SV Waldhof geplant ist: Die Rückkehr zur Fünfer-Abwehrkette führt letztlich zum ersten Auswärtserfolg.

    Fünf ist Trümpf

    Offenbar hat sich das Trainerteam zunächst einmal vom edlen Gedanken des offensiven Fußballs verabschiedet. Und mit was? Mit Recht! Wie schon bei der Aufholjagd im Frühjahr 2021 agieren die Lauterer nun mit einer Fünfer-Abwehrreihe. In dieser werden die drei kopfballstarken Innenverteidiger Kevin Kraus, Alexander Winkler und Boris Tomiak außen von Hendrick Zuck und Philipp Hercher flankiert. Im Mittelfeld agiert Marlon Ritter als defensiver Sechser hinter der Dreierreihe Wunderlich-Klingenburg-Sessa. In vorderster Front läuft Daniel Hanslik als einziger Stürmer auf. Schon im Derby gegen Mannheim kommt die Fünferkette in dieser Saison erstmals kurz zum Einsatz, muss dort jedoch - nach dem Karten-Tourette des Referees - schnell wieder eingestampft werden. Dieses Mal darf zu elft durchgespielt werden. Ohne die rotgesperrten Kenny-Prince Redondo und Marvin Senger sowie den verletzten Jean Zimmer präsentieren sich die Roten Teufel von Beginn an kompakt und konzentriert defensiv.

    Mäßig attraktiv, doch sehr erfolgreich

    Das Match in Verl plätschert fast den kompletten ersten Durchgang relativ ereignislos vor sich hin. Die Abwehr steht sicher und es gibt wenige Torgelegenheiten für beide Teams. Aber bekanntlich bekommt man in der 3. Liga einfach immer irgendwann seine Torchancen. So auch am Sonntag, als Philipp Hercher die beinahe einzige Tormöglichkeit des ersten Durchgangs zur Lauterer Führung nutzt. Auch anschließend steht die Lauter Defensive sicher und lässt überhaupt nichts anbrennen. Aus der Tiefe kommend haben gerade die beiden Außenverteidiger Hercher und Zuck bei Lauterer Angriffen deutlich mehr Raum als noch zuletzt.


    Zwar ist das Spiel nicht wirklich attraktiv und recht chancenarm, doch mit zunehmender Spieldauer gewinnen die Roten Teufel sichtbar an Selbstvertrauen. Der Fußball der Pfälzer wird erst ansehnlich, als die Ostwestfalen hinten aufmachen müssen. Nun blitzt auch immer wieder die individuelle Klasse einiger FCK-Akteure auf. Lediglich zwei Kritikpunkte gibt es am Lauterer Spiel: Lange Bälle, die weit aus der FCK-Defensive nach vorne geschlagen werden, finden selten ihren Abnehmer und kommen jeweils wie Boomerangs zurück. Auch wenn hier letztlich keine großen Torchancen für den Gegner entstehen, muss das Lauterer Spiel hier noch deutlich kontrollierter werden. Ansonsten ist die Strategie absolut die richtige. Das zweite Manko ist die Chancenverwertung. Hierzu später mehr.

    Ritter macht den Unterschied

    Es ist kein Geheimnis, dass Marlon Ritter an guten Tagen mit dem Ball so ziemlich alles kann. Allerdings ist die Anzahl seiner guten Tage im FCK-Trikot immer noch sehr überschaubar. Gegen Verl knüpft der ehemalige Paderborner an seine überragende Leistung aus dem Derby gegen Mannheim an. Mit feiner Technik verteilt er die Bälle im Spielaufbau und fungiert als Schaltzentrale im Mittelfeld. Dazu überrascht er neuerdings sogar noch mit bisher ungeahnten Defensivqualitäten. Gleich mehrfach wiederholt sich im ersten Durchgang folgende Szene: Ritter hat den Ball auf der rechten Seite, macht dort eine schnelle Drehung und schlägt den Pass lang auf die linke Seite. Dort hat sich zum Hendrick Zuck wieder einmal von seinem Gegenspieler davongestohlen. Anschließend sucht der ehemalige Braunschweiger dann zumeist den kurzen Pass auf die Mittelfeldkollegen in Strafraumnähe. Das einzige Mal, wo Zuck eine hohe Flanke aus dem Halbfeld wagt, landet diese perfekt auf dem Kopf des rechts in den Strafraum hereinrückenden Hercher, der damit den 1:0 Führungstreffer markiert.

    Als Kiprit kommt, blüht Hanslik auf

    Mitte der zweiten Halbzeit muss Verl mehr riskieren, wodurch sich die tiefstehenden Lauterer soviele hochkarätige Torchancen erspielen wie schon lange nicht mehr. Mike Wunderlich tanzt an der Strafraumkante gleich drei Gegenspieler „auf dem Bierdeckel“ aus und lupft den Ball perfekt zu René Klingenburg. Dieser lässt sieben Meter vor dem Tor noch einen Verteidiger aussteigen, um dann mit einem „Schüsschen“ am Torhüter zu scheitern. Daniel Hanslik setzt sich nach Pass von Wunderlich gegen seinen Gegenspieler durch und schiesst das Leder aus spitzem Winkel an den Pfosten. Nicolas Sessa scheitert - nach Traumpass von Hanslik - freistehend am gegnerischen Torwart. Wiederum ist es Hanslik, der Hercher mit einem Doppelpass auf die rechte Außenbahn schickt. Dessen Hereingabe nutzt Muhammed Kiprit schließlich zum erlösenden 2:0. Schad erzwingt einen Fehler des herauslaufenden Torhüters und passt zu Wunderlich. Dieser setzt sich gegen den letzten verbleibenden Verteidiger durch, vergisst aber auf dem Weg zum leeren Tor für einen Moment die Verfolger in seinem Nacken und vertändelt leichtfertig diese 100%ige Möglichkeit.


    Die fünf Riesenchancen im zweiten Durchgang aus denen lediglich ein Treffer resultiert, zeigen nicht nur den Chancenwucher, den das Team in die neue Saison „hinübergerettet“ hat. Sie demonstrieren auch, wozu die Mannschaft spielerisch im Stande ist. Vier der fünf Gelegenheiten entstanden, als Muhammed Kiprit für Klingenburg eingewechselt wurde und dessen Position hinter Daniel Hanslik einnimmt. Wie schon in der letzten Rückrunde scheint Daniel Hanslik gerade dann aufzublühen, wenn außer ihm ein weiterer „echter“ Stürmer auf dem Platz steht.

    Das Selbstvertrauen steigt

    Gerade die FCK-Spieler, die sich bereits im Derby Bestnoten verdienen, sind auch gegen Verl die Aktivposten: Boris Tomiak spielt die Innenverteidigerrolle absolut souverän, Hendrick Zuck und Philipp Hercher beherrschen ihre Außenbahnen und Marlon Ritter brilliert sowohl als Ballverteiler als auch als defensiver Abräumer in der Zentrale. Grundsätzlich ist jedem einzelnen Spieler anzumerken, wie sehr ein Erfolgserlebnis zuletzt gefehlt hat.

    Der lauteste Lauterer Gästeblock seit langem

    Es wird in der 3. Liga langsam zur Gewohnheit, dass die Auflagen des DFB verhindern, dass Vereine ihre eigenen Stadien nutzen können. So empfängt der SC Verl aktuell seine Gäste am Lotter Kreuz, der Spielstätte der Sportfreunde Lotte. Dass dort am Sonntag keinerlei Heimspielatmosphäre aufkommt, ist allerdings primär dem Gästeblock geschuldet. Entweder die Magentasport-Mikrofone stehen in Lotte direkt vor dem Gästeblock oder die Fans aus der Pfalz sind bei diesem 2:0 Auswärtssieg einfach nur brutal laut. Oder beides. Über die komplette Spielzeit singt der Lauterer Block ohne Pause und übertönt im Sportpark am Lotter Kreuz einfach alles. Dank unpersonalisierter Tickets sind erst zum zweiten Mal in dieser Saison auch wieder Lauterer Ultras anwesend. Man kann dem kompletten Pfälzer Anhang den Nachholbedarf anmerken, endlich mal wieder eine ordentliche FCK-Leistung besingen zu dürfen. Auch Lauterns Coach Marco Antwerpen zeigte sich froh, „dass wir die mitgereisten Fans einfach mal belohnen“.

    Never change a running system

    "Wir haben es letzte Woche zu neunt verteidigt, dann kriegen wir es wohl diese Woche zu elft auch hin" zitiert „Man of the Match“ Philipp Hercher aus der Lauterer Kabine. Tatsächlich bleiben die Roten Teufel ein weiteres Mal ohne Gegentor. Bezeichnenderweise hat Verl seine größte Chance als Nicolas Sessa den Ball im eigenen Strafraum vertendelt. Ansonsten hat der Gastgeber keine nennenswerte Torchancen. Dementsprechend schlußfolgert SCV-Trainer Capretti nach dem Spiel: "Wenn du nicht auf's Tor schießt, kannst du nicht gewinnen"! Die Aussage darf die Lauterer Defensive durchaus als Bestätigung ihrer Leistung ansehen.


    Am nächsten Samstag um 14:00 Uhr gastiert der VfL Osnabrück am Betzenberg. Es ist zu befürchten, dass René Klingenburg sich in das Lauterer Lazarett einreihen muss. Jedoch könnte es auch den einen oder anderen Rückkehrer ins Team geben. Angeblich muss man ja in Heimspielen offensiv auftreten. Muss man das wirklich? Die bislang einzige erfolgreiche Strategie mit der defensiveren Fünferkette sollte unbedingt beibehalten werden. Mit einem langweiligen 1:0 Heimsieg könnten rund um den Betzenberg aktuell sicherlich alle gut leben.


    Quelle: Treffpunkt Betze

    Was im Verein und im Forum alles NICHT funktioniert hast Du hier aufgelistet.


    Wie sieht denn Dein Lösungsansatz aus?